10.-13.08.2024 – Die letzten Tage in den Spaanse Water
Bevor wir mit dem Boot die weiteren Buchten von Curacao erkunden können, steht noch einiges an Vorbereitung an. In der Lagune Spaanse Water darf ein Boot mit einer Ankererlaubnis für drei Monate bleiben. In allen anderen Buchten bekommt man die Ankererlaubnis nur für drei Tage. Die jeweiligen Bescheinigungen müssen im Büro des Hafenmeisters angefragt und bezahlt werden. Da wir nicht mehr in die überfüllte Spaanse Water zurückkehren wollen, bedeutet dies viel Planung und immer wieder einen Besuch beim Hafenmeister in Willemstad. Als erstes wollen wir in die abgeschiedene Fuik Baai. Hier stehen keine Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung. Deshalb geht es anschliessend in die Piscadera. Diese ist weit weniger überlaufen als die Spaanse Water. Von dort aus können wir die nächsten Ankerbuchten planen und einkaufen. Als erstes gehen wir zum Hafenmeister und buchen unsere Ankererlaubnis. Nun stehen die Wäsche und der Einkauf an. Immer wieder sind wir erstaunt, wie viel Zeit solche Kleinigkeiten im Segelalltag benötigen.
14.-17.8.2024 – Conny’s Geburtstag in der Fuik Baai
Als wir in der Fuik Baai eintreffen, sind wir das einzige Boot. Die Bucht ist umgeben von Mangroven. Das Wasser ist ruhig. Idyllischer könnte es fast nicht sein. Gegen Mittag treffen vier weitere Boot ein, welche an der Idylle jedoch nur geringfügig kratzen. Ausserhalb der Bucht soll es einige schöne Tauchplätze geben, doch heute sind die Wellen derart hoch, dass wir dies nicht als sicher erachten. Darum erkunden wir erstmal die ganze Bucht mit dem Dinghy. Gehen anschliessend an den kleinen Strand und schwimmen im klaren Wasser.
Am 15. darf Conny sich komplett zurücklehnen und wird von ihrem Mann nach Strich und Faden verwöhnt. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Rösti und Eiern steht Schwimmen und Lesen an. Am Nachmittag bereitet Stef die Leckereien für das Stand BBQ vor. Er packt das marinierte Schweinefilet ein, macht einen Salat, präpariert die Kartoffeln für in die Glut und vergisst auch nicht Bier und Wein einzupacken. Am Strand gehen wir die Büsche hoch, um Holz für unser Lagerfeuer zu sammeln. Als wir genügend kleines, mittelgrosses und grosses Holz zusammen haben, kommen die anderen Segler der Bucht mit dem Beiboot angefahren. Sie haben ebenfalls ein Lagerfeuer geplant und sind am Strand nebenan. Kurzum laden wir unser Holz ins Dinghy und fahren rüber. Ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer mit feinem Essen, Erfahrungsaustausch und Seemannsgarn rundet den wunderbaren Tag ab.
Am Samstag müssen wir diese herrliche Bucht wieder verlassen. Als wir noch beim Frühstück sind, kommt ein oranges, hartschalen Beiboot auf uns zu. Segler können das nicht sein. Die Küstenwache sieht ebenfalls anders aus. Die zwei Männer kommen näher und begrüssen uns auf Deutsch mit den Worten: «Wir haben gelesen, ihr taucht!» Es sind der Kapitän und der erste Offizier eines deutschen Frachters, welcher beim nahegelegenen Bergwerk seine Fracht lädt. Sie fragen uns, ob wir ihnen nicht behilflich sein können. Sie müssen das Gitter vor dem Bugstrahlruder wieder befestigen. Da sie keinen Taucher an Bord haben, bitten sie uns um diese Arbeit. Gerne unterstützen wir sie. Wir machen unsere Ausrüstung bereit und fahren mit ihnen zum Frachter. Nach kurzer Besprechung tauchen wir auf vier Meter zum Bugstrahlruder ab. Die Mannschaft an Deck lässt das 50kg schwere Gitter hinunter. Gemeinsam positionieren wir das Gitter und Schrauben es an seinem vorbestimmten Platz fest. Nach kurzer Montage tauchen wir auch schon wieder auf. Die Mannschaft der Elene ist erleichtert, dass dies so fix erledigt wurde. Da wir leider kein Diesel gebrauchen können, weil unsere Tanks voll sind, bedanken sie sich mit Bier und Wein. Dies nehmen wir gerne an. Später entdecken wir, dass sie noch einen
Gästebucheintrag gemacht haben. Dies freut uns ungemein. Etwas später als geplant, doch mit einem Lachen im Gesicht, hiessen wir die Segel und machen uns auf in die Piscadera.
18.-20.08.2024 – Piscadera Baai - wir sind allein
Auch die Piscadra Baai gefällt uns sehr gut. Von hier aus sind wir rasch in der Stadt und bei einem Carrefour. Ebenfalls haben wir hier einigermassen guten Internetempfang. Dieser lässt in Curacao sehr zu wünschen übrig. Weshalb wir unsere Liebsten schon lange nicht mehr per Video- oder Sprach-Anruf gehört haben. Wir nutzen die Zeit hier unter anderem, um uns mit unseren Familien auszutauschen. Am Folgetag geht es zuerst wieder einmal zum Hafenmeister. Wir haben einen Plan für die nächsten Tage gemacht. Sechs Tage Klein Curacao, dann drei Tage in die Fuik und nochmals sechs in die Piscadra. Die nette Dame am Schalter erklärt uns, dass sie immer nur eine Ankererlaubnis für drei Tage ausstellen darf. Wir erklären ihr, dass der Weg nach Klein Curacao aufgrund der Gegenströmung und dem Wind von vorne etwas müssig sei. Da sie diese Umstände sehr gut kennt, meint sie, sie könne den Chef anfragen, ob eine Ausnahme möglich sei. Wir haben Glück und dürfen tatsächlich sechs Tage am Stück nach Klein Curacao. Für neun Tage wird eingekauft, da wir weder auf Klein Curacao noch in der Fuik einkaufen können. Nach dem Grosseinkauf im Carrefour sind wir gerüstet für die kommenden Tage.
21.-26.08.2024 – Klein Curacao – Ein Paradies im offenen Ozean
Die Fahrt nach Klein Curacao ist tatsächlich ein ziemlicher Kampf. Wir versuchen zu segeln. Der Wind und die Strömung drücken derart gegen das Boot, dass wir uns kaum von der Stelle bewegen. Da unser Motor dankbar ist, wenn er zwischendurch warmgefahren wird, entscheiden wir uns, die drei Stunden mit dem Motor zurückzulegen. Das Boot stampft gegen die Wellen. Immerhin kommen wir vom Fleck. Noch vor dem Mittag sind wir in Klein Curacao angekommen und haben unseren Sandfleck für den Anker gefunden. Es ist ein Vergnügen, bei diesem kristallklaren Wasser den Anker zu tauchen. Die Farben sind prächtig. Das türkisblaue Meer wechselt die Farbe bei der Steilwand umgehend ins tiefe dunkelblau. Pagsinta ist im türkisblauen Wasser auf vier Meter verankert, das Heck befindet ist genau auf der Kante der Steilwand und somit im dunkelblauen, 30m tiefen Wasser. Einfach fantastisch. Am Abend sind alle Tourenboote weg. Es bleibt ein anderer Segler und wir. Mit einem «Sundowner» beladen, schwimmen wir an den Strand. Bei einem kleinen Spaziergang sehen wir mehrere markierte Schildkröten-Nester. Auf einer Tafel lesen wir, dass Klein Curacao eine wichtige Brutstätte für Meeresschildkröten ist. Danach setzen wir uns auf dem weissen Sand in die sanfte Brandung, sehen keine weitere Menschenseele und geniessen den Sonnenuntergang mit einem Bier.
Die nächsten Tage wird getaucht. Klein Curacao soll die schönsten Tauchplätze von ganz Curacao haben. Den ersten Tauchgang machen wir direkt vom Boot aus. Die Riffe sind leider auch hier in einem etwas beängstigenden Zustand. Der Algenbewuchs ist enorm. Die Korallenbleiche gut sichtbar und die Wassertemperatur beträgt bis dreissig Meter dreissig Grad. Wir versuchen unseren Fokus auf die schönen Sachen zu legen. Mehrmals dürfen wir mit einer Suppenschildkröte tauchen. Diverse Barrakudas kommen vorbei und wir entdecken sogar ein kleines Wrack. Die Riffe an beiden Enden der Insel sind in besserem Zustand. Weniger Algen. Mehr Korallen und auch mehr Fische.
Am letzten Tag schlendern wir am Abend wie so oft über die Insel. Wir sehen jemanden mit einem T-Shirt der Schildröten Fundation. Da wir gehört haben, dass Segler willkommene Helfer sind, wenn Schildkröten an Land kommen, um ihre Eier zu legen, fragen wir an, ob wir helfen dürften. Sie erwarten tatsächlich, dass eine oder mehrere Schildkröten in der Nacht an den Strand kommen, um ihre Eier zu legen. Die Helfer werden benötigt, um den Stand in der Nacht abzulaufen. Sobald festgestellt wird, dass eine Schildkröte an Land gekommen ist, wird der Verantwortliche der Schildkröten Fundation geweckt, damit die Eier nach dem Legen geschützt werden können. Wir haben Glück. Noch vor Mitternacht kommt eine Suppenschildkröte an Land. Unter Wasser haben wir noch nie eine derart grosse Suppenschildkröte gesehen. Ihr Durchmesser ist gut ein Meter. Als wir dazu kommen, hebt sie bereits ihr Nest aus. Sie gräbt ein zirka achtzig Zentimeter tiefes Loch, um die Eier darin abzulegen. Beständig und gemütlich, gräbt sie Zentimeter für Zentimeter. Dabei fliegt der Sand und die Korallenstücke im Sand. Als das Loch fertig ist, beginnt sie mit dem Eierlegen. Sie ist fast wie in Trance. Legt über hundert Eier und bedeckt diese im Anschluss wieder mit Sand. Über eine längere Zeit schaufelt sie träge Sand auf die Eier. Immer wieder macht sie eine kleine Pause, bevor sie den Sand weiter nach hinten stösst, um das Loch zu schliessen. Nachdem die Eier komplett bedeckt sind, schiebt sie ihren massigen Körper mühselig zurück ins Meer. Sichtlich erschöpft erreicht sie nach zwei Stunden Arbeit das Wasser.
Wir sind ganz ergriffen von diesem atemberaubenden Erlebnis. Zum Glück hat die Fundation diese Eierlegung mitbekommen. Die Schildkröte hatte sich für einen Ort unter einem Touristen-Strand-Schirm entschieden. Weshalb die Eier am frühen Morgen, bevor die Touristen kommen, ausgegraben werden müssen und an einem sicheren Ort neu eingegraben werden. Unter den diversen Liegestühlen und Touristen hätten die Eier keine Chance ganz zu bleiben. Da eventuell noch weitere Schildkröten an Land kommen werden, geht nun unsere Patrouille los. Wir laufen von Mitternacht bis um zwei Uhr den Strand auf beiden Seiten der Insel ab. Wir sehen keine weitere Schildkröte an Land kommen und machen uns nach Beendigung unserer Schicht mit dem Dinghy auf den Nachhauseweg.
27.-31.08.2024 – Zurück in die Fuik Baai
Nach einem schönen Segeltag vor dem Wind und mit der Strömung kommen wir in der Fuik Baai an. Etwas müde von der letzten Nacht machen wir heute nicht mehr viel.
Die Wellen sind weit weniger als beim letzten Mal. Dieses Mal ist ein Tauchen am äusseren Riff möglich. Den ersten Tauchgang empfinden wir eher mässig. Wenig Korallen, wenig Fische und trotzdem geniessen wir das Unterwassersein. Am Abend sitzen wir Abermals um ein Lagerfeuer mit der Besatzung von zwei anderen Booten. Unter den Seglern ist ein professioneller Musiker. Unglaublich, was wir alles erleben dürfen. Qualitativ hochwertige Musik am Lagerfeuer lauschen und dazu gibt es selbst gemachte Glace von der Besatzung des anderen Boots. Was für ein Abend. Am zweiten Tag schlagen unsere Tauch-Herzen höher, als wir die etwas weiter entferntere Boje anfahren. Das Riff ist sehr schön und belebt. Wir sehen sechs Barrakudas auf einmal. Das Riff hat weniger Algen und die Fische sind in üppigerer Zahl vorhanden als anderswo. Wir saugen die Unterwasserlandschaft förmlich auf.
Die Zeit fliegt und wir segeln bereits wieder an Willemstad vorbei in die einsame Piscadera. Der Anker hält sofort im schlammigen Untergrund. Diesmal ist es nicht mehr so ruhig wie das erste Mal hier. Ein Soundcheck von der nahegelegenen Bühne dröhnt durch die Lagune. Das Curacao Jazz Festival spielt gleich um die Ecke. Wir kontaktieren das Programm. Es spielen keine Top Acts, doch wenn es an der Abendkasse noch Tickets gibt, wollen wir uns in das Getümmel stürzen. Juhuu, es gibt tatsächlich noch Tickets. Was?! 195 US-Dollar? Ok, dann doch lieber nicht. Wir entfernen uns wieder von den anstehenden Menschenmassen und gehen in das Fischrestaurant um die Ecke für ein schmackhaftes Abendessen. Die Konzerte geniessen wir vom Boot aus, während wir in die Sterne schauen und die letzten Tage review passieren lassen.