Unser Segelabenteuer
 

01.10.-09.10.2024 – Mit Hugi in der Bucht von Malmok

Hugi und die CH-Fahne sind eingetroffen

Heute kommt Besuch. Unser Freund Raphael Hugi lief zirka drei Stunden vom Flughafen zum Strand von Malmok, wo wir auf ihn warten. Wir schliessen uns herzlich in die Arme bevor es gemeinsam mit dem Dinghy zum Boot geht. Die hungrigen Mäuler werden gefüttert und es geht ab in die Koje. Am Folgemorgen machen wir einen Plan. Wie erwartet, hat der Wind abgestellt. Schlimmstenfalls droht uns eine viertägige Überfahrt nach Kolumbien unter Motor. Soweit die Prognose geht, ist kein Wind in Sicht. Es ist für uns alle keine Option, dass Hugi von Aruba nach Cartagena fliegen muss und wir die Strecke später ohne ihn zurücklegen. Als mögliche Abfahrt peilen wir den 3. Oktober an. So bleibt Zeit für einen Tauchgang und den Einkauf. Die beiden Herren machen einen Tauchgang am frühen Morgen. Hugi ist begeistert von den vielen Fischen beim Wrack. Es ist sein erster Meertauchgang. Einen spektakuläreren Ort hätte er sich nicht aussuchen können. Am Nachmittag kaufen wir die Lebensmittel für die Fahrt nach Kolumbien ein. Es macht immer wieder Spass für etwas längere Fahrten aufzurüsten. Am Abend kommt die Crew der Kismet vorbei. Da wir kaum Wind erwarten, zeigen uns Adrian und Tasja wie wir unseren Blister setzen können. Wir sind enorm dankbar. Dieses geniale Leichtwindsegel liegt, seit wir das Boot besitzen, in seinem Schutzsack in der Hundekoje und wurde von uns noch nie ausgepackt, da wir uns nicht trauten, den Blister zu setzten. Nachdem das riesige Tuch wieder in seinem Sack verstaut ist, geniessen wir ein gemeinsames Bier.

Wir setzen den Blister

Der 3. Oktober ist angebrochen. Die Sicherheitsleine um das Deck vom Boot wird angebracht, damit wir bei Fahrt sicher zum Bug können. Das Dinghy abgeblasen, das Sicherheitsbriefing für Hugi erfolgt, die Ruder für die Windsteueranlage werden bereitgelegt. Der Motor ist geprüft, die Bilge trocken, das Boot bereit. Nun nur noch ein letztes Mal den Wind und das Wette für die Überfahrt prüfen. Was sehen wir da! Ab dem 8. Oktober sollte guter Wind aufkommen, doch nimmt die Gewittergefahr etwas zu. Die Diskussionen beginnen. Zu Dritt kommen wir zum Schluss, dass es Sinn macht, den aufkommenden Wind abzuwarten. Hugi fragt, ob es nicht mehr Sinn gemacht hätte, den Wind zu prüfen, bevor wir das ganze Boot für die Fahrt rüsten. Mit einem Schmunzeln antworten wir, dass dies natürlich viel mehr Sinn gemacht hätte. Was soll’s. Dies gibt Hugi die Chance, den ganzen Vorbereitungsprozess zweimal zu erleben. Die Schildkörten, Karibischen Flughahne und Sepias in der Bucht laden so oder so auf ein paar weitere Schnorchelgänge ein. Das Wrack kann ebenfalls gut und gerne mehrere Male getaucht werden. Als Adrian und Tasja von ihrem Tagesausflug auf der Insel zurückkehren, sind sie erstaunt, dass wir immer noch vor Anker sind. Sie haben den aufkommenden Wind ebenfalls gesehen und hätten diesen in gleicher Manier abgewartet, meinen sie.
Unser Dinghy steht wieder bereit für weitere Tauch- und Landgänge. Conny macht einen Tauchgang mit Tasja. Sie ist von der Unterwasserwelt mit Atemgerät begeistert und ist wohl kaum das letzte Mal getaucht. Am Nachmittag tauchen Stef und Adrian ab. Sie besichtigen gemeinsam das Wrack. Auch für Adrian ein Highlight. Hugi nutzt diese Zeit, um den Leuchtturm der Insel zu besichtigen, welchen wir bereits gesehen haben. Hugi hat im Flug von Höhlen auf Aruba gehört, welche schön sein sollen. Wir machen uns ein kleines Abenteuer daraus. Gar nicht so einfach mit dem lokalen Bus dahin zu kommen. Wir versuchen Mal so weit wie möglich zu kommen.

Quadirikiri-Höhle, Arikok Nationalpark

Früh am Morgen klingelt der Wecker, damit wir die Nachmittagshitze möglichst umgehen können. Es funktioniert alles einwandfrei. In Oranjestad wechseln wir auf den Bus, welcher uns in den Süden der Insel und nahe zum Arikok National Park bringt wo sich die Höhlen befinden. Nach einem dreissigminütigen Fussmarsch erreichen wir den Eingang des Nationalparks. Vom Ranger erfahren wir, dass wir zur ersten Höhle zirka dreissig Minuten und von dort zur zweiten nochmals dreissig Minuten gehen müssen. Wir sind die einzigen, welche zu Fuss unterwegs sind. Mehrheitlich wird der Park mit dem Auto befahren. Durch die trockene Kaktuslandschaft spazieren wir zur Quadirikiri-Höhle. Das spezielle an dieser Höhle ist die Naturbelassenheit. Es gibt kein künstliches Licht, nur durch zwei natürliche Löcher in der Decke strömt etwas Tageslicht hinein. Gleich beim Eingang begrüssen uns einige Fledermäuse. Wir tasten uns vorwärts zum ersten Lichtstrahl und geniessen diese Höhle ohne weitere Touristen. Weiter geht es zur Fontein-Höhle. Diese ist sehr klein, besticht dafür mit der antiken Wandmalerei. Nicht nur die Naturvölker, welche in dieser Höhle meditierten und Zeremonien abhielten, haben sich verewigt, sondern auch die europäischen Eroberer von Aruba, haben sich Jahre später im Stein der Höhle verewigt. Es ist spannend diesen geschichtlichen Teil der Insel in Stein gemeisselt zu sehen. Retour geht es für uns den Klippen entlang zum Eingang des Parks. Es gibt keinen Weg mehr. Über die Korallenfelsen finden wir unseren Weg zurück. Es wird immer spannender. Inmitten der Wüstenlandschaft kommen wir an ausgebrannten Fahrzeugen vorbei. Mehrere PWs und Lastwagen stehen hier abgefackelt im Nirgendwo. Wir überqueren einen Graben und sehen eine grosse Tafel vor dem Graben. Auf der anderen Seite lesen wir, dass es verboten ist, dieses Gebiet zu betreten, da es sich um Militärgelände handelt. Hier fänden Schiessübungen statt. Unser Hang für das Verbotene scheint auch mit Hugi nicht abzuklingen. Auf direktem Wege verlassen wir das Gelände in Richtung Bushaltestelle. Der direkte Weg führt durch eine dicht bewachsene Kakteenlandschaft. 

Durch die Kakteenlandschaft

Beide Herren stechen ihre Füsse blutig auf. Lieber blutige Füsse, statt Gewehrkugeln, welche uns um die Ohren fliegen. Es ist bereits späterer Nachmittag. Wir merken den brütend heissen Tag und freuen uns auf ein kaltes Bier. Zuerst müssen wir jedoch noch in die Stadt kommen. Der einzige Bus für die nächsten neunzig Minuten fährt einfach an uns vorbei. Per Anhalter kommen wir in den nächsten Ort zum Busbahnhof. Kaum sind wir dort, kommt ein Bus und bringt und Retour nach Oranjestad. Nun schnell zum Bierhändler. Das kühle Bier rinnt herrlich die Kehle herunter. Um die Ecke erwischen wir kurzerhand einen Minibus, welcher uns nach Malmok bringt. Hugi, unser frischfröhlicher Gast singt für sein Leben gerne. Der halbe Minibus stimmt in den Gesang von Stef und Hugi mit ein. Mit unserem Bier in der Hand erwecken wir einen spannenden Eindruck bei unseren Mitfahrgästen, welche in einem Luxushotel der Insel untergebracht sind. Den Abend verbringen wir abermals mit der Crew der Kismet. Wir alle geniessen die gemeinsamen Stunden sehr. Täglich prüfen wir Wind und Wetter. Unsere Abfahrt haben wir auf den 9. gelegt, da der Wind am 8. eher noch schwach ist. Der Proviant für die Überfahrt muss nochmals aufgestockt werden. Mit dem neuen Proviant warten wir einmal mehr auf den Bus. Es will und will keiner kommen. 

Stef im Hippie-Bus

Da kommt der Hippie-Bus für "good vibes" vorbei. Prompt wendet er und lädt uns auf. Was für eine grossartige letzte Fahrt auf Aruba. Mit offenen Fenstern und Türen geht es mit lautem, beschwingtem Reggae Richtung Pagsinta. Der 9. Oktober ist angebrochen. Bevor wir das Boot klarieren und Dinghy abblasen, prüfen wir das Wetter. Man hat gelernt! Die angesagten Gewitter haben zugenommen. Diese bereiten Stef und Conny ein wenig Bauchschmerzen. Hugi ist entspannt und meint, die stärkeren Gewitter seien ja erst gegen Ende der Fahrt gemeldet. Bis dahin könne sich noch viel ändern. Genau in dieses Horn bläst auch Adrian. Somit rüsten wir das Boot, kochen für die ersten Tage vor und heben den Anker. Kaum sind wir auf dem Weg zum Zoll-Steg, kommt bereits der erste Regenguss. Klitschnass kommen wir bei der Immigration und dem Zoll an. Die Formalitäten sind in Kürze erledigt. Die Ruder der Windsteueranlage werden montiert und nun ab nach Cartagena, nach Kolumbien.       


09.10.-14.10.2024 – Adios Aruba, auf dem Weg nach Kolumbien
Mahi Mahi an der Angel
Diese Überfahrt gestaltet sich enorm vielfältig. Hugi darf das volle Programm erleben. Nach wenigen Stunden mit dem Motor, setzten wir die Genua und übergeben das Ruder der Windsteueranlage. Eine ruhige Nacht stellt sich ein. Hugi übernimmt ebenfalls eine zweistündige Schicht, was enorm viel ausmacht. Stef und Conny sind begeistert vom vielen Schlaf. Der ein oder andere Regenguss erwischt uns, die Blitze bleiben in der Ferne. Auch den nächsten Tag können wir angenehm segeln. Unsere Fischerleine mit Köder ist im Wasser. Die Flaute überbrücken wir mit dem Motor. Auf einmal kommt der Ausruf: "Fisch!" Der Mahi Mahi kämpft mit der Leine doch Hugi bringt ihn sicher an Bord. Mmmhh, er mundet vorzüglich. Unsere Genua ist wieder gesetzt. Mit drei bis vier Knoten kommen wir unserem Ziel immer näher. Die nächsten zwei Nächte sind etwas herausfordernder. Zwei Mal sind wir mitten im Gewitter, sodass wir die Genau auf das Minimum reduzieren, vorsorglich den Motor starten und im Schiffsinneren die Blitze vorbeiziehen lassen. Da unser Boot aus Stahl ist, würden die Blitze abgeleitet werden. Wir müssen uns allerdings im Innenbereich aus Holz aufhalten, damit wir nicht vom Blitz gebraten werden. Die Atmosphäre ist derart geladen, dass man das freigesetzte Ozon riechen kann. Glücklicherweise ziehen die aktiven Gewitterzellen vorbei ohne Blitzeinschlag. Nach zwei anstrengenden Nächten kommt starker Wind von bis zu Beaufort Sieben auf. Wieder ist die Genua auf dem Minimum. Die Wellen sind  kurz und geschätzt etwa drei Meter hoch. Mit einer Welle erreicht unsere Pagsinta bis über neun Knoten Fahrt. Wir können die Einfahrt nach Cartagena kaum erwarten. Der Wind lässt von Stunde zu Stunde wieder nach bis er ganz abstellt. 
Cartagena wir kommen!
Cartagena kommt langsam näher. Die letzten paar Stunden müssen wir nochmals unseren Flautenschieber nutzten. Am Morgen des 14. Oktober fahren wir in die Bucht ein. Die Erleichterung und Dankbarkeit sind gross. Auch wenn wir die Pinne, aufgrund der herausfordernden Wetterbedingungen, oft selbst in der Hand hatten, haben wir sämtliche Situationen gut gemeistert. Wir schreiben den Agenten an und vereinbaren ein Treffen am Nachmittag. Wir geben unsere Pässe ab, damit diese von der Immigration abgestempelt werden können. Ein leckeres Abendessen mit T-Bone Steak geniessen wir im empfohlenen Restaurant bevor wir hundemüde in unsere Kojen fallen.

15.-17.10.2024 – Wir machen Cartagena unsicher
In der Festung San Felipe
Uns bleibt nur noch ein Tag mit Hugi. Diesen möchte er in der Altstadt und mit der Besichtigung der Festung verbringen. Er geht bereits voraus. Stef trifft nochmals den Agenten für weitere Formalitäten, Conny organisiert lokale SIM-Karten. In der Altstadt treffen wir uns wieder. Diese ist gespickt mit historischen Gebäuden und Statuen. Die Gassen, Shops und Kaffes laden zum Verweilen ein. Einmal mehr fliegt die Zeit. Der Nachmittag ist bereits angebrochen. Entsprechend machen wir uns auf den Weg zur Festung San Felipe. Es läuft uns kalt den Rücken herunter. Die dominante Festung erinnert an Alicante in Spanien. Nicht nur die alten Seefahrer haben diese Route zurückgelegt, nun auch unsere Pagsinta und wir. Die Festung wurde über mehrere hundert Jahre gebaut und diente als wichtiger Verteidigungspunkt während vielen Jahren. Wie so üblich im karibischen Meer, haben die Spanier, Engländer und Franzosen mitgemischt. Die Festung hat öffentlich zugängliche Gänge. Fasziniert erkunden wir jeden Winkel. Die Sonne beginnt zu sinken. Die Abendstimmung in der Festung kosten wir mit wenigen anderen Touristen aus. Die Mägen knurren. Ein Abendessen steht an. Auf Empfehlung eines Verkäufers in den Strassen, besuchen wir ein kleines, einfaches Restaurant mit lokalen Speisen. Mit gefüllten Mägen schlendern wir weiter durch die Altstadt. Bei einem Mojito bestaunen wir die diversen Strassenkünstler. Nicht nur mit Feuer und Hula-Hopp-Ring wird gespielt. Eine Gruppe beindruckt, mit ihren Saltos und ihrer Sprungkraft bei ihrer Brake-Dance-Einlage, die beiden Kunstturn-Herren. Nach Mitternacht kriechen wir in unsere feuchten Betten. Aufgrund der Luftfeuchtigkeit trocknen diese nach der Überfahrt kaum mehr ab. Sobald Hugi abgereist ist, hat die Wäsche erste Priorität. Ein halber Tag bleibt uns aber noch. Wir schlendern gemeinsam in einen der neuen Stadtteile. Dieser hat mit seinen Hochhäusern und Hotels von der Ferne mehr Flair als von der Nähe. Die Stunde des Abschieds naht. Wir alle sind sehr dankbar für die gemeinsame Zeit. Hugi durfte vollkommen ins Bordleben eintauchen; Stef und Conny hatten nicht nur einen lieben Freund zu Besuch, sondern auch eine sehr willkommene helfende Hand. Obwohl wir traurig sind, dass Hugi weiterzieht, sind wir auch froh, unser kleines Zuhause wieder für uns zu haben. Das Leben zu dritt auf einem zehn Meter Boot ist nicht nur einfach, da Platz und Ausweichmöglichkeiten kaum vorhanden sind.
Homepage-Fütterung
Die Wäsche ist abgegeben. Wir sitzen in einem Kaffee in der Altstadt und füttern unsere Bäuche mit leckerem Kuchen und Kaffee und unsere Homepage mit neuen Texten und Bildern.