25.07.-06.08.2024 – Auf Entdeckungstour in Curacao
Anschliessend beginnt die Entdeckungstour der Insel. Direkt beim Ankerplatz hat es einen kleinen Aussichtshügel. Diesen erklimmen wir heute. Die Vegetation auf Curacao erinnert eher wieder an die Kanaren. Die Landschaft ist gesäumt von trockenen Büschen, vielen Echsen und Kakteen. Vom Hügel haben wir eine herrliche Übersicht über die Ankerbucht «Spaanse Water». Unsere kleine Pagsinta inmitten der ganzen Boote hat von hier oben einen weit grösseren Abstand zu anderen Booten, wie dies auf dem Boot wirkt. Das gefällt uns sehr.
Der Scooter wird uns direkt zur Ankerbucht gebracht. Was für ein Service. Den ersten Tag nutzen wir, um über die ganze Insel zu flitzen. Wir schauen uns den Norden der Insel an und die verschiedenen Ankerbuchten. Die Ankerbuchten im Norden sind einiges exponierter, das Wasser ist dafür kristallklar und die Riffe laden zum Tauchen ein. Wir werden definitiv ein paar Tage im Norden ankern. Auf dem Nachhauseweg besuchen wir weitere malerische Ankerbuchten. Curacao ist viel touristischer als die Windward Inseln. Die schönsten Strände sind den Hotelgästen vorbehalten oder erfordern einen Eintritt. Als nächstes besuchen wir die Hata Höhlen. Das Höhlensystem ist verglichen mit anderen Systemen klein. Jedoch nicht weniger eindrücklich. Unsere Führerin erzählt uns die Entstehungsgeschichte von Curacao. Die Riffe sind in den Höhlen nach wie vor gut zu erkennen. Die Stalaktiten und Stalagmiten sind wunderschön und erinnern an die Beatus-Höhlen.
Den 1. August verbringen wir tagsüber auf dem Boot. Am Abend ist in Willemstad Live-Musik und Feuerwerk angesagt. Was für ein Glück. Unser Jähriges auf dem Boot und der schweizerische Nationalfeiertag sollen gefeiert werden. Zu Beginn sind wir etwas enttäuscht. Wir finden kaum Strassenkünstler in den Gassen und Musik hören wir auch noch nicht. Etwas ziellos schlendern wir durch die verschiedenen Gassen. Da sehen wir eine einladende Bar. Mit einem Drink stossen wir auf ein Jahr Bootsleben an.
In diesem Jahr haben wir über zehntausend Seemeilen zurückgelegt und zehn Länder besucht. Unglaublich, was wir bereits alles erleben durften. Pagsinta ist unser Zuhause geworden. An beschränkten Platz, Wasser und Strom haben wir uns gewöhnt. Alles halb so wild, da wir immer wieder atemberaubenden Natur erleben dürfen. In der Hoffnung doch noch etwas Live-Musik zu finden, schlendern wir weiter. Der eine oder andere Künstler ist dabei, sein Set aufzubauen. Als der Hunger sich meldet, setzten wir uns an einen freien Tisch. Kaum sind wir abgesessen, kommt eine Gruppe Tänzer vorbei. Ein wenig entfernt spielt bereits eine Live-Band und zum krönenden Abschluss knallt das Feuerwerk. Ein gelungener Abend in Willemstad.
Etwa in der Mitte der Insel haben wir eine Wanderung entdeckt, welche die schönste auf der Insel sein soll. Wir packen unsere Rucksäcke mit Wasser und Proviant, um diese Wanderung zu machen. Zuerst führt der Weg leicht nach oben, um sich der Klippe entlang zu winden. Das Farbspektakel steht dem Feuerwerk in nichts nach. Das Meer ist türkis Blau in den ersten Metern und ändert sich schlagartig beim Riffabhang ins Dunkelblau. Dies gepaart mit dem rotbraun der trockenen Erde und dem grün der Büsche und Kakteen. Zurück im Talboden eröffnet sich eine neue Landschaft. Die Erde ist trocken und noch röter. Wir lesen, dass es um die Ecke eine Kupfermine hat. Diese erklärt die Färbung der Erde. Mittlerweile ist der Pfad als «Flamingo-Trail» bezeichnet. Es dauert nicht lange, bis wir die ersten Tiere erblicken. Die Flamingos sind hier viel pinker als diejenigen, die wir bis anhin gesehen hatten. Die Wanderung war tatsächlich sehr abwechslungsreich und spannend.
Das letzte Highlight von unseren geplanten Sehenswürdigkeiten lässt ein wenig auf sich warten. Auch in Curacao regnet es zwischendurch. Nur darf der Christoffel Mounten, der höchste Punkt der Insel, bei Regen nicht bestiegen werden. Der Regen legt sich gerade noch rechtzeitig. Unser letzter Tag mit dem Scooter ist angebrochen. Am Morgen um fünf Uhr düsen wir los, damit wir in der Morgenkühle den beinahe vierhundert Meter hohen Berg besteigen können. Aufgrund der bereits jetzt schon hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit sind wir bereits nach wenigen Metern durchgeschwitzt. Der Aufstieg wird von Meter zu Meter alpiner. Es macht super viel Spass über die Steine, Wurzeln und Felsen den Gipfel zu besteigen. Die Sicht von oben ist trotz Bewölkung imposant. Unser Blick schweift über die komplette, sonst sehr flache Insel. Nach einem Picknick auf dem Gipfel machen wir uns an den Abstieg und retournieren unseren Scooter.
In diesem Prozess wird uns bewusst, dass wir aktiver selbst einen Beitrag für unsere Erde leisten möchten. Die Umweltthemen, Weltmeere und der Klimawandel beschäftigen uns seit Beginn unserer Reise. Wir leben heute unseren Traum und hinterlassen dabei einen minimalen ökologischen Fussabdruck. Es fällt uns leicht, das zu leben, was uns wichtig ist, auf die Ressourcen bewusst zu achten, wenig Güter zu besitzen, ohne dass sich dies als Verzicht anfühlt. Im Gegenteil, wir empfinden es als befreiend.
Wir sind enorm dankbar, dass wir diese Segelreise gegenwärtig durchführen. Wie lange unsere schönen Riffe noch so bunt sein werden, ist aufgrund der Meerestemperaturen und der damit verbundenen Korallenbleiche, fraglich. Die Anzahl der Fische ist bereits stark minimiert. Haie haben wir bis anhin gerade mal zwei gesehen. Die Riffe sind in den oberen Regionen oft mit Algen überwachsen. Die schnell ansteigenden Wassertemperaturen haben Einfluss auf die Winde und Strömungen. Wir glauben es ist höchste Zeit, dass wir alle versuchen den eigenen, möglichen Beitrag zu leisten, um diese Prozesse nicht noch mehr zu beschleunigen. Die Sozialen Medien möchten wir künftig bewusst auch nutzen, um zu zeigen, wie wir, ohne uns einzuschränken, unseren Beitrag an die Umweltthemen leisten. Falls wir damit eventuell den ein oder anderen inspirieren, freut uns dies umso mehr. Nach einem geschäftigen Tag am PC mit intensiven Themen, gehen wir am Abend mit acht deutschsprachigen Seglern Abendessen. Einmal mehr geniessen wir den fröhlichen, leichten Austausch unter Gleichgesinnten sehr.








