05.11.-06.11.2024 – Ein gutes Gespräch mit der Marina
Von der Marina erfahren wir, dass vom 07.-11. November keine Arbeiten durchgeführt werden, weil Kolumbien den Unabhängigkeitstag feiert. Diese Zeit wollen wir nutzen, um etwas von diesem schönen Land zu sehen. Was wollen wir spontan in der freien Zeit unternehmen? Von einem Kolumbianer haben wir bereits einmal den Geheimtipp «San Agustin» erhalten, als wir nach schöner Natur fragten. Wir googeln Medellin, die einst gefährlichste Stadt der ganzen Welt, suchen nach den schönsten Orten in der Natur und schauen uns San Agustin an. Nachdem wir ein paar Videos von San Agustin gesehen haben, ist die Wahl gefallen. San Agustin trumpft mit den vielen Wasserfällen, den archäologischen Parks, den Kaffeeplantagen und der üppigen Natur auf. Den einzigen Wehrmutstropfen, dass wir dorthin fliegen müssen, nehmen wir in Kauf.Bevor es losgeht, informieren wir die Marina, dass uns das Entrosten zu teuer ist. Falls sie uns mit dem Preis nicht entgegenkommen können, werden wir nach unserer Rückkehr selbst schleifen und streichen. Gerne nehmen sie dies entgegen und schauen mit den Spezialisten, ob es eine Möglichkeit gibt, den Preis zu senken. Das klingt vielversprechend. Wir könnten mit beiden Varianten gut leben. Mit grosser Vorfreude auf San Agustin packen wir unsere Rucksäcke. Morgen in der Früh geht unser Flug.
07.11.-11.11.2024 – Urlaub in San Agustin
Die Reise hat sich gelohnt. Im Masaya Hotel, unserer Unterkunft, befinden wir uns im Naturparadies. Der Garten der Anlage ist gesäumt von diversen tropischen Blumen. Die Vögel zwitschern. Die Bäche rauschen. Von unserem Zimmer aus sehen wir auf den Magdalena Fluss. Der längste Fluss von Kolumbien. Er erstreckt sich von hier aus, dem Süden, bis er im Norden in die Karibik mündet. In San Agustin erreicht er seine schmalste Stelle. Wir kriegen uns kaum ein. Von unserem Balkon aus sehen wir in die Tiefe Schlucht des Magdalenas, einen hohen Wasserfall, welcher sich darin ergiesst und diverse Kaffeeplantagen. Wir geniessen den leckeren Welcome Drink vom Resort und stellen uns auf ein paar Tage schönen Urlaub ein.
Leider haben wir die Höhe etwas unterschätzt. In der Nacht einmal wieder in eine dicke Decke eingekuschelt zu sein, war ja genial. Mamas Herz schlägt aber aufgrund der dünnen Luft auf 1'800 Metern viel zu schnell. Conny kennt aus der Kinesiologie einen Punkt, welcher gut erdet und in die Mitte bringt. Bereits nach fünf Minuten Halten von diesem, beginnt das Herz von Mama sich zu beruhigen. Sie möchte es aber heute noch ruhig angehen lassen. Da Mama nun wieder wohl ist, packen Stef und Conny die Kamera und fotografieren die schönen Pflanzen in der Anlage. Beim Schlendern sehen wir einen Weg, welcher zum Fluss runter führen könnte. Wo geht es auf diesen Weg? Gesucht, gefunden. Immer weiter kommen wir ins Grüne. Vorbei an Kaffeesträuchern, an Zitrusbäumen und einer kleinen Farm. Sollen wir tatsächlich noch weitergehen? Eigentlich wollten wir nur etwas in der Anlage fotografieren. Mama hat uns aber versichert, dass es ihr wieder wohl ist. So lassen wir uns vom Weg verführen. Weiter und weiter geht es bergab. Der Weg wird immer überwachsener. Das Rauschen des Flusses und des Wasserfalls immer lauter. Der Wasserfall ist nun auf Augenhöhe. Ganz bis zum Fluss kommen wir nicht. An einer Stelle ist der Weg abrupt zu Ende. Es geht steil in die Schlucht hinab. Auf dem Rückweg begegnen wir dem Kaffeebauern von der kleinen Farm. Er erzählt uns, dass es einst eine Brücke gab, welche bis zum Wasserfall führte. Diese wurde von einem Unwetter leider verwüstet und nie wieder aufgebaut. Er erzählt ein wenig von seinem Leben in der abgeschiedenen Farm. Wasser erhält er über eine kleine Leitung vom Dorf. Um an Nahrungsmittel zu kommen, muss er die zirka dreissig Minuten den Weg hochgehen, um ins Dorf zu gelangen. Seine Unterkunft erinnert an eine SAC-Hütte in den Schweizer Bergen. Zurück im Resort gehen wir bei Mama vorbei. Ihr geht es wieder prima. Den Blutdrucksenker wird sie am nächsten Morgen auf alle Fälle einnehmen.
Heute geht es für uns ins kleine Dorf San Agustin. Wir schlendern durch den lokalen Markt und das Dorf. Alles einiges schöner und übersichtlicher als in Cartagena. Mit frischen Früchten und Wasser kehren wir in unsere Traumunterkunft zurück und lassen uns mit den herrlichen Früchtesäften, Cocktails und dem leckeren Essen verwöhnen. Für den nächsten Tag buchen wir einen Fahrer, welcher uns zu den Archäologischen Stätten und zu einer Kaffeeplantage bringen wird.
Bei der Archäologischen Stätte besuchen wir zuerst das Museum. Die Funde gehen bis in die Jahre vor Christi zurück. Die Indigenen Völker haben viele Skulpturen erbaut, um die Götter zu huldigen und besänftigen. Nach dem Besuch des Museums schlendern wir durch den Skulpturenpark. Dieser führt durch die Wälder der Region. Die tropischen Bäume begeistern uns fast genauso wie die Skulpturen. Das Spannende an diesen uralten Figuren ist, dass auch die Forscher sich oft nicht einig sind, was sie genau bedeuten. Was klar ist, ist dass die Völker damals oft Mensch und Tier in einer Figur darstellten. Oft wurden diese scheinbar zur Bewachung einer Grabstätte oder zur Huldigung der Götter erbaut. Im Anschluss an den Park, kommen die verschiedenen Grabstätten mit weiteren Skulpturen. Weiter geht es zu einem Fluss. Die Völker haben sogar die Steine im Fluss bearbeitet. Dort und da findet man ein Gesicht, welches in den Stein gemeisselt wurde. Die Wasserläufe wurden teils vom Menschen gelenkt, damit das Wasser für den Ackerbau genutzt werden konnte.
Nach einer Stärkung mit Früchten geht es weiter zur Kaffeeplantage. Wir werden vom Inhaber empfangen. Voller Stolz zeigt er uns seine Öko-Plantage. Energie ist für ihn sehr wichtig. Mit energetisch starken Steinen leitet er die Energie in sein Haus. Alle Arbeitsschritte werden von Hand ausgeführt. Diverse Pflanzen wachsen wild durcheinander. Dünger werden keine eingesetzt. Als erstes kommen wir an ein paar Blättern vorbei. Wir alle erkennen sie nicht. Es sind Koka-Blätter. Gerne kauen wir ein paar davon. Mama kann es kaum fassen. Sie isst Koka-Blätter. Chemisch bearbeitet wird daraus das berüchtigte Kokain entstehen. Natürlich sind sie ein leichter Aufputscher, aber völlig bedenkenlos, versichert uns der Bauer. Wir kosten diverse Zitrusfrüchte und Kräuter, riechen am Zitronengras und pflücken unsere eigenen Kaffee-Bohnen. Der Bauer achtet genau, dass wir auch nur die roten Beeren und nicht die grünen pflücken. Auf den meisten Plantagen sind sie genmanipuliert, damit sie nicht zu hoch werden, und die Bohnen einfacher gepflückt werden können. Seine Stauden sind etwas höher und struppiger, einfach natürlich. Am Ende vom Durchgang zeigt er uns, wie die Bohnen getrocknet, geschält und geröstet werden. Zum Rösten hat er ein Fahrrad, welches über einen Riemen den Röstbehälter über dem Feuer dreht. Normalerweise werden die Bohnen auf über zweihundert Grad erhitzt und in zwanzig Minuten geröstet. Er röstet seine Bohnen auf etwas weniger als einhundert Grad und tritt dafür sein Fahrrad für neunzig Minuten. Dabei wird der Geschmack besser erhalten. Zum Abschluss gibt es einen aromatischen Kaffee von seiner Farm. Den schmackhaftesten und natürlichsten den wir je gekostet haben. Wir kaufen so viele Bohnen wie wir im Flugzeug im Handgepäck mitnehmen können. (Vorausschau – Unser Rucksack wiegt auf dem Nachhauseweg neunzehn Kilo statt fünf Kilo hihi. Ok, wohl bemerkt; Kamera und feuchte Kleider tragen auch zum Übergewicht bei.) Völlig geflasht gehen wir in unsere Unterkunft zurück und lassen diese phänomenalen Erlebnisse sacken.
Jeder Urlaub ist irgendwann vorbei. Wir müssen zurück nach Pitalito, um nach Bogota zu fliegen. Das darf jetzt nicht wahr sein. Unser Flug hat schon wieder neunzig Minuten Verspätung. Wir haben nur zwei Stunden zum Umsteigen. Unseren schweren Rucksack dürfen wir als Handgepäck mitnehmen, damit wir eine Chance haben, den Flug von Bogota nach Cartagena zu erreichen. Auch dieses Mal schaffen wir den Anschlussflug. Nachdem wir in Cartagena gelandet sind, müssen wir uns erst wieder an den Stadtlärm gewöhnen.
Am Montag beginnt unser Alltag wieder. Auf dem Boot ist über das Wochenende einiges gegangen. Die Arbeiten laufen prima. Auch wenn wir zwischendurch noch lernen müssen zu vertrauen, haben wir ein sehr gutes Gefühl. Die Arbeit scheint sehr kompetent ausgeführt zu werden.








