31.05.-04.06.2024 – Mayreau Island – Karibik mit Sicht zum Atlantik
Eine knappe Stunde dauert die Überfahrt von den Tobago Cays nach Mayreau Island. Wir ankern in der geschützten Bucht im karibischen Meer und sehen über einen kleinen Landstreifen mit Palmen und weissem Sandstrand in den Atlantik. Die Kulisse ist unbeschreiblich. Kurz nach Ankunft besucht uns ein Einheimischer. Er möchte uns selbstgemachten Schmuck verkaufen. Dankend lehnen wir ab. Charlo, der Schmuckverkäufer, begutachtet unser Boot und unsere Lage. Er erzählt, dass vor Kurzem ein Boot, welches etwa an unserer Stelle geankert hatte, in das nahegelegene Riff gedraggt (wenn der Anker nicht gut hält und über den Grund schleift) sei. Er empfiehlt uns, um zu ankern. Gerne nehmen wir den Rat von Charlo an und verlegen unser Boot weiter nach vorne in die Bucht.
Am nächsten Morgen schwimmt Conny an Land, um dort Yoga zu machen. Der Name Sonnengruss könnte nicht besser passen. Auf dem Sand, vor den Palmen, blickt Conny in die Sonne und macht ein paar Sonnengrüsse. Erfüllt kommt sie zurück auf’s Boot. Stef hofft, dass sein Ohr bald wieder ganz gut ist. Dieses ist aufgrund des vielen Schnorchelns auf den Tobago Cays etwas angeschlagen. Am Nachmittag erkunden wir die Bucht. Kurz bevor wir an Land gehen möchten, kommt Charlo nochmals vorbei. Er erzählt uns, dass sie auf den Tobago Cays ein Korallen-Konservierungs-Projekt haben. Aufgrund der hohen Wassertemperaturen hatten sie das letzte Jahr das erste Mal Korallenbleiche. Deshalb decken sie die Korallen nun ab, damit diese nicht mehr der direkten Sonne ausgesetzt sind. Wir philosophieren etwas über Natur und Mensch und geniessen den Austausch mit dem Einheimischen sehr. Nun geht es für uns an Land. Wir möchten beim Cousin von Charlo Abendessen. Oft, wenn wir in einer Bucht kostenlos ankern können, gehen wir etwas Lokales essen, um die Region ein wenig zu unterstützen. Wir laden Charlo auf ein Bier ein und geniessen dann ein köstliches Abendessen, mit unserem deutschen Nachbar in der Bucht. Dieser hat sich zu uns gesetzt.
Die kurzen Gespräche mit verschiedenen Menschen, sind ein Teil, welcher unsere Reise immer wieder bereichert. Am nächsten Tag wird der Rucksack mit Wasser gefüllt. Obst haben wir keinen mehr und hoffen, auf der Insel fündig zu werden. Wie so üblich, besteigen wir den höchsten Punkt der Insel. Dieser ist zum Ende hin derart mit dornigen Sträuchern überwuchert, dass die Sicht nicht frei wird. Auch egal, die Beine zu vertreten tut gut und die Sicht von einem offenen Punkt aus auf die Tabaco Cays fantastisch. Im Dorf auf dem Hügel sehen wir uns den zurzeit geschlossenen Supermarkt von aussen an. Es lohnt sich nicht zu warten, bis dieser öffnet, da er kaum mit frischen Artikeln bestückt ist. Entsprechend heisst es mal wieder, etwas einfallsreich zu werden, um unsere Dosen zu etwas feinem zu verarbeiten. Stefs Ohr ist langsam wieder in Ordnung. Zusammen schwimmen wir an den Strand und geniessen die morgendlichen Sonnengrüsse gemeinsam. Heute soll es weiter nach Union Island gehen. Bevor wir zurück zum Boot schwimmen, schlendert der Fischer Philip vorbei. Er empfiehlt uns, noch zwei Tage in der Bucht zu verweilen. Die Bucht ist sehr gut geschützt und das Wetter soll etwas umschlagen. Auf dem Boot prüfen wir die Wetterprognosen für uns nochmals und beschliessen, dem Rat von Philip zu folgen. Es gibt schlimmeres als in einer derart schönen Bucht zwei Tage abzuwettern.
04.-07.06.2024 – Nochmals nach Union Island um auszuklarieren
Mit Absicht wählen wir den etwas längeren Weg über den nördlichen Teil der Insel, damit wir endlich die Segel mal wieder hissen können. Was für ein schönes Gefühl. Der Wind bläst angenehm. Unsere Logge zeigt sechs Knoten Fahrt an und dies bei gemütlichem Wind von hinten. Die Zeit fliegt. Als wir die gewünschte Bucht auf Marine Traffic prüfen, stellen wir fest, dass diese bereits mit Booten überfüllt ist. Und wir sehen nur die Boote, welchen ihren AIS-Sender aktiv haben. Deshalb entscheiden wir uns um, und gehen in die Chatham Bay. Die Fall-Böen sind bereits beim Ankermanöver spürbar. Gut, dass wir mittlerweile vierzig Meter Kette haben, welche wir herunterlassen können. Den Nachmittag nutzten wir, um das Riff am Nordende der Bucht zu erkunden. Die Entscheidung ist rasch gefällt. Morgen gehen wir nicht ausklarieren, wir gehen tauchen. Viel erwarten wir nicht. Es ist jedoch bereits ein Monat her, dass wir getaucht sind. Somit gehen wir nur schon des Tauchens willen.
Am nächsten Morgen erwachen wir und haben die Fall-Böen von der anderen Seite. Etwas speziell ist diese Bucht schon. Bevor wir tauchen gehen, prüfen wir den Anker nochmals. Dieser hält immer noch gut. Obwohl er mit den jetzigen Böen, um hundertachtzig Grad verkehrt im Sand eingebuddelt ist. Die Böen drehen hier allerdings schnell nach Lust und Laune hin und her. Deshalb entschliessen wir, den Anker zu lassen, wie er liegt. Das Dinghy wird mit dem Dinghy-Anker und den Tauchflaschen beladen und auf geht’s ums Eck der Ankerbucht zum Riff.
Der Anker liegt sauber auf 5m und wir beginnen gemütlich der kleinen Wand entlang über die Sandflächen abzutauchen. Das Riff wird von Flossenschlag zu Flossenschlag üppiger. Die Fische zahlreicher. Auf zehn Meter tiefe treffen wir auf einen Stechrochen. Was für ein Kaliber. Er misst mehr als einen Meter im Durchmesser. Ruhig liegt er auf dem Sand und wir schweben dicht über dem Grund vor ihm. Die gelben Augen starren uns an und er gibt uns viel Zeit, um ihn ebenfalls genaustens zu begutachten. Nach einer Weile hebt er sich um einige Zentimeter an, macht sanfte Bewegungen mit seinen Körperenden und gleitet langsam an uns vorbei. Wir trollen uns und bald schon kommen wir an eine Putzer-Station. Eine Muräne lässt sich von einigen Putzer-Garnelen verwöhnen. Sie tänzeln über die Muräne und fressen die Parasiten von der Haut. Dabei zuckt sie immer wieder, lässt die Garnelen jedoch gewähren. Sie öffnet das Maul und auch dieses wird mit Eifer gereinigt. Die Muräne ist sauber und wir gleiten weiter durch schwärme von Makrelen, Schnapper und anderen Rifffischen. Da bewegt sich was unter den Steinen. Eine riesige, zirka dreissig Zentimeter grosse Krabbe kommt zum Vorschein. Sie ist auf Nahrungssuche. Ihr Gang, gemütlich, ihr Fressverhalten nervös. Lange beobachten wir sie, wie sie Seetang zwischen die motorischen anmutenden Kiefer schiebt. Etwas weiter erhaschen wir einen Eidechsenfisch. Ein Schwarm kleiner Rifffische passiert den Fisch. Dieser schnellt nach vorne und erhascht sich einen der kleinen Fische. Noch lange sieht man die Schwanzflossenspitzen aus seinem Mund zucken. Als krönender Abschluss unseres Unterwasserausflugs fliegt majestätisch ein grosser Adlerrochen vorbei. Wir können unser Glück kaum fassen. Nichts erwartet und so viel erlebt.
Glücklich zurück auf der Pagsinta haben wir das Gefühl, das wir dem Katamaran hinter uns etwas näher sind als zuvor. Wir reinigen und verstauen unser Gerödel und empfinden den Abstand doch etwas knapp. Nochmals prüfen wir den Anker und sehen, wie er ohne Halt über die Steine schlittert. Gerade noch kann Stef dem Anker provisorischen Halt geben. Weil der Wind sich nicht wieder gedreht hat, wurde der Anker durch seine falsche Lage ausgerissen. Kurzerhand starten wir den Motor, hiessen den Anker und lassen ihn in einem rieseigen Sandfleck wieder senken. Hier hält er wunderbar. Und falls die Böen wieder wechseln und von der anderen Seite angreifen kann er sich allenfalls auch wieder gut selber eingraben.
Der letzte Tag in den Grenadinen bricht an. Zu Fuss machen wir uns auf den Weg aus der Bucht in das eine Stunde entfernte Clifton. Der abenteuerliche Pfad führt uns abermals durch den verbotenen Wald. Es gibt keinen anderen Weg aus der Bucht. Oben auf der Strasse wird der Marsch einfacher, auch wenn die Sonne einmal mehr brennt. Auf halber Stecke nimmt uns ein Minibus mit. Der Fahrer war sehr aufmerksam und fuhr uns sogar ein Stück entgegen. Nachdem wir alle Formalitäten für die Ausreise erledigt und uns mit frischen Früchten versorgt haben, fährt wieder unser Minibus vorbei. Diesmal gefüllt mit Schulkindern. Geduldig fährt er eines nach dem andern nach Hause. Als der Bus bis fast auf uns leer war, lädt er eine zweite Horde Kinder auf und bringt auch diese, eines ums andere nach Hause. Uns bestätigt er, er bringe uns so nahe zur Chatham Bay wie er kann. Nach einer für diese kleine Insel längere Busfahrt sind wir an unserer «Haltestelle» und können das letzte Stück durch den Wald spazieren.
07.-10.06.2024 – Carriacou mit speziellem Empfangskomitee
Am Morgen schwimmen wir ein letztes Mal auf den Grenadieren an Land, machen unsere Sonnengrüsse und verlassen anschliessend diese schöne Inselgruppe. Mit gutem Wind und etwas kabbeligen Wellen reiten wir in eineinhalb Stunden in die Tyrell Bay bei Carriacou, Grenada. Dieselbe Boje, an welcher wir bereits das letzte Mal in dieser Bucht festgemacht haben, ist wieder frei. Conny steuert diese an und Stef ist mit dem Bootshacken am Bug bereit. Da liegt etwas neben der Boje. Beim Näherkommen erkennen wir die Schildkröte, welche jedoch keine Anstalten macht zu fliehen. Die Boje ist noch 3 Meter entfernt, die Schildkröte mittlerweile genau neben unserem Rumpf. Stef klopft mit dem Boothacken zweimal sanft am Panzer an. Da hebt sie langsam ihrem Kopf und schwimmt gemütlich davon. Was für ein Empfangskomitee in Grenada. Der Gang zu den Behörden ist schnell erledigt, noch das nötigste Einkaufen und am Abend in das uns bekannte Lokal zum Pizzaessen. Den Aufenthalt in der Tyrell Bay verwenden wir, um zum einen die erwarteten starken Winde und die bevorstehenden Gewitter abzuwettern, zum anderen um zu schreiben, die Fotos zu bearbeiten und um alles was im ganz normalen Leben ebenso anfällt, zu erledigen.




