19.11.-24.11.2025 – Port Stephens
Den Rest des Tages verbringen wir an einem der für Australien typischen, unendlich langen und breiten, in Dünen übergehenden, Sandstrände. Der Strand ist so gross, dass er trotz der vielen Leute leer erscheint. Wenn man sich etwas vom Meer entfernt, gelangt man in die Dünenlandschaft. Hier wird alles Mögliche für Touristen angeboten. Es gibt sogar eine Kamel- Karavane für einen kurzen Ritt auf den «Wüstenschiffen». Mitten in Down Under fühlen wir uns wie in 1001- Nacht. Wir machen es uns etwas abseits auf einem Stein gemütlich und machen es wie die Koalas.
Das letzte Mal prüfen wir den Wind und die allgemeinen Wetterkonditionen. Das letzte Mal legen wir von einer Boje ab. Das letzte Mal stechen wir in See. Es ist Nachmittag und wir fahren aus der geschützten Lagune von Port Stephens. Heute erwarten uns leider keine Delfine mehr. Wir nehmen die Pinne für die ersten Meilen selbst in die Hand und geniessen die Fahrt. Nach dem wir das kleine Kap umrundet haben, schalten wir den Autopiloten ein und lassen uns zu unserem endgültigen Ziel chauffieren. Die Wellen und der Wind sind leichter als angenommen, so tuckern wir mit dem Flautenschieber durch die letzte Nacht. Alles ruhig. Einige Fischer in der Ferne. Immer wieder ein Leuchtfeuer an Land. Frühmorgens erreichen wir das viel gelobte «Pittwater». Es ist erst acht Uhr, als wir in dieses ruhige Gewässer einlaufen. Somit nehmen wir uns die Zeit und machen eine Runde in diesem verwinkelten Ästuar (Mündungstrichter). Naja, da haben wir bei weitem schöneres gesehen. Ok, mag an dieser Stelle etwas überheblich klingen, doch dieses Gewässer gefällt uns nicht besonders. Wir geniessen das Frühstück an Bord und machen uns bald auf zur Marina.
Das erste Treffen mit unserem Bootsmakler «DBY» ist sehr unkompliziert und aufschlussreich. Sie erklären uns, wie wir das Importieren vorantreiben können und ab wann «DBY» ins Spiel kommt. Sie bieten uns bei jedem Schritt vom Import Hand an und unterstützen uns mit ihrem langjährigen Wissen. Wir fühlen uns gut aufgehoben und schlendern nach Newport. Newport, das kleine Städtchen um die Ecke bietet nicht viel, doch alles, was wir benötigen. Wir machen einen Abstecher auf die Post und in den Supermarkt und schnell wieder zurück aufs Boot. Es gibt viel zu Tun. Als erstes geht Conny den Import an. Damit Pagsinta in Australien importiert werden kann, muss der Marktwert von einem Spezialisten geschätzt werden. Conny sendet ihm alle Bilder und unsere Verkaufsdokumentation und eine Stunde später haben wir bereits das erste wichtige Dokument in den Händen. Sogleich schreibt sie unseren Agenten an. «DAZMAC» wird alles Bürokratische mit der Zollbehörde regeln. Der Import läuft. Unterdessen erledigt Stef die kleineren Flickarbeiten. Anschliessend entrümpeln wir das Boot. Wir unterscheiden, was kommt mit auf die Weiterreise, was senden wir in die Schweiz, was kann der Käufer gebrauchen und was wird entsorgt. Sogleich die «Backskisten» ausgeräumt sind oder die Hundekoje leer ist, putzen wir hinterher. Somit haben wir einiges länger an dieser Arbeit als gedacht. Am nächsten Morgen packen wir die knapp sechzig Kilogramm zum Versand in eine Schubkarre und schleppen unser Material zur Post. Wir haben bereits Übung mit dem Verpacken aus Neukaledonien und somit sind die drei Kisten schnell verpackt und aufgegeben. Schnell zurück und die restliche Arbeit vorantreiben. Das Deck wird geschruppt. Alle Rostläufe entfernt. Die Hülle geputzt. Das Dinghy geputzt und verstaut. Und schlussendlich das ganze Interieur auf Hochglanz gebracht. Zwischendurch wird immer wieder mit «DAZMAC» und «DBY» über den Import debattiert. Nach arbeitsreichen drei Tagen ist Pagsinta für einen neuen Besitzer bereit.
Etwas Wehmut schwingt in der Luft. Die Luft riecht aber auch nach Neuem. Am frühen Morgen kommt Rod von «DBY» mit seinem kleinem Boot an unseren Steg. Er ist begeistert von unserem Boot und wie wir es zum Verkauf hinterlassen. Das allerletzte Mal starten wir den Motor. Fahren ruhig aus dem Hafen und zwängen uns in das enge Bojen Feld. Tief durchatmen. Ein letzter Abschiedsgruss an unsere treue Begleiterin und dann bringt uns Rod an Land. Pagsinta bleibt zurück.
Beim Schreiben dieser Zeilen bildet sich nochmals einen Klos im Hals und Tränen kullern aus den Augen. Was haben wir für eine tolle Zeit mit unserer Pagsinta erlebt. Vielen Dank kleines Boot.
02.12.-08.12.2025 – Sydney
Mit all unserem Gepäck warten wir auf den Taxifahrer. Etwas zerlumpt sehen wir aus. Unsere Taschen haben während der Reise sehr gelitten und wir haben alles irgendwie in die defekten Taschen und in kleine Einkaufstüten verstaut. Dies müssen wir in Sydney unbedingt ändern. So können wir nicht Reisen. Noch etwas betrübt stehen wir da als das Taxi ankommt. Doch sobald unser Fahrer aussteigt erhellen sich unser Gemühter. Ein waschechter Polynesier. Gross gebaut und mit den typischen Tattoos verziert, begrüsst er uns mit einem warmen Lächeln. Während der stündigen Fahrt reden wir viel über sein Land. Er erklärt uns nochmals sehr eindrücklich das Leben auf Tonga. Als Rugbyspieler kam er nach Australien, doch vermisst er seine Heimat. Dies können wir gut nachempfinden. Stef verfolgt die Fahrt auf Google Maps. Erstaunt bemerkt er, dass wir an der berühmten Harbour Bridge vorbeifahren. Der Bitte, gleich über diese grosse Brücke zu fahren, kommt der Tongalese gerne nach. Was für eine Ankunft in Sydney.
Unser günstiges Hotel, das Ibis Budget liegt einiges ausserhalb des Zentrums und macht einen heruntergekommenen Eindruck. Das Zimmer ist zwar sauber, doch immer wieder stinkt es aus dem Abfluss, was wir hier nicht weiter erläutern wollen. Schnell treibt es uns in die Stadt. Wir wollen uns neue Reiserucksäcke oder Taschen kaufen. Zu Fuss schlendern wir durch den grossen Sydney Park und erreichen bald darauf das erste Outdoor- Geschäft. Fündig werden wir nicht, doch die freundlichen Mitarbeiter erklären uns, wo wir diverse Geschäfte in der Stadt finden. Alle auf einem Haufen an der Kent- Street. Wir steigen in die Metro hinab. In der Kent—Street klappern wir alle empfohlenen Häuser ab und werden fündig. Wir erstatten uns zwei praktische Reisetaschen, welche man bequem auf Rollen ziehen kann oder bei Bedarf hervorragend als Rucksack trägt. Durch unsere Shoppingtour haben wir bereits einen Eindruck dieser riesigen Stadt bekommen. Im Hotelzimmer versuchen wir alles sauber zu packen. Trotz den zwei neuen achtzig Liter Taschen, schaffen wir es nicht, alles inklusive Tauchgepäck zu verstauen. Schlussendlich finden wir eine gute Lösung, müssen jedoch nochmals ein Packet in die Schweiz aufgeben.
Unser miefiges Hotelzimmer verlassen wir heute gerne und wechseln in ein günstigeres, doch sauberes Hostel in Newtown. Viel zu früh erreichen wir mit unserem neuen Gepäck die Unterkunft. Wir dürfen das Gepäck in einem Abstellraum verstauen und machen uns gleich auf in die Stadt. Heute erkunden wir Sydney endlich als Touristen. Selbstverständlich fahren wir mit dem Zug direkt an den Circular Quai, den Hafen von Sydney. Kaum aus dem Bahnhof, befinden wir uns in einer Menschenmasse an Touristen. Logisch, wir sind am berühmten Hafen zwischen Harbour Bridge und Opernhaus. Wir lösen uns von den Massen und schlendern durch den Park auf die andere Seite der kleinen Bucht. Der perfekte Blick auf die zwei Wahrzeichen von Sydney. Hier könnte auch Pagsinta ankern. Wir stellen uns dieses Szenario vor, und sind ganz froh, können wir die Stadt von Land aus besuchen und ankern nicht hier. Obwohl, der städtische Ankerplatz vor dieser Kulisse perfekt wäre. Langsam nähern wir uns dem Opernhaus. Auch aus der Nähe ein besonderer Blickfang. Kurz überlegen wir, ob wir eine Vorstellung besuchen wollen. Es gibt noch Plätze und auch der Preis ist erschwinglich. Nur spielen sie das Theater von Romeo und Julia. Da dieses ganz ohne Musik ist, und das Opernhaus vor allem vor seine Akustik berühmt ist, verwerfen wir diesen Gedanken wieder. Weiter geht’s auf die Harbour Bridge.
Eine eindrückliche Stahlbrücke mit schöner Sicht auf Sydney und die weisse Oper. Via dem altehrwürdigen Viertel «Rocks», eilen wir durch die Pitt Street und die Georges Street bis zur Town Hall. Die vielen Menschen, das Gewimmel und Gedränge macht uns ganz überreizt. Husch in die Town Hall Station, «Tap on» und mit der Metro raus aus der Fülle, zurück nach Newtown. In diesem alternativen Viertel fühlen wir uns bereits etwas wohler. Wir checken in unserem herzigen Hostel ein und legen uns kurz hin, um die vielen Eindrücke zu verdauen.
Dem Gewusel von Gestern wollen wir heute entgehen. Wir besuchen das maritime Museum. Eine super Entscheidung. Im eigenen Hafen liegen zahlreiche Schiffe. Es gibt von jedem Typ ein Stück. Auch eine Langfahrten Yacht, ähnlich der Pagsinta ist ausgestellt. Uns interessieren diesmal die grossen Schiffe. Die historische «Endeavour» von James Cook ist hier angetaut. Auch wenn es nur eine Nachbildung ist, hat auch dieses Schiff bereits die Welt umrundet. Ein Crewmittglied von der Fahrt auf dem Replika steht bereit und erklärt uns vieles, über ihre Fahrt. Er macht den Verglich zu James Cooks Zeiten. Natürlich stellen wir auch unsere Fahrt gegenüber. Einfach spannend und die Zeit verfliegt. Auch das zweite Boot ist etwas ganz Besonderes. Wir steigen in ein U- Boot. Dieses hat im Kalten Krieg in den 70er Jahren patrouilliert. Auch hier treffen wir auf ein ehemaliges Besatzungsmitglied. Ein U-Boot von Innen zu sehen und mit einem Veteranen zu sprechen ist faszinierend. Man kann sich das Leben an Board kaum vorstellen. Beängstigend! Das letzte Boot, welches wir betreten, ist ein Zerstörer aus der gleichen Zeit. Doch wir sind bereits von den Geschichten gesättigt und schlendern etwas uninteressiert durch das Kriegsschiff. Nach einer Pause im Café besuchen wir zwei Sonderausstellungen. Vor allem die Ausstellung «Photographer of the Year» hat es uns angetan. Lange studieren wir die perfekten Aufnahmen und philosophieren über unser gemeinsames Hobby das Fotografieren. Zum Abschluss dieses Tages besuchen wir das nahegelegene Chinatown und den beliebten «Paddy’s Market». Von Beidem sind wir enttäuscht und machen uns nach einem schnellen Abendessen aus dem Staub.
Samstag, der Tag der Märkte. In Sydney gibt es samstags verschiedene Märkte. Es wird viel Secondhand angeboten. Es gibt Handarbeiten und leckere Essensstände. Auf dem ersten Markt spielt jemand auf seiner Gittere und bringt den Park in eine besonders schöne Stimmung. Zu einer frischen Limonade lauschen wir dem Gitarrenspiel und geniessen für einmal das entspannte Sydney. Erholt gehen wir am Abend aus. In einer kleinen Musik Bar wollen wir ein Konzert besuchen. Wir kommen früh in die dunkle Bar. Die Musiker sind noch beim Soundcheck. Dieser verspricht bereits viel. Während sich der Saal in der vorderen Hälfte mit dem Konzertpublikum fühlt, treffen im hinteren Teil die Gäste für eine LBGT-Geburtstagsfeier ein. Die Feier ist bereits in vollem Gange, während der DJ die Konzertbesucher langsam in Musiklaune bringt. Eine spezielle Szene, doch schön wie alles Platz hat. Als die Vorband aufspielt, vermischt sich das Publikum. Die afrikanische Kombo startet langsam und heizt immer mehr ein. Die Hauptband, welche aus fast den gleichen Musikern besteht, spielt mit mitreisender Spiellaune und lässt immer wieder dem spontanen Jam freien Lauf.
Morgen fliegen wir nach Bali. Der erste Grenzübertritt ohne Boot. Einfach in den Flieger, durch die Passkontrollen und gut ist. Oder? So einfach ist es leider nicht. Indonesien hat einige Einreisebestimmungen. Wir googlen und buchen und füllen online Formulare aus. So vergeht der Tag, während wir vor unseren Laptops auf dem Bett sitzen und unsere Weiterreise planen. Da wir gerade dabei sind, überprüfen wir noch einmal die möglichen Tauchsafaris in Raja Ampat. Bing! Unsere bevorzugte Safari hat wieder zwei Plätze frei. Genial. Auch die Tauchsafari wird sogleich gebucht. Am späteren Nachmittag haben wir es geschafft. Indonesien wir kommen. Frühmorgens machen wir uns mit Sack und Pack auf den Weg zum Flughafen. Der Check- In ist schnell erledigt und bald heben wir ab, in ein neues Kapitel unserer Weltreise.











