Unser Segelabenteuer
 

01.09.-05.09.2024 – Piscadera – Alles erledigen was geht

Caracara
Da es in Curacao etwas kompliziert ist mit den wenigen Ankerplätzen und den benötigten Genehmigungen, erstellen wir uns einen Plan, wie wir die letzten Tage auf Curacao gestalten wollen. Mit unserem Plan in der Tasche mac hen wir uns ein weiteres Mal auf nach Willemstad zum Hafenmeister. Anders als geplant, dürfen wir nicht in Westpunt, ganz im Norden, ankern. Wir können nur zwischen zwei Ankerplätzen im nördlichen Teil wählen. Es wird uns Santa Marta anstelle von Westpunt vorgeschlagen. Wir buchen drei Nächte in Santa Marta und sechs in Santa Cruz. Nach dieser Zangengeburt finden wir in einem künstlerischen Viertel um die Ecke ein gemütliches Café. Was haben wir nach dem Hickhack beim Hafenmeister eigentlich gebucht? Santa Marta? Wir konsultieren unsere Karten und Apps und machen uns ein wenig schlau über diese Bucht. Nur schon die Einfahrt hat es in sich. Maximale Wassertiefe: einen halben Meter. Wie sollen wir in diese Bucht gelangen mit einem Tiefgang von 1,4 Meter? Kurz um, wir werden nicht in Santa Marta ankern, sondern alle neun Nächte in Santa Cruz verbringen. Basta! 
Conny beim Abstieg
Die restlichen Tage in der Piscadera verbringen wir mit Fotobearbeitung und mit dem Basteln an der Homepage. Eine Wanderung unternehmen wir doch noch. Wir spazieren auf den Hügel direkt neben uns. Ein guter Weg führt durch die stacheligen Büsche bis auf die Spitze. Von hier können wir die kleinen grünen Papageie gut beobachten. Auch einige Caracaras und ein Hase kreuzen unseren Weg. Der Abstieg auf der hinteren Seite wird anspruchsvoll. Mit einem angebrachten Seil seilen wir uns den steilen Felshang ab. Das hatten wir nicht erwartet, doch geniessen die kleine Herausforderung.

06.09.-14.09.2024 – Santa Cruz – Die Zeit vergeht wie im Fluge
Sardinenschwarm
Ein schöner Segeltag erwartet uns. Nur kurz läuft der Motor, bis wir den schmalen Durchgang zur Bucht passiert haben. Sogleich setzten wir die Segel und gleiten nordwärts an der Einfahrt von Santa Marta vorbei, wie geplant direkt nach Santa Cruz. In der schmalen Bucht befindet sich kein anderes Boot. Darum platzieren wir uns ziemlich genau in der Mitte. Das erste Mal hält der Anker nicht. Der Untergrund ist nur mit wenig Sand bedeckt. Ansonsten finden wir nur Geröll. Beim zweiten Anlauf finden wir eine Sandfläche und der Anker hält, nachdem wir ihn wieder einmal von Hand eingegraben haben. Am nächsten Morgen kommt ein Fischer in seinem kleinen Boot auf uns zu. Er bittet uns um Hilfe, weil er sich einen Fischerhaken in den Finger gerammt hat. Stef springt auf sein Boot und versucht den Hacken herauszubekommen. Keine Chance. Der Wiederhacken sitzt. Man müsste den Hacken durchdrücken oder den Finger aufschneiden. Für beides fehlt uns jedoch das passende Besteck. Conny desinfiziert dem Fischer die Wunde und wir raten ihm den Doktor aufzusuchen. Er schätzt unsere Bemühungen trotzdem und beschenkt uns mit einem schönen Thunfisch. Was für ein Geschenk. Der Sandstrand neben unserer Bucht lädt zum Grillieren ein. So machen wir uns am nächsten Tag mit Fisch, Salat und Kartoffeln zum Nachbarstrand auf. Das Holz für unser Feuer ist rasch gefunden. Beim Eindämmern entfachen wir das Feuer und sobald wir eine schöne Glut haben, kommen die Kartoffeln in diese und ein wenig später der Fisch auf den Grill. Kurz nach Schlemmerbeginn kommen die Sandflöhe. Es hat derart viele und die Bisse picken nicht schlecht, dass wir unser Mahl leider hastig herunterschlingen, um möglichst schnell nach Hause aufs Wasser zu fahren. Auf dem Boot angekommen, springen wir ins Wasser, waschen uns mit Duschgel und hoffen, die Flöhe losgeworden zu sein. Die Bisse picken während den folgenden Tagen noch ordentlich.
Hohlkreuzgarnele
Die übrige Zeit in Santa Cruz verläuft ruhig in einem geordneten Tagesablauf. Morgens geht Conny eine Stunde schnorcheln und Stef nutzt die Zeit, um sich in Photoshop mittels Video-Tutorials weiterzubilden. Anschliessend üben wir je eine Stunde auf der Ukulele. Es macht Spass die kleinen Fortschritte im Spiel zu fühlen und langsam auch den Gesang von «Lady in Black» und «Runaway Train» einzubringen. Nicht ganz ohne, doch Übung macht den Meister. Während der eine spielt, liest der andere in seinem Buch. Herrlich! Am Nachmittag machen wir jeweils einen Tauchgang. Viel zu sehen gibt es leider nicht. Die Riffe sind ziemlich zerstört, von Algen bewachsen und ausgebleicht. Trotzdem erhaschen wir die kleinen Wunder der Unterwasserwelt. Während unseres letzten Tauchganges kommt ein riesiger Sardinenschwarm an uns vorbei. Wir tauchen in ihn hinein. Die Sardinen umkreisen uns und geben uns wieder frei. Ein unglaubliches Spektakel!
Totes und veralgtes Riff
Bereits bricht der 14. September an. Unser offiziell letzter Tag in der Bucht. Wir machen uns das letzte Mal auf nach Willemstad. Wir marschieren zur Nahegelegenen Bushaltestelle. Da wir, wie so oft in Curacao kein Internet haben, wissen wir nicht, wann hier ein Bus kommen sollte. Somit halten wir den Daumen hoch und hoffen per Anhalter vorwärtszukommen. Ein freundlicher Priester hält an und bringt uns ins nächste Dorf, wo wir sicherlich bald einen Bus abfangen können. In Willemstad geht der Spiessrutenlauf wieder los. Erst zum Zollamt, danach auf der anderen Seite des Flusses zur Immigration, um uns in Curacao abzumelden. Ab jetzt, zwölf Uhr mittags, haben wir vierundzwanzig Stunden Zeit, um das Land zu verlassen. Wir setzten uns zuerst in ein Restaurant unter die Bäume und prüfen das Wetter und unsere Segelroute weiter nach Aruba. Teilweise fast 30 Knoten Wind. 1,7 Meter hohe Wellen in kurzen Abständen. Noch vor einem Jahr hat uns dies geängstigt und wir wären nicht aufs Meer hinaus. Heute mit einigem an Erfahrung im Gepäck sagen wir zueinander, ach, es hat guten Wind und wird vielleicht etwas ruppig. Schön wie man an seinen Aufgaben wächst. Zurück in der Santa Cruz Baai, kehren wir fürs Abendessen bei Captain Goodlife ein. Dem einzigen Restaurant in unserer Bucht. Captain Goodlife hat für alles irgendeine Geschäftsidee, weiss wie man dem Staat ein Schnippchen schlagen kann, und verfolgt energisch diverse Verschwörungstheorien. Ein Typ, als wäre er direkt einem Guy Richi Film entsprungen. Das Abendessen, welches seine Frau zubereitet, ist köstlich. Mahi Mahi! Was will man mehr als diesen leckeren Fisch.

15.09.-16.09.2024 – Auf nach Aruba – es geht weiter
Am Tag darauf machen wir unser Boot langsam klar für die Überfahrt. Alles sauber verstauen. Windsteueranlage setzten und so weiter. Nach dem Abendessen sind wir so weit. Um halb zehn lichten wir den Anker. Ok, etwas mehr als vierundzwanzig Stunden und eine Nacht später, als wir Ankergenehmigungen hätten, machen wir uns davon.
Um elf Uhr nachts ist die Windsteuer Anlage in Betrieb und wir segeln ohne Probleme über das Karibische Meer. Die Nacht ist herrlich und es tut gut wieder auf See zu sein. Gegen Mittag machen wir am Zoll Steg von Aruba fest. Immigration und Zoll ist bald erledigt. Somit müssen wir nur noch ein Platz für die Nacht finden. Unser favorisierter Ankerplatz ist im Norden der Insel an einem schönen Strand mit türkisblauem, klarem Wasser. Als wir jedoch ums Eck der Insel biegen, blasen uns die 30 Knoten Wind so richtig um die Ohren. Das Wasser ist äusserst unruhig. An Ankern ist hier nicht zu denken. Also wieder fast alles zurück. Haben wir auf dem Hinweg noch 6,5 Knoten gemacht, müssen wir zurück gegen den starken Wind und kommen nur noch mit langsamen 3 Knoten voran. Mittlerweile bereits vier Uhr. Wir sind übernächtigt, haben kaum etwas gegessen und sollen jetzt hier in einem kleinen Ankerfeld zwischen den anderen Booten bei Starkwind ankern. Ok, wird schon schiefgehen. Beim ersten Anfahren der Bucht zeigt unser Tiefenmesser eine unmögliche Tiefe an. Gemäss den Karten sollten es zirka fünf Meter sein, gemäss Tiefenmesser über fünfundzwanzig. Beim Nachbarboot fragen wir die Tiefe an. Zirka fünf Meter werden uns bestätigt. Beim zweiten Anfahren funktioniert der Tiefenmesser. Wir setzten den Anker auf 3,5 Meter. Er hält nicht. Der Wind bläst uns stetig rückwärts, langsam auf ein vorgelagertes Riff zu. Stef muss den Anker hochziehen. Er bekommt ihn nicht hoch. Mittlerweile ist der Anker auf einer Tiefe von zehn Metern. Zusammen mit der Kette ein enormes Gewicht zum Hochziehen. Zum Glück erkennt ein anderer Segler unsere Misere und kommt mit dem Dinghy zu Hilfe. Er klettert auf die Pagsinta und hilft Stef beim Anker. Mit vereinten Kräften können die zwei starken Männer den Anker lichten. Conny kann kurz vor dem Riff wieder frei Schub geben und Anlauf für einen zweiten Versuch nehmen. Auch beim zweiten Mal hält der Anker nicht. Stef springt beherzt mit Schnorchel und Flosse ins Wasser, krault zum Anker. Taucht ab. Kriegt ihn zu fassen und setzt ihn ins sandige Seegras. Der Anker hält wie zementiert. 18 Uhr. Sicher geankert in Aruba.