Unser Segelabenteuer
 

18.10.-30.10.2024 – Im Meerbecken von Cartagena

Conny und Pagsinta in Cartagena

Der eine Katamaran neben uns macht uns etwas Sorgen. Wir können seinen Schwojenkreis (wie weit er um den Anker dreht) nicht abschätzen. Er hat zu seiner Sicherheit zwei Anker gesetzt. Dies macht ihn für uns unberechenbar. Eigentlich empfanden wir den Abstand ok. Sicherlich knapp, doch sind wir uns dies von den engen und überfüllten Ankerbuchten der ABC-Inseln gewohnt.
Heute am frühen Morgen erwacht Stef und hat ein ungutes Gefühl. Wir kommen dem Kat immer näher. Er fängt mit den Vorbereitungen für ein allfälliges rasches Umankern an. Als Conny das Cockpit betritt sind wir nur noch weinige Meter von unserem Nachbarn entfernt. Anker lichten! Schnell, doch ohne Hast und in unserer eingespielten Routine befreien wir die Pagsinta von diesem Platz und ziehen um. Wir verlagern uns ganz nach vorne ins Meerbecken von Cartagena. Hier Ankern wir mitten in der Stadt. Fantastisch, welch verschiedene Ankerplätze wir erleben.

Platz von Trinidad, Getsemani, Cartagena

Hauptsächlich sind wir in Cartagena, um unsere Pagsinta wieder auf Vordermann zu bringen. Die letzten Monate haben die Arbeiten auf dem Boot etwas vernachlässigt, im Wissen, dass wir uns hier gut um unser zu Hause kümmern wollen. Die Liste ist lang und es gibt einiges, was wir bereits vor Anker erledigen können. Als erstes gehen wir auf Erkundungstour, wo wir welche Materialien bekommen können. So lernt man einen Ort auf andere Weise als ein normaler Tourist kennen. Wir klappern die naheliegenden Marine-Shops ab, um die bootsspezifischen Ersatzteile zu bekommen. Danach wird es spannend. Wir wollen unsere Liegekissen vom Cockpit neu beziehen lassen und unsere Backskistendeckel neu belegen. Der Tipp, dass die Materialen im «Dollercity» in der grossen Mall zu bekommen seien, stellt sich als nichtig heraus. Dafür war der Besuch des Mall-Plaza einen Gang wert. Es gab nichts, was wir benötigen, doch haben wir schon sehr lange keine Shopping-Center mehr betreten. Was man hier alles bekommt. Etwas überfordert sind wir von den vielen Kleiderläden und Kaufhäusern. Alles ist sehr westlich. 

Getsemani, das lebendige Viertel in Caragena

Hier hat man nicht das Gefühl in Kolumbien zu sein. Da wir nichts benötigen geht unsere Suche weiter. Raus aus der Mall über die Brücke zu den kleinen lokalen Geschäften. Bald finden wir einen Stoffladen. Leider machen sie keine Schneiderarbeiten. Ein Gebäude weiter werden wir fündig. Hier haben sie nochmals eine grosse Stoffauswahl und ein Nähatelier. Gemäss den Fotos unserer Kissen denken die Schneiderinnen, dass sie unserem Wunsch, zu einem akzeptablen Preis nachkommen können. Nebenan finden wir Vinyl-Bodenbelag. Genau diesen benötigen wir für unsere Backskisten. Bei der Frage betreffend dem Leim, sind die Spanischkenntnisse von uns ungenügend. Kolumbianer sprechen selten Englisch. Kurzerhand wechseln wir auf Mundart. Er bleibt bei spanisch und wir verstehen uns herrlich. Eine lückenlose Kommunikation entsteht und nach kurzem Nachfragen und Erklären ist alles klar. Wir kommen ins Geschäft.

 

Auf dem Markt in Cartagena

Am nächsten Morgen Dichten wir zuerst die eine Lucke ab. Anschliessend packen wir die Liegekissen auf unser Dinghy und fahren zum Nähatelier. Ganz in der Nähe können wir anlanden. Conny schnappt sich die Kissen und balanciert die grossen Polster auf dem Kopf zum nahegelegenen Geschäft. In der Zwischenzeit hütet Stef das Dinghy. Kurz nach dem Conny weg ist, fängt der Regen an. Ein richtig schöner Tropenregen. Naja, wenigstens ist es warm. Conny benötigt etwas länger, kann jedoch alles Erledigen. Vom Regen bekommt sie nichts mit und kriegt sich fast nicht mehr ein vor Lachen, als sie von ihrem klitschnassen Ehemann im Dinghy begrüsst wird.

Auf dem Markt in Cartagena

Wir wollen ab nun, immer morgens eine Arbeit erledigen. Ab Mittag wird es zu heiss auf dem Boot. In diesem Sinne wird die zweite Lucke abgedichtet. Anschliessend geht es auf den Markt. Zuerst schlendern wir durch das Manga Viertel. Nichts Besonderes. Je weiter wir uns vom Zentrum entfernen, je mehr fühlen wir uns in Kolumbien. Die ersten Markstände machen sich am Strassenrand breit. Wir stechen zwischen die Marktstände. Rein ins Gewusel. Die engen Marktgassen sind gesäumt mit allerlei Geschäften. Anfänglich mit viel Kleider und Haushaltsartikel. Je tiefer wir in den Markt vorstossen, desto mehr Essenstände treffen wir an. Viele Früchte und Gemüse. Immer wieder Fleischtheken. Das Blut tropf auf die Strasse. Ein Motorrad drängt sich an uns vorbei. Jemand kommt uns mit einem Einkaufswagen entgegen. Darauf transportiert er eine ganze Sau. Die Mittagshitze drückt uns den Schweiss aus allen Poren. Fliegen sind allgegenwärtig. Eigentlich wollten wir etwas Früchte und Gemüse kaufen, doch dieser Markt übersteigt Alles, was wir auf all unseren Reisen gesehen haben. Wir lassen es bleiben. Doch die Erfahrung dieses Marktes ist unbezahlbar und immer wieder grossartig zu sehen, wie es auch funktionieren kann. Auf dem Rückweg Richtung Zentrum kommen wir an einem weiteren Einkaufszentrum vorbei. Als Kontrastprogramm gehen wir rein. Bereits im ersten Geschäft überkommt uns der Kaufrausch. Ein Kleid und ein Top für Conny und zwei Leinenhemden für Stef.  Weiter. Im nächsten Laden gibt es zwei lockere Hosen für Conny. Weiter. Weiter. Eine neue Mütze für Stef. Weiter. Weiter. Weiter. In der Altstadt finden wir einen neuen Hut für Conny und ein Bikini. Stopp. Durchatmen und in ein schönes Lokal zum Abendessen.

Die Universität in der Altstadt von Cartagena

Am Morgen machen wir die zwei Lucken von der Innenseite fertig und gehen abermals in die Innenstadt. Heute bewaffnet mit der Kamera. Wir fordern uns gegenseitig in der Street Fotografie. Kommen durch die zwei malerischen Stadtteile Getsemani und die Altstadt. Nach langem Spaziergang und Motivsuche ist die Luft mit einem Schlag raus. Verdattert schauen wir uns an und fragen: »und jetzt?» Pause. Stillstehen. Apero! Noch zwei Tage, bis wir ins Trockendock können. Ein Patrouillenboot der Coast Guard macht uns freundlich darauf aufmerksam, dass wir wegen der bevorstehenden Festlichkeiten den Ankerplatz bis morgen früh räumen müssen. Der Wecker klingelt um sechs Uhr. Wir sind die ersten der Rund 10 Boote die Umankern. Somit können wir uns einen guten Platz für die letzten zwei Nächste im Wasser von Cartagena sichern.

31.10.-02.11.2024 – Es geht ins Trockendock
auf dem Weg ins Trockendock
Der langersehnte Tag ist gekommen. Einmal mehr klingelt der Wecker um sechs. Wir machen das Boot klar für die kurze Fahrt und das anschliessende Herausheben.  Mit dem Ankerlichten verfliegt die Nervosität. Wir geniessen die Dreiviertelstunden Fahrt. Wahrscheinlich die letzte Fahrt für dieses Jahr. Wie geplant erreichen wir die Marina Manzanillo um zehn Uhr. Die Mitarbeiter der Marina stehen schon bereit, um uns beim Anlegen zu unterstützen. Eigentlich wollen sie, dass wir Rückwärts einfahren. Mit unserem Boot ist dies jedoch fast ein Ding der Unmöglichkeit. So fahren wir einfach vorwärts in die Box. Leider keine gute Idee. In dieser Position können sie uns mit dem Kran nicht herausheben. Die Mitarbeiter drehen unsere Pagsinta im Nu von Hand mit den Schoten. Das ging fix. «Löst bitte den Achterstag!», ruft uns der Vorarbeiter entgegen. Den Achterstag lösen!? Sicher nicht! Dieser hält unseren Mast. Ohne diesen kann der Mast nach vorne kippen. Der Vorarbeiter hat nur ein müdes lächeln für uns übrig. Wir müssen tatsächlich den Achterstag komplett lösen. Der Mast wird vorgängig mit dem Grossfall gesichert und wir sind bereit. Es geht ins Trockne. Pagsinta schwebt über den Boden der Marina. Bis sie wieder sicher gestellt ist, wird unsere Wartezeit mit einer Einladung eines Schweizerpaares verkürzt. Sie geben ein Bier aus und erzählen uns ihre Geschichte.  Am Nachmittag packen wir unsere sieben Sachen. Wir ziehen um in ein Appartement. Dieses liegt auf der anderen Seite der Stadt in einem für uns neuen Stadtteil. Der Bezug ist unkompliziert. Doch ganz wohl fühlen wir uns nicht. Unser Boot ist so weit weg. Auch das Stadtviertel behagt uns nicht ganz. Nach einem mehr oder weniger feinem Abendessen gehen wir früh ins Bett und versuchen die erste Nacht ohne Schaukeln zu schlafen.
Pagsinta kommt raus, ohne Achterstag
Früh morgens holen wir unsere vorab gemieteten Fahrräder ab und radeln zur Marina. Als erstes wird das Dinghy gesäubert. Im Brackwasser vor Cartagena konnten sich in den zwei Wochen bereits kleine Muscheln ansetzten. Alle Schleif- und Rostarbeiten, wollen wir in Auftrag geben. Für dies kommt der Vorarbeiter und der Metallspeziallist für eine Besprechung vorbei. Sie sind positiv gestimmt und wir sollen die Offerte nach dem Wochenende erhalten. Wir schliessen unsere Arbeiten ab und machen uns im Feierabendverkehr auf den Rückweg. Auch wenn der Verkehr dicht ist und augenscheinlich jeder fährt, wie er will, schaut auch jeder auf jeden. Wir fühlen und sicher auf den Strassen und machen uns einen Spass, zusammen mit den Motorädern durch die Autos zu zirkeln. Das Wochenende wird ruhig. Wir geniessen die Wohnung. Schauen fern und erkunden etwas die nähere Umgebung. Alles gar nicht so schlimm wie anfänglich angenommen. Wir leben uns langsam in unserem neuen Quartier ein und bereiten uns auf neuerlichen Besuch vor.
03.11.-04.11.2024 – Besuch, die Schwieger- Mama kommt
Connys Mutter kommt uns besuchen. Unglaublich! Mit 70 Jahren nimmt sie die weite Reise ganz allein auf sich. Wir sind den ganzen Tag voller Vorfreude. Irgendwie bringen wir den Tag durch. Dann endlich, abends um halb zehn können wir die Mama in die Arme schliessen. Munter und guter Dinge hat sie den langen Flug überstanden. Wir führen sie in unsere Wohnung und stossen auf das Wiedersehen, mit Freudentränen in den Augen an. Mara bringt uns einen Koffer voll Leckereien aus der Schweiz mit. Von Schokolade über Cervelat bis zu Salami und Käse. Was für ein grosses Geschenk.
Nach dem wir alle Ausgeschlafen haben führen wir unseren hohen Gast nach Cartagena. Noch etwas verdattert von der Reise kommt sie immer mehr an.
Nach drei Tagen abseits vom Boot müssen wir uns um die anstehenden Arbeiten kümmern. Immer noch warten wir auf die Offerte der Marina für das Entrosten des Decks. Viel erledigen wir heute nicht auf dem Boot. Versuchen jedoch, noch das eine oder andere zu organisieren und machen uns mit unseren Fahrrädern bald wieder auf den Heimweg, um mit Mama so viel Zeit wie möglich verbringen zu können. Gegen Abend kommt die Offerte. Ein grosser Hammer. Auch nach mehrmaligem Durchatmen ist es immer noch viel zu viel. Sie rechnen mit 40 Tagen Arbeit und offerieren die Arbeiten mit rund 6000 Schweizer Franken. Inklusiv dem Antifouling, das Ein- und Auswassern und dem Stellplatz wird unsere Rechnung auf fast 9000 Schweizer Franken kommen. Wir haben mit der Hälfte kalkuliert und wissen gerade nicht, was wir sollen. Wir rechnen alles vorwärts und rückwärts. Wie sollen wir weiter machen? Diese Offerte sprengt unser Budget.