Unser Segelabenteuer
 

08.12.-15.12.2024 – Besuch und Arbeit, der ganz normale Alltag

 

 

 

Die drei Lieberherr- Wieblis
Sonntag, ausschlafen, ausgiebig Frühstücken, warten. Wir vertreiben uns zu Dritt die Zeit mit einem Jass, bis es endlich Abend wird und wir zum Flughafen pilgern können.  Was für ein wiedersehen! Die ganze Familie Lieberherr ist für einmal vereint. Wir schliessen Manuela voller Freude in die Arme. Da es bereits spät abends ist, wird nur das Wichtigste ausgetauscht und die ausgiebigen Gespräche auf die nächsten Tage verlegt. Endlich haben wir Zeit mit unseren Liebsten. Am Montag wird Manuela durch die Altstadt von Cartagena geführt. Wir lassen uns treiben und kommen uns bereits vor, als seien wir schon Ewigkeiten in dieser Stadt. Jede Ecke ist uns Bekannt. Für uns gibt es kaum was Neues, doch Manuela sieht die kolonialistische Altstadt mit Kinderaugen und geniesst die vielen Eindrücke. Der Rest der Woche ist vom Alltag bestimmt. Wir radeln in der Früh zum Boot. Manuela muss arbeiten (Home-Office in Cartagena) und die liebe Mama schaut zu unserem wohl.

Die Arbeiten auf dem Boot kommen nur schleppend voran. Das Cockpit ist noch bei weitem nicht fertig entrostet, geschweige denn neu lackiert. Die Bilge im Innenbereich ist noch nicht einmal angefangen. Wir werden langsam nervös. Auch weil wir mit unseren, noch ausstehenden Arbeiten nicht anfangen können, solange am Cockpit und im Innenbereich gearbeitet wird. Immer wieder werden wir auf Morgen vertröstet. Tranquillo, wird schon zurzeit fertig. Tranquillo, tranquillo, tranquillo - wir können es nicht mehr hören. Jeden Morgen kommen wir, prüfen den Stand der Arbeiten und versuchen die Arbeiter mit gutmütigem Lächeln zu animieren. Da wir in dieser Woche nicht wirklich Arbeiten können, sind wir jeweils früh nachmittags in der Wohnung. Conny und Manuela gehen einmal zusammen aus und machen ihr Schwestern- Ding, wären Stef mit der Schwiegermutter einen großartigen Abend mit Rum und Geschichten verbringt.

Weihnachtsstimmung in Cartagena

Die schleppenden Arbeiten am Boot und die lärmige Stadt schlagen jedoch immer mehr aufs Gemüt. Auf einem Boot kann aber auch gar nichts Rund laufen. Nur ein kleines Beispiel: Die Kühlschranktüre! Die Dichtung an unserer Kühlschranktüre war defekt. Also wollen wir diese ersetzten. Wir finden eine Niederlassung unseres Kühlschrankhersteller in Kolumbien und fragen an. Da wir jedoch ein europäisches Kühlschrankmodell haben, können diese uns nicht weiterhelfen. In der Schweiz finden wir einen weiteren Vertreter. Dieser kann uns keine Dichtung, sondern nur die ganze Türe organisieren. Natürlich kann diese nicht nach Kolumbien verfrachtet werden. Zum Glück haben wir Besuch von Manuela bekommen. Sie brachte uns die komplette Türe mit. Die Komplette? Eigentlich muss man die Türe, oder bessergesagt den Deckel nur auf den Kühlschrank legen. Doch bei diesem Versuch bemerken wir das geringe Gewicht des Deckels. Der Deckel hat keine metallene Abdeckung, sondern nur einen Schutz aus Karton. Die Abdeckung des alten Deckels ist Vollflächig aufgeklebt. Diese müssen wir lösen und auf den neuen Deckel kleben. Endlich haben wir wieder einen Dichten Kühlschrank. Eine Arbeit, welche in drei Minuten erledigt sein könnte, dauert einmal mehr drei Stunden. Wir haben ja Zeit, doch genau solche Beispiele gibt es täglich, was dem Gemüt nicht zugutekommt.

Eichhörnchen im Botanischen Garten, Cartagena

Zur Entspannung machen wir alle zusammen einen Ausflug in den Botanischen- Garten. Die stündige Fahrt mit dem Taxi geht flott. Ja, in Kolumbien kann man sich auch mit geringem Budget eine stündige Taxifahrt leisten. Wir sind ausserhalb Cartagena. Der grosse, wilde Garten fühlt sich richtig gut an. Das Brüllen der Affen und die Vegetation weckt Erinnerungen vom Tayrona Park.

Brüllaffen

Wir lassen uns beim ausgiebigen Spaziergang durch den üppigen Garten verzaubern und geniessen die saubere Luft. Hui, Achtung! In den Bäumen über uns tummeln sich die Affen und auch diese müssen mal ihr grosses Geschäft erledigen. Also aufgepasst unter welchem Ast man stillsteht. War das Blätterdach in Tayrona zu dicht, um die Brüllaffen zu erspähen, kommen wir ihnen hier sehr nahe und können sie gut beobachten und ihrem Brüllen lauschen. Neben den Brüllaffen gibt es auch Kapuziner- Affen. Wir erwischen sie, als die ganze Familie mit einem waghalsigen Sprung den Baum wechselt. Die Bäume hier müssen teilweise im wahrsten Sinne des Wortes Uralt sein. Extreme Durchmesser und äusserst grosse Wurzeln sind keine Seltenheit. Die Natur glättet unser Nervenkostüm und lässt uns zurück zu uns selbst finden. Nach den erholsamen Stunden im Garten, kehren wir im Restaurant in der Nähe ein. Der Kellner richtet uns einen einsamen Tisch mitten auf dem Rasen her. Wir essen wie im Schlaraffenland. Diesen Tag haben wir gebraucht und mit allen Facetten eingesaugt. Zurück in der Wohnung hupen uns die Buse, Mopeds und Taxis zuverlässig in den Schlaf.

16.12.-23.12.2024 – Viel Arbeit und starke Nerven

Das neue Cockpit der Pagsinta

Die anstehenden Weihnachttage planen wir in der Natur. Mama und Manuela gehen bereits vor. Sobald die Arbeiten an der Pagsinta es zulassen, wollen wir zu ihnen stossen und gemeinsam nach Minca reisen. Natürlich können wir noch immer nicht mit unseren Arbeiten beginnen. So versuchen wir die Arbeiter weiter voranzutreiben und uns irgendwie nützlich zu machen. Endlich, am Samstag, 21. Dezember ist es so weit. Die Arbeiten sind weitgehend abgeschlossen. Sie müssen nur noch alles, was sie verkleckert haben, putzten. Das ist unglaublich viel. Die Fenster und alle Chromstahlteile sind voll mit Farbe. Die Winschen sind angemalt und das Plexiglas des Niedergangs ist vollgespritzt. Zudem sieht der Rumpf noch einiges schlimmer aus als zuvor, weil ihnen sehr viel Antirostmittel über den Rumpf geflossen ist. Unser Boot ist entrostet, neu lackiert, dafür sieht alles andere zum Schreien aus. Zu allem Übel wollen sie heute die Pagsinta wieder einmal umstellen. Somit wird heute Morgen nicht mit der Reinigung begonnen. Über Mittag kommt der Regen und es giesst wie aus Eimern. Nach dem Mittagessen kommen wir zurück zur Pagsinta. Die Bilge ist durch die Koje mit Wasser vollgelaufen. Vorher kommt dies nun wieder? Das Boot war doch trocken! Wir suchen und suchen. Kontrollieren die Cockpitabflüsse und nehmen in der Koje die Deckenverkleidung ab. Durch einen Riss der Schweissnaht zwischen Cockpit und Koje können wir den Himmel sehen. Ein riesiges Loch klafft unter einem Holzbalken auf, welchen wir bis dato nicht beachtet haben. Eigentlich wollten wir morgen unserem Besuch nachreisen. Das wird wohl nichts. Provisorisch kann der Riss und das Loch geflickt werden, damit nicht wieder Wasser eindringt, doch erst am Montag kann dies mit den Arbeitern vor Ort richtig angeschaut und geflickt werden. An diesem Sonntag wird auf der Werft für einmal nicht gearbeitet. Ausser wir. Endlich können wir in Ruhe die Backkistendeckel im Cockpit neu beziehen. Mit Vinylbodenbelag und Kontaktkleber machen wir uns ans Werk. Immerhin diese Arbeit geht gut voran und als wir schlussendlich die Deckel wieder angeschraubt und die Zierleisten montiert haben, sieht unsere Pagsinta neu und frisch aus. Wie versprochen, wird der neue Riss am Montag, nach wiederholter Bitte, mit Epoxi und Glasfaser geflickt. Auch die Reinigungsarbeiten gehen voran. Da es fast unmöglich erscheint den Rumpf sauber zu kriegen, macht die Werft den Vorschlag, alles neu zu Streichen. Da sagen wir nicht nein und sind gespannt aufs Resultat. Noch bevor wir in unseren Weihnachtsurlaub abreisen, sehen wir, wie die Bootsbeschriftung feinsäuberlich abgeklebt wird. Was machen sie wohl mit dem Logo auf der Seite? Egal. Da sie das Boot unentgeltlich Streichen, können wir auf das Logo verzichten. 

24.12.-31.12.2024 – Weihnachten, Zeit für Überraschungen

Casa Pozo Azul, Minca

Früh morgens nehmen wir den Bus nach Santa Marta. Nach der sechsstündigen Fahrt werden wir im Busterminal von Mama und Manuela empfangen. Das Taxi steht bereit. Wir fahren los. Wie weit wir kommen, wird sich noch zeigen. Bereits an der ersten Ampel bemüht sich der Fahrer ungemein, dass der Wagen nicht den Geist aufgibt. Er stottert und bockt. Die erste Ampel ist geschafft. Die kurvenreiche Strasse schlängelt sich immer steiler Richtung Minca hoch. Im Schritttempo kämpft sich unser Taxi Meter für Meter weiter. Wieder bockt es, die Kupplung stinkt und es raucht fürchterlich hinten raus. Der Fahrer ist mehr oder weniger entspannt und singt immer mal freudig mit dem Radio. Alsbald hat die Zitterpartie ein Ende. Der Taxifahrer eilt aus dem Wagen, öffnet die Motorhaube und sieht ein wenig ratlos aus. Stef zieht noch rasch die Handbremse und versucht auszusteigen. Die Tür öffnet sich nicht. Mit Wucht prescht er die Schulter gegen die Tür. Genervt zieht er am Türöffner und da hat er ihn auch bereits in der Hand. Ok, niemand hats gesehen. Die bereitstehenden Motorradfahrer helfen ihm aus dem Taxi. Hoffentlich denkt der Fahrer bei der Weiterfahrt an die angezogene Handbremse. 

Manu und Conny entspannen am Fluss

Wir fahren die restliche Stecke mit den Motorrädern. Für einmal ist dies wahrscheinlich sicherer. Rasch kommen wir in der abgeschiedenen Unterkunft an. Von Pablo werden wir herzlich empfangen und bekommen ein Willkommens- Bier. Uns gefällt es im Casa Pozo Azul. Mittem im Dschungel, direkt am Fluss. Natur pur. Wir entspannen in den Hängematten, feiern den Heiligabend in den bequemen Loungessessel und runden den Tag mit einem weihnachtswürdigen Abendessen ab.

Wheinachts- Call in die Schweiz

Den Weihnachtstag verbringen wir mehrheitlich in der Unterkunft. Schöne Gespräche mit der anwesenden Familie mit Rückblicken, was uns dieses Jahr im positiven, doch auch im negativen Bewegt hat und ein ausgewogener Video- Anruf mit den Liebsten zu Hause. Damit wir doch noch etwas von der Gegend sehen, spazieren wir zum nahegelegenen Pozo Azul. Ein Wasserfall mit grossem Becken, welches zum Schwimmen einlädt. Nur die vielen Touristen stören die Idylle. So machen wir uns schnell an den Rückweg in unsere kleine Oase.

Gemütlichkeit im Casa Pozo Azul

Am 26. verlässt uns Manuela und wir bleiben für eine weitere Nacht. Herrliches Nichtstun und erholen von der Stadt. Als Überraschung sehen wir sogar einen Tucan. Ein seltener, wunderschöner Vogel mit riesigem, buten Schnabel. Minca ist eigentlich der Ausgangspunkt für viele Wanderungen im Dschungel der Sierra Nevada. Nicht für uns. Es tut gut, für einmal einfach nur Inne halten.
Die Rückfahrt nach Cartagena ist langwierig doch pannenfrei. Cartagena setzt uns sogleich wieder zu und wir werden nervös, wie wohl unsere Pagsinta aussieht.
Sie haben tatsächlich den ganzen Rump neu lackiert. Von weitem glänz unser Boot. Eine großartige Überraschung. Oben im frischen weiss, unten im bekannten dunkelblau mit dem orangen Streifen. Leider fällt die Überraschung aus der Nähe nicht so positiv aus. Was haben die in der Zeit sonst noch gemacht? Nichts? Langsam haben wir ein Problem mit unserem Zeitplan. Einmal mehr bitten wir die Arbeiter an unserem Boot zu Arbeiten und die Reinigungsarbeiten auf Deck endlich voranzutreiben. Bis zu Silvester kommen wir täglich auf die Werft. Richten unser zu Hause langsam wieder ein. Verstauen das bereits gekaufte Essen und bringen unsere Kleider. Doch die Meiste Zeit suchen wir die Arbeiter, welche an der Pagsinta arbeiten sollten. Heute Sonntag, müssen wir uns von der geliebten Mama verabschieden. Sie hat kurzerhand entschlossen, etwas früher zurückzufliegen. Cartagena schlägt auch ihr aufs Gemüt und erlebt hat sie in diesen fast zwei Monaten doch sehr viel. Der Abschied am Flughafen fällt schwer. Die Tränen fliessen und wir können uns fast nicht lösen. Endlich sind wir wieder einmal allein in der Wohnung. Nur für uns. Das Herz ist schwer und wir fallen immer tiefer. Die erneute Verabschiedung. Die schleppenden Arbeiten am Boot. Cartagena im Allgemeinen. Was sollen wir hier. Das erste Mal kommen ernsthafte Gedanke zurückzufliegen. Ein geregeltes, normales Leben hat auch seinen Reiz. Oder ziehen wir Plan B. Nach Panama Richtung Norden bis Vancouver? Aber die Südsee- Inseln!? Wir sind ratlos, schwer und können nicht schlafen.

Mit neuem Hut lässt sich gut lachen

Tags darauf fangen sie endlich an, unser Unterwasserschiff abzuschleifen. Das alte Antifouling soll bis auf den Primer abgetragen werden. Doch bald wird klar: Ein neues Problem steht an. Einige Poken hatten sich bis aufs blanke Metall gefressen, was bedeutet, dass wir an diesen Stellen den gesamten Aufbau neu machen müssen. Nur wie? Der erste Vorschlag der Werft gefällt uns nur halb. Dieses Jahr wird nicht mehr viel passieren. Es ist langsam zum Verzweifeln mit den Werftarbeiten, doch merken wir, wenn wir auf dem Boot sind, das unsere Reise weiter gehen soll. Auf dem Boot rufen die Südsee Inseln und die schönen Ankerbuchten. An Silvester wird erstmal gefeiert. Pünktlich kommt Manuela aus Medellín zurück.

01.01.-06.01.2025 – Gut gerutscht, schlecht gestartet

Guter Rutsch ins 2025

Zusammen mit Manuela, unseren Freunden der Kismet und der Amira stossen wir um Mitternacht auf das neue Jahr an. Wir feiern in den Strassen von Cartagena bis um 3 Uhr morgens. Tasja und Adrian Übernachten bei uns, doch bevor wir ins Bett fallen, schauen wir den obligaten «Dinner for one». Ein gelungenes Silvester und ein herrlicher Rutsch ins neue Jahr. Am ersten Tag wird ausgeschlafen, Pizza bestellt und Filme geschaut. Eigentlich ein ganz normaler Start ins Jahr an irgendeinem Punkt auf der Welt.

Die letzten Arbeiten

Im Trockendock zeichnet sich dasselbe Bild wie im letzten Jahr. Die Arbeiten kommen nur schleppend voran. Zu allem erwischt es Conny mit der Grippe und sie hütet für die nächsten Tage das Bett. Stef fährt allein auf die Werft. Viel zu tun, ausser die Arbeiten zu überwachen, gibt es nicht. Am 4. Januar, sie sind noch immer den Rumpf am Abschleifen. Stef beruft eine Sitzung im Büro der Marina ein. Der Vorarbeiter der Marina, der Chef der Rostarbeiter und zur Übersetzung die Sekretärin. Die vier spüren sehr deutlich, was die Pagsinta Crew von den Arbeiten halten. Jede Ausrede wird niedergeschmettert und den Herren wird deutlich klar gemacht, dass die Uhr tickt. Unser Visum läuft am 13. Januar aus. Wir müssen dringend am 10. fix fertig im Wasser sein. Es gibt kein Vertrösten auf «mañana» (morgen) mehr. Jetzt müssen sie zaubern. Am Nachmittag geht was! Bis zu sechs Arbeiter inkl. die zwei Bosse rennen um die Pagsinta. Es wird uns versichert, dass sie am Sonntag und am Drei Königs Tag (ein hoher Feiertag in Kolumbien) arbeiten werden. Stef weicht nicht von der Baustelle. Ein Gewitter zieht auf und direkt über dem Trockendock entlädt sich ein Blitz. Die Entladung ist so stark, dass sich ein Funkensprung durch den Fuss von Stef leitet. Nichts passiert. Doch die Arbeiten sahen, da steht einer wortwörtlich unter Strom. Auch wenn die Arbeiten wegen dem Regen immer wieder unterbrochen werden müssen, werden diese die ganze Zeit vom Chef und Stef kontrolliert und kommen endlich voran. Das Rennen ist eröffnet. Wir sind gespannt wann wir Einwassern können und Richtung Panama weiter segeln können.