25.- 26.04.2024 – Anse la Raye, wir bleiben noch…
Für einmal müssen wir nicht stehen bleiben, weil irgendetwas nicht passt, sondern weil alles passt. Wir beschliessen am Morgen noch ein, zwei Tage länger in dieser herrlichen, kleinen Bucht zu bleiben. Einfach weil wir es können. So folgt ein weiterer Tag mit Schnorcheln und nichts tun. Der Ranger kreuzt auf. Wir haben bereits gehört, dass man eigentlich im Süden von St. Lucia eine Ankergebühr von vierundfünfzig EC (Ost Karibische Doller, ca. 1:3 zum CHF) bezahlen muss. Der Ranger bemerkt, dass wir mittlerweile drei Nächte hier sind und noch nichts bezahlt haben. Wir plaudern kurz und als wir ihm sagen, wir wollen am Freitag noch zum Fishfri strahlt er über alle Backen. Diese Information veranlasst ihn, uns nur eine Nacht in der Anse la Raye zu verrechnen und eine weitere für die nächste Bucht in Soufriere, zu welcher wir sicherlich am Samstag fahren wollen. Ein weiteres kleines Highlight ist, als zwei Jungs des Dorfes mit ihrem kleinen Ruderboot und ihren Angelschnüren fragen, ob sie hinten an unserem Boot festmachen dürfen. Den ganzen Nachmittag versuchen sie sich im Fischen und verlassen uns erst wieder gegen Abend.
Nur auf der faulen Haut zu liegen ist nicht unser Ding, daher beschliessen wir heute eine Wanderung zum nahegelegenen Wasserfall zu unternehmen. Fast eine Stunde lang geht es der staubigen Strasse entlang. Wenn ein Lastwagen vorbeifährt, zum nahegelegenen Kieswerk, tut er dies mit viel bedacht, um uns nicht in eine grosse Staubwolke einzuhüllen. Schliesslich geht der Weg ab und sobald finden wir uns im Wald wieder. Alles blüht und nebenan plätschert der kleine Bach. Um die Ecke ist unser Ziel. Sicherlich haben wir schon imposantere Wasserfälle gesehen, doch die Ruhe und Abgeschiedenheit lässt uns innehalten und wir geniessen diesen schönen Ort.
Auf dem Rückweg hält die Polizei und fragt, ob wir uns verlaufen haben und wie es uns hier so gefällt. Immer freundlich mit einem breiten Lachen, tauschen wir uns aus. Vom Fischerdorf nochmals kurz aufs Boot. Schnorchel, entspannen und vor allem vorbereiten auf heute Abend. Es ist Fishfri! Fisch Freitag. Schon lange gross angekündigt, können wir uns dieses Fest noch nicht ganz vorstellen. Zur Sicherheit nehmen wir unseren Rum und Cola selbst mit. Eventuell kann man dies mit den Fischern aus dem Dorf teilen. Als wir kurz vor Sonnenuntergang am Pier festmachen, trauen wir unseren Augen kaum. Diverse Essenstände, natürlich mit Fisch und auch diverse Bars. Sogar eine Bühne wurde aufgestellt, auf welcher bereits der DJ sein Bestes gibt. Wir nehmen erstmal ein Bier und gehen an den Strand, um den Sonnenuntergang zu geniessen. Karibik pur. Leider erfahren wir auch die Schattenseiten des Paradises. Ein Aussenstehender bittet um etwas Geld. Er gibt uns sogar einige Mangos und posiert für ein Foto. Solange er nur etwas Geld bekommt. Selbstverständlich geben wir ihm einen kleinen Beitrag.
Kurz darauf schlendern wir zum Fest zurück und entdecken einen im Drogenrausch halb bewusstlosen, welcher in der Brandung mit Gesicht nach unten von den Wellen hin und her geschoben wird. Wir ziehen ihn aus der Brandung den Strand hinauf. Es geht nicht lange bis er wieder zu sich kommt. Als er mitbekommt, was geschehen war, bedankt er sich herzlich und wir sind froh ist nichts Schlimmeres passiert. Den Abend lassen wir uns nicht verderben. Beim ersten Stand versuchen wir einen marinierten Oktopus. Kurz darauf noch einen herrlichen Mahi Mahi von einem weiteren Stand. Alles ist superlecker. Zum Essen setzten wir uns an die Tische vor der Bühne. Schon spielt ein Saxofon Solist seine Coverlieder. Leider durchmischen sich hier die Touristen nicht so gut mit den Lokalen wie noch in der Rodney Bay. Daher setzen wir uns mit unserem Rum zu ihnen auf den Pier und geniessen das Abendprogramm.
Ausgeschlafen entscheiden wir uns endgültig eine Bucht weiterzuziehen. Nach gerade mal einer Stunde kommen wir bereits in Soufriere an. Ein Bootsjunge begrüsst uns herzlich und führt uns zu einer Boje.
27.-29.04.2024 – Nationalpark Soufriere
Nach einer ruhigen Nacht an der Boje gehen wir ins Dorf. Wir benötigen dringend Bargeld. In Anse La Raye gab es keinen ATM. Das erste Mal erleben wir, wie es ist, kein Bargeld zu haben. Es hat zwei Geldautomaten. Beide funktionieren nicht. Wir lassen uns nicht entmutigen und schlendern zum Einkaufsladen. Unsere Vorräte haben sich auch ziemlich minimiert. Bevor wir zurück auf das Boot gehen, versuchen wir unser Glück am ATM nochmals. Juhuu, nun kommt Geld aus dem Automaten und wir werden am Abend unsere Boje bezahlen können. Am Abend schnorcheln wir nochmals ein wenig. Hier ist ein Nationalpark, was bedeutet, dass das Fischen verboten ist. Es ist auffallend, dass es bereits im Bojen Feld mehr Fisch gibt als an anderen Stellen. In der Nähe soll es noch ein paar schöne Wandtauchgänge geben. Diese lassen wir uns bestimmt nicht entgehen.
Voller Vorfreude rüsten wir unser Tauchequipment auf. Wir laden alles ins Dinghy und fahren zu einer der Bojen an der Tauchwand. Auf der Tafel lesen wir, dass wir uns hier im Nationalpark befinden. Wir tauchen ab. Was für ein schöner Tauchgang. Endlich etwas mehr Fisch. Diese sind auch etwas grösser gewachsen als in den anderen überfischten Regionen. Eine Schildkröte ist derart nah, dass wir sie beinahe berühren könnten. Beim Sicherheits-Stopp fällt uns auf, dass ein Boot über uns kreuzt. Als wir auftauchen, sehen wir, dass es die Ranger sind. Wir erhalten einen grossen Zusammenschiss. Es ist nicht gestattet im Nationalpark ohne lokalen Guide zu tauchen. Die Busse ist fünftausend EC (zirka tausendsiebenhundert CHF). Der Schock steht uns ins Gesicht geschrieben. Wir entschuldigen uns und teilen den Rangern mit, dass wir nicht wussten, dass es verboten ist, allein zu tauchen. Sie fragen, welches unser Boot ist und meine eine Spende an den Park, werde fällig werden. Zurück auf dem Boot geht es nicht lange und die Ranger kommen. Sie sind freundlich und begutachten unser kleines, einfaches Boot. Wir sagen ihnen, dass wir nochmals zwei Nächte an der Boje bleiben. Dies reicht scheinbar als kleine Wiedergutmachung aus. Als sie kein Wechselgeld haben, geben wir diese paar Franken gerne als Entschuldigung für unser Fehlverhalten. Zu schade, dass wir hier nicht mehr tauchen dürfen. Sehr gerne hätten wir nochmals ein paar Tauchgänge gemacht.
Heute geht es zur Immigration und zum Zoll. Wir werden morgen nach Saint Vincent weiter segeln. Innert vierundzwanzig Stunden müssen wir nun das Land verlassen. Nachdem die Formalitäten erledigt sind, besuchen wir den botanischen Garten und einen etwas anderen Wasserfall. Dieser kommt direkt vom Vulkan und ist heute grau gefärbt. Je nachdem welches Metall im Fluss vom Vulkan vorherrscht, kann sich die Farbe zu gelb oder rot ändern. Der botanische Garten gefällt uns vorwiegend wegen der vielen Kolibris. Ansonsten schätzen wir das Spazieren in der wilden Natur mehr als in der von Menschenhand kontrollierten Umgebung.
30.04-01.05.2024 – Auf nach Chateuabelair in Saint Vincent
Wir stehen um fünf Uhr morgens auf. Wir haben, je nach Wind, fünf bis acht Stunden segeln vor uns. Die Sonne brennt, der Wind bläst. Mit guter Geschwindigkeit kommen wir voran, obwohl wir teilweise zwei Knoten Gegenströmung haben. Am frühen Nachmittag ist die Ankerbucht in Sicht. Wir fahren diese an. Auf dem Weg in die Bucht fängt uns ein Einheimischer auf seinem Ruderboot ab. Er zeigt uns, wo wir am besten ankern können und möchte dafür ein wenig Geld haben. Uns fällt auf, dass hier die Menschen am Rudern sind. Die Boote sind sehr einfach. Einige haben sogar nur ein altes Surfbrett. Unsere Köpfe sind überhitzt vom heissen Segel-Tag. Eigentlich wollen wir nur noch ins Wasser. Da kommt bereits der nächste Lokale. Unbedingt möchte er uns ein paar Früchte verkaufen. Wir erklären ihm, dass wir bereits so viele Früchte an Board haben, dass wir keine weiteren essen könnten, bevor sie schlecht werden. Traurig rudert er davon und meint, er komme später wieder. Wir machen unser Beiboot parat und fahren an Land, um uns anzumelden. Es kommen drei Jugendliche angerannt, welche uns beim Belegen des Beibootes helfen möchten. Sie meinen, dass sie auf unser Dinghy aufpassen werden. Wir sagen ihnen, dass dies nicht nötig ist. Uns fällt die Armut in diesem kleinen Dorf auf. Viele Menschen tragen keine Schuhe. Es gibt einen kleinen Laden mit dem nötigsten. Ansonsten scheint sich hier jeder selbst zu versorgen. Die Anmeldung im Land ist rasch erledigt. Wir sind nun offiziell auf Saint Vincent und den Grenadinen eingereist. Als wir zum Steg zurückkommen, um retour aufs Boot zu gehen, werden wir von einem weiteren Einheimischen angesprochen. Er möchte uns ein paar Früchte oder Touren verkaufen. Auch ihm müssen wir erklären, dass wir keine zusätzlichen Früchte benötigen. Zurück beim Steg sind die Kids ganz enttäuscht, dass sie für das Aufpassen auf unser Dinghy kein Geld bekommen. Wir erklären ihnen, dass wir ihnen sagten, dass dies nicht nötig sei. Etwas bedrückt steigen wir auf unser Beiboot und fahren zurück aufs Boot. Nach wenigen Minuten kommt der nächste angerudert. Er möchte uns Touren verkaufen. Er sagt, diese würden nicht viel kosten. Wir haben kein Interesse an einer Tour. Wir plaudern mit ihm ein wenig. Unter anderem fragen wir ihn, was nicht viel heisst. Er erklärt nicht viel bedeutet, dass er Früchte gratis vom Baum pflücken könne, viel sei, wenn man mit dem Flugzeug irgendwo hinfliegt und dort alles teuer kaufen muss. Der Früchtemann vom frühen Nachmittag kommt auch nochmals vorbei. Er tut uns leid. Wir kaufen ihm deshalb ein paar Früchte ab. Ganz wohl fühlen wir uns in dieser Bucht nicht. Es betrübt uns zu sehr, dass sie so arm sind und wir hier mit unserem Boot ankern und nicht von allen etwas abkaufen können. In unseren Verhältnissen sind wir einfach unterwegs. Für sie sind wir allerdings sehr reich. Was wir hier auch feststellen konnten, ist eine gewisse fordernde Art der Einheimischen. Wir besprechen die Situation ein wenig und müssen uns eingestehen, dass dies vermutlich nicht verwunderlich ist. So lange ist es nicht her, dass weisse sie mit einem Boot in diese Region als Sklaven verschleppt haben. Wie muss es für sie sein, wenn nun reiche Weisse mit ihrem Segelboot anreisen. Einfach das Leben geniessen und ein wenig herumreisen. Ganz einfach ist das bestimmt nicht.
Wir entschliessen uns die geräumige Bucht von Chateuabelair zu verlassen, um eine abgelegene, einsame Bucht, weiter südlich zu erreichen. Schon länger spielen wir mit dem Gedanken, den Ankerplatz unter Segel zu verlassen. Wenn nicht hier, wann dann? Entsprechend entscheiden wir uns, den Motor nur als Sicherheit zu starten. Stef geht zum Anker, zieht diesen so weit hoch, dass wir noch am Anker halten, aber kaum noch Kette unten haben. Dann setzt er das Grosssegel. Dieses lässt Conny im Cockpit noch lose, damit wir nicht direkt lossegeln. Stef zieht nun den Anker ganz hoch. Conny nimmt das Segel etwas dichter und segelt aus der Bucht heraus. Was für ein schönes Gefühl segelnd eine Bucht zu verlassen. Am frühen Nachmittag hält der Anker in der einsamen Bucht. Es gibt schönere Buchten, aber die Einsamkeit sagt uns derart zu, dass wir hier vermutlich ein wenig verweilen.
02.- 06.05.2024 – Die Bucht von Byahaut, wir tauchen ab
Ausser einem Fischer kommt niemand vorbei. Die Einsamkeit und Stille ist wunderschön und gibt dieser unscheinbaren Bucht ein herrliches Flair. Das Schnorcheln rund um die Klippen am äusseren Rand der Bucht verspricht mehr. Wir rüsten unser Tauchequipment auf, beladen das Dinghy und düsen quer durch die kleine Bucht. Hier gibt es sogar eine Boje. Eigentlich für Fischerboote gedacht, dient sie nun einem Tauchboot. Unserem Tauchboot. Die letzten Handgriffe an der Ausrüstung. Ins Wasser gleiten, den Lungenautomaten bereit. Maske auf, wir tauchen ab.
Anfänglich noch im flachen Wasser der Bucht fällt der Grund immer steiler ab. Die Steilwand vor uns ist voll bewachsen mit Gorgonien, Schwämmen und den karibisch, typischen Unterwasser Farnen. Sanft lassen wir uns an der Wand entlang in die Tiefe sinken. Auf 30m haben wir den sandigen Grund erreicht. Die Sicht ist atemberaubend. Die Korallenwand türmt sich neben uns hoch bis zur schimmernden Oberfläche. Unter uns erstreckt sich der Sandgrund bis in ferne Tiefen. Können wir hier vielleicht endlich einen Hai erspähen? Gemächlich schweben wir immer etwas höher und lassen uns auf jeder Tiefe, von der uns offenbarenden Flora und Fauna, in den Bann ziehen. Neben den vielen Muränen entdecken wir viele Kaiser- und Doktorfische. Makrelen, Putzergarnelen, kleine Schnecken und grosse Muscheln. Eine Krabbe versteckt sich vor uns in einem Schwamm. Auf 5 bis 7 Meter tiefe zeigt sich das, durch die Sonne hervorgebrachte Farbenspiel besonders eindrucksvoll und das Leben gedeiht in allen Formen und Farben. Schon fast wieder bei Ausgangspunkt kommen noch einige Sepias vorbei und tanzen um uns herum. Nach 90 Minuten tauchen wir entspannt und voller Eindrücke auf. Dies muss unbedingt wiederholt werden. Auf der Pagsinta füllen wir die Flaschen und freuen uns auf einen weiteren Tauchgang in unserer Bucht. Gegen Abend machen wir einen kurzen Erkundungsausflug mit dem Dinghy zur Zwillingsbucht. An den Klippen vorbei, welche wir am Morgen betaucht haben, kommen wir nach kurzer Fahrt in der benachbarten Bucht an. Vorgelagert türmen sich zwei Felsen auf. Gleich daneben finden wir erneut eine Boje, um festzumachen. Gemäss den Seekarten und unserem kurzen Schnorchelgang soll es hier ebenso fantastisch zum Tauchen sein. Wenn nicht noch etwas besser. Geht das?
Am nächsten Morgen kommen wir wieder zu dieser zweiten Boje und tauchen ab. Rasch fällt der Grund ab. Gemäss den Karten sollte es hier eine Riffzunge geben, welche auf beiden Seiten abfällt. Leider finden wir diesen vielversprechenden Punkt nicht. Wir tauchen tiefer auf knapp 40 Meter. Die Wand ist wie bereits am Vortag wunderschön. Auf einmal sehen wir gegen das offene Meer einen ca. 15 – 20 m hohen Riffkegel. Wir schweben von der Wand weg ins offene Meer zu diesem komplett bewachsenen Felsen, umtauchen das Riff und schrauben uns langsam zum Spitz hoch. Durch die anfänglich grosse Tiefe müssen wir unseren Luftvorrat, und vor allem unsere verbleibende Grundzeit, gut im Auge behalten. Ein solch vorgelagertes Riff sollte eigentlich schon auch die Heimat von Haien sein. Doch auch heute will sich kein Jäger zeigen. Durchs Freiwasser zurück an die Wand, geniessen wir den Rest unserer Luft, beim Bestaunen der Unterwasserwelt. Ein grosser Barrakuda kommt vorbei und wie es seine Natur ist, kommt er näher und begutachtet uns aus seinen grossen Augen und zeigt seine scharfen Zähne. Weitere 88 Minuten in einer fantastischen Welt gehen zu Ende. Den Abend geniessen wir am einsamen Strand.
Ein neuer Tag, ein neuer Tauchgang. Wir wollen nochmals zur zweiten Boje und hoffen den Kegel wieder zu finden. Diesen verpassen wir, doch finden wir weitere, etwas kleinere Felsblöcke im Sand in der Tiefe. Heute zeigt sich uns eine grosse Schildkröte. Ein kurzer, aber eindrucksvoller Moment. Wir verbringen nochmals eineinhalb Stunden im nassen Reich der faszinierenden Kreaturen.
Vier Nächte sind wir allein in der Byahaut Bay. Heute gesellt sich ein weiteres Boot zu uns. Als am Morgen nochmals ein Boot in der kleinen Bucht ankert, entschliessen wir, dass es für uns Zeit wird weiter zu segeln. Auch geht uns der Vorrat an frischen Lebensmitteln zu Ende. Wir befinden uns in «St. Vincent and the Grenadines». Bis jetzt waren wir auf St. Vincent, der Hauptinsel und sind nun gespannt, was die hochgelobten Grenadinen zu bieten haben.
07.-09.05.2024 – eine kurze Zeit in den Grenadinen
Nach 3 Stunden segeln erreichen wir Port Elisabeth auf der Insel Bequia. Geankert, Dinghy ins Wasser und ab an Land. Auf St. Vincent haben uns die Leute nicht sehr freundlich und mit einem gewissen Argwohn begrüsst. Hier ist alles anders. Die Leute Lachen und sind immer für einen Schwatz zu haben. Wir entdecken einen Segelmacher. Er gibt uns einen Einblick in seine Arbeit. Durstig setzten wir uns in eine Bar in der wir Einheimische und Touristen nebeneinander finden. Stef schaut einer Partie Backgammon zu und wird gleich aufgefordert eine Partie gegen den Gewinner zu spielen. Die beiden spielen nicht um Geld, sondern einfach um des Spieles willen. Eine schöne Begegnung.
Wie oft, wenn wir an einem neuen Ort ankommen, begutachten wir die verschiedenen Lebensmittelläden. Nicht zu unserer Freude, sind frische Lebensmittel sehr spärlich. Unser Frischwaren-Proviant wird mit wenig Gemüse und Früchten zu hohen Preisen aufgestockt werden. Am Abend geniessen wir ein auswärtiges Essen mit frischem Fisch. Ein Gaumenschmaus. Wir Plaudern mit der freundlich, frohen Kellnerin. Auf unsere Anfrage, wie sie sich diese teuren Lebensmittel leisten können, erklärt sie uns, dass sie kaum etwas im Laden kaufen. Sie haben Geissen und Gärten und produzieren ihre Milch, Butter und Gemüse selbst. Die Fischer fangen kleine Fische, welche ihnen besser munden, als die grossen Tunas und Mahi Mahis, welche wir Touristen bevorzugen. Für das Wasser haben sie Tanks, um das Regenwasser aufzufangen.
Bevor es am nächsten Morgen losgehen soll, für den Lebensmitteleinkauf, läuft unser Wassermacher, damit sich unsere Frischwassertanks etwas füllen. Schlagartig verschieben sich unsere Prioritäten. Uns fällt auf, dass das Seewasserventil nicht mehr dicht ist. Es tröpfelt langsam, aber stetig etwas Salzwasser in unser Boot. Solange es nur bei Tropfen bleibt, ist dies kein grosses Problem. Sollte das Ventil allerdings noch undichter werden, dann könnte im schlimmsten Fall unser Boot rasch mit Wasser volllaufen. Umgehend suchen wir online das nächste Trockendock. Dieses ist in Grenada und zirka sechzehn Segelstunden entfernt. Wir fragen an, ob sie uns, nach unserer Ankunft umgehend aus dem Wasser heben könnten. Dies wird der Fall sein. Wir treffen die letzten Vorbereitungen, um aufzubrechen und verlassen das Boot heute lieber nicht. Mit einer Dichtungsmasse bekommen wir das Leck vorerst dicht. Glücklicherweise bleibt das Ventil bis am Abend dicht, sodass wir ruhig Schlafen können.
Der nächste Tag ist angebrochen. Das Ventil tropft bereits wieder. Es war definitiv die richtige Entscheidung das Boot aus dem Wasser zu nehmen. Damit wir nach Granada reisen können, ist ein Besuch auf den Ämtern von Saint Vincent and The Grenadines fällig. Unsere Pässe sind gestempelt und wir offiziell bereit, um das Land zu verlassen.
Am Nachmittag lichten wir den Anker und freuen uns auf eine Nacht unter Segel. Der Segelschlag nach Grenada verläuft ruhig. Unseren Kranktermin haben wir um acht Uhr morgens. Da sie wissen, dass wir die Nacht durchsegeln, haben sie uns versichert, dass sie zeitlich flexibel sind.
10.-12.05.2024 – Pagsinta kommt ins Trockene
Ganz schweizerisch sind wir um kurz nach acht Uhr beim Kranen. Pagsinta wird in die Gurten geschnallt und aus dem Wasser gehoben. Die Mitarbeiter sind superfreundlich und professionell. Gleich nachdem unser Boot gestellt ist, kommt der Fachmann. Das Ventil wird mit unserer Hilfe, damit wir lernen können, ausgebaut. Wie gehofft ist lediglich die Dichtung undicht. Das Ventil wird gereinigt, eine Dichtmasse auf das Ventil aufgetragen. Das Ventil ist, noch mit leichtem Zug, wieder im Boot. Nun nur noch austrocknen lassen und dann ganz festziehen. Das gibt uns Zeit, den Zoll und die Immigration aufzusuchen. Diese sind nicht im Büro. Sie werden gemäss Anschlag erst am Nachmittag zurück sein. Auch gut, unsere Mägen knurren. Ausser einer früh morgendlichen Banane sind diese noch leer. Etwas später als angekündigt, treffen die Damen der Einwanderungsbüros ein. Wir kehren auf die Werft zurück, um festzustellen, dass das Ventil bereits etwas mehr angezogen wurde. Vom Operations- Manager erfahren wir, dass die Masse noch bis am nächsten Tag trocknen muss. Für uns perfekt. Da die Temperaturen auf den südlicheren Inseln brütend heiss, sind, hatten wir uns bereits entschieden bis am Dienstag ein kleines Appartement zu mieten. Wir freuen uns auf eine Dusche, eine Klimaanlage, eine Waschmaschine und einen Fernseher mit Netflix.
Ein eigenartiges Gefühl, unsere Sachen zu packen, um Pagsinta für ein paar Tage zu verlassen. Wir ziehen die Bettwäsche ab und nehmen sämtliche Wäsche, welche sich über die letzten Wochen angesammelt hat, mit. Es geht steil den Hügel hoch in unser luftig, liebevoll eingerichtetes AirBnB. Auf der Waschmaschine finden wir einen Zettel. Diese habe kein Wasser. Etwas verärgert schreiben wir unserer Vermieterin. Sie erklärt uns, dass es auf Grenada seit über vier Wochen nicht mehr geregnet hat, was ein neues Phänomen ist. Die ganze Insel muss Wasser sparen. Wir entschuldigen uns. Die Wäsche werden wir wohl am Folgetag schmutzig retour aufs Boot nehmen. Müde gehen wir ums Eck ein paar Fernseh-Leckereien kaufen. Mit Bier und Popcorn beladen, legen wir uns ins klimatisierte Schlafzimmer, suchen einen Film auf Netflix aus und schlafen früh im grossen Bett ein. Am Morgen fühlen wir uns bereits gut erholt. Nach einem ausgiebigen, gemütlichen Frühstück erkunden wir die Umgebung. Und ja, wir gehen wieder in die Lebensmittelläden. Mit was für einem Smile im Gesicht. Das Einkaufen wird eine wahre Freude werden. Die Auswahl ist riesig, die Preise human. Die Naturstrassen sind äusserst trocken und staubig. Die Sonne brennt unerbittlich. So läuten wir heute bereits am Nachmittag das Kino im Schlafzimmer ein. Am Abend verlassen wir unsere Höhle, um etwas zu essen. Der Spaziergang in den gemässigten Temperaturen tut gut. Das Essen schmeckt vorzüglich.
Ein Luxus, heute schreiben wir die Texte für unsere Homepage in der schattigen Lounge der Unterkunft. Da wir bereits viereckige Augen haben und genug Filme geschaut haben, freuen wir uns umso mehr, morgen ein paar kleine Arbeiten auf dem Boot auszuführen und dann zurück ins Wasser mit unserem schwimmenden Zuhause.










