Unser Segelabenteuer
 

20.11.-27.11.2024 – Staub, Farbe und Regen

Unser Tisch bekommt einen neuen Anstrich
 Die Arbeiten im Trockendock laufen auf Hochtouren. Bald haben wir unsere Arbeiten, die wir aktuell selbst erledigen können, abgearbeitet. Die vergebenen Schleifarbeiten ziehen sich hin. Der Regen, welcher fast täglich fällt, hilft nicht. Einige Stellen rosten nach, bevor sie neu gestrichen sind. Leider haben wir bereits Farbflecken an Stellen, welche wir schlecht wieder sauber bekommen werden. Der Arbeitsstandard in Kolumbien ist ein anderer als wir es uns gewohnt sind. An einem Morgen ist unser Tiefpunkt erreicht. Es hat wieder geregnet. Vieles ist abgeschliffen, aber noch nicht mit Farbe geschützt. Blanker Stahl rostet ohne Farbe sehr schnell. Nach einem Gespräch mit dem Büro der Marina und dem Verantwortlichen für unsere Bootsarbeiten, fühlen wir uns etwas besser. Wir vereinbaren, dass sie nur noch kleinere Stellen bearbeiten und diese dann direkt mit Farbe schützen. Ebenfalls entscheiden wir uns selbst vieles abzudecken, damit nicht noch mehr Farbe an Stellen landet, wo sie nicht hinsoll. Da unser Arbeiter sieht, wie wir alles abdecken, beginnt auch er mehr abzudecken. Für die kommenden Tage haben wir eine Unterkunft im Tayrona Nationalpark gebucht. Ganz wohl sind wir nicht, unser Boot genau jetzt für fünf Tage zu verlassen. Da wir allerdings unserem Ärger noch Luft machen konnten und alles, was wir tun können, gemacht haben, hoffen wir, dass sie sich nun besser achten und die Arbeiten vorantreiben, auch wenn wir nicht dabei sind.

28.11.-02.12.2024 – Tayrona Nationalpark – Unberührte Natur
Tayrona Nationalpark
Um acht Uhr morgens kann Stef das Mietauto am Flughafen entgegennehmen. Mama und Conny packen die restlichen Lebensmittel und bereiten das Gepäck vor. Als Stef vorfährt heisst es nur noch einladen und losfahren. Die Strassen nach Santa Marta, welches weiter nördlich liegt, sind vorwiegend gute Schnellstrassen. Die etwas grössere Stadt Barranquilla müssen wir durchfahren. Genau wie in Cartagena sind enorm viele Menschen unterwegs. Maultier mit Karren, Mopeds, Autos und Busse fahren alle auf denselben Strassen. Der Müll liegt leider auch hier überall verteilt. Umso schöner, als wir wieder auf die Schnellstrasse kommen, welche mitten durch die grünen Wälder führt. Neben den Ballungszentren durchfahren wir meist unberührte Natur. Die Strassenschilder warnen vor Ameisenbären, Leguanen, Krokodilen, Kühen und Schlangen. Leider sehen wir davon nichts. In einem kleinen Fischerdorf vertreten wir kurz die Beine. Wir schauen den Fischern bei ihren Arbeiten zu. Beobachten die Wasservögel und bestaunen die kleinen Häuser auf ihren Stelzen, welche direkt aufs Wasser gebaut sind. Eines davon ist ein Fischrestaurant. Wenn das nicht zum Mittagessen einlädt. Die leckeren, riesigen Portionen vertilgen wir nicht komplett und können den Rest noch fürs Abendessen mitnehmen. Weiter geht es durch ein kleines Dorf. Da kommen zwei Polizisten auf dem Motorrad herangedüst und fordern uns zum Anhalten auf. Sie möchten die Papiere vom Fahrer sehen und erklären uns, dass wir sämtliche Strafen zu bezahlen hätten, die es gibt. Wir seien zu schnell gefahren, hätten nicht beachtet, als sie uns heraus gewunken hätten und haben somit ihre Order missachtet. Dies koste umgerechnet gut zweihundert Schweizerfranken. Die Busse werde auf den Pass geschrieben und wenn sie bis zur Ausreise nicht bezahlt sei, können wir nicht ausreisen. Es gebe aber auch die Möglichkeit direkt fünfzig Prozent in bar zu bezahlen. Erst als wir erwähnen, dass wir dies mit der Schweizer Botschaft anschauen werden, meinen sie, sie möchten unseren Urlaub ja nicht verderben und lassen uns wieder ziehen. Auch das gehört leider zum Erlebnis Kolumbien. Die fünfstündige Autofahrt ist verflogen. Das Dorf, in welchem wir das Auto parkieren können, kommt in Sicht. Bei einem Ansässigen parkieren wir das Auto gegen eine kleine Gebühr. Hier können wir es unbesorgt stehen lassen. Die letzten Meter legen wir zu Fuss zurück. Schwer beladen mit wenigen Kleidern, viel Wasser, etwas Bier und Wein erklimmen wir den Hügel. Wir sind in der Natur angekommen. Über eine Naturstrasse geht es durch einen Fluss. Zwei Indigene Damen machen es uns vor. Barfuss geht das Ganze am besten. Der Kontrast von Cartagena zum Tayrona könnte nicht extremer sein. Es gibt kaum Häuser und Mopeds. Die Menschen gehen zu Fuss oder mit dem Pferd. Die Wälder sind üppig und man riecht die Natur. Unsere Unterkunft ist wie erwartet einfach. Die Vögel zwitschern, die Frösche quaken, der Bach rauscht. Schade nur, dass am Abend immer mal wieder der laute Kompressor läuft, um Strom zu generieren und dass die Anlage mit Flutlichtern umzingelt ist.
Am ersten Tag wandern wir zum Aussichtspunkt, welcher in etwa dreissig Minuten erreichbar ist. Eine sehr sympathische Dame, Karin, erklärt uns, dass wir entweder eine selbst geschnitzte Figur von den Indigenen Völkern kaufen können oder einen Franken bezahlen müssen, als Beitrag für die Völker und das wir den Aussichtspunkt erklimmen dürfen. Gerne kauft Mama ein kleines Andenken. Wir alle steigen zum Aussichtspunkt auf und können die atemberaubende Sicht kaum fassen. Leider ist es etwas Bewölkt, was der Aussicht über den Dschungel jedoch nur seinen mystischen Charakter verleiht. Die angebrachten Hängematten laden zum Verweilen ein und wir geniessen die Ruhe und die gute Luft.
Stef und Maria - Die Papageindame
Zurück in Karins Restaurant, La Cima, lassen wir uns an einem der zwei kleinen Tische nieder. Was für eine Oase. Hier bekommen wir ein auf dem Feuer mit frischen Kräutern zubereitetes Mahl. Wir essen tierisch gut. Nicht nur das Mahl ist aussergewöhnlich schmackhaft, auch die tierische Begleitung ist da. Maria, das Papageienweibchen möchte aus dem Teller picken. Rocky der kleine Hund, hätte gerne seinen Anteil und verscheucht als er anmarschiert die Gans, welche um den Tisch herumsteht, weil sie gerne einen Happen hätte. Beim Plaudern erzählt uns Karin, dass es die Möglichkeit gibt, mit ihr zusammen den Indigenen Stamm und deren Medizinmann, den Mamo zu besuchen. Wir sind alle hin und weg und überlegen uns gerne, ob wir dieses einmalige Angebot annehmen wollen. Fasziniert von den Erzählungen in der idyllischen Atmosphäre vergessen wir alles. Als wir kurz darauf Mamas Beine sehen, erschrecken wir. Sie sind komplett von Mosquitos zerstochen und beginnen eine allergische Reaktion zu zeigen. Zum Glück sieht Karin dies und holt eine paar Blätter des Mataraton- Baumes. Die Blätter werden in der Hand verrieben und das Öl auf die Stiche, beziehungsweise die ganzen Beine gerieben. Dies hilft, damit die Stiche einigermassen auszuhalten sind und bald etwas abklingen.
Der nächste Tag ist angebrochen. Stef und Conny gehen früh los. Eine sechsstündige Wanderung durch den Urwald steht an. Nach einer knappen Stunde kommen wir auf einen schmalen Wanderweg. Ab hier sind wir vollends im Dschungel. Die Natur wirkt entsprechend nochmals mehr. Die ersten Brüllaffen sind zu hören. Es riecht nach verschiedenen Bäumen und Blüten. Wir überqueren drei verschiedene Bäche. Von Zeit zu Zeit kommen ein paar Einheimische mit Mauleseln vorbei, um Güter ins Resort am Strand zu transportieren. Die Vegetation verändert sich mehr und mehr je tiefer wir kommen. Die Brandung ist immer deutlicher zu hören. Nach 700 Metern Abstieg sind wir am Strand. Es ist ein wunderschöner, fast menschenleerer Strand, an welchem wir eine kurze Zeit verweilen, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Auf dem Rückweg geben die Brüllaffen nochmals ihr Bestes. Wir suchen sie lange, erspähen leider im Dickicht der Bäume und Sträucher keinen. Bevor es zurück zu unserer Unterkunft geht, machen wir nochmals einen Stopp bei Karin, um uns zu verpflegen. Und siehe da. Was sitzt auf einem Baum. Ein junger Brüllaffe. Was für ein Glück. Es ist sehr selten, dass Brüllaffen gesehen werden, weil sie in der Regel in den sehr hohen Bäumen herumtollen.
Brüllaffe
Unseren letzten Tag nutzten wir, um zusammen mit Karin das Indigene Volk zu besuchen. Der Mamo persönlich nimmt sich Zeit und zeigt uns ihre Stätte. Er erklärt uns, wie sie leben und was sie beschäftigt. Sie sind sehr mit der Natur verbunden. Dankbarkeit und ein bewusster Umgang mit Ressourcen sind für sie von grösster Wichtigkeit. Es ist für uns alle sehr beeindruckend, wie sie leben. Die Zeit scheint hier stillgestanden zu sein. Wir sehen die zwei Sitzungshäuser. Im Grösseren beraten sich die Männer und führen Rituale durch. Hier brennen immer vier Feuer. Für jedes verbliebene Volk in den Sierra Nevada eines. Im Kleineren versammeln sich jeweils die Frauen, wobei der Mamo sie für Heilbehandlungen besuchen darf. Wir werden den Hügel rauf geführt, an Wohnhäusern vorbei eine steile Steintreppe hoch. Der Mamo verschwindet kurz im Busch und trifft uns bei einer klapprigen, hölzernen Maschine wieder mit einem dicken Strunk Zuckerrohr in der Hand. Die Erklärung ist einfach. Das Zuckerrohr wird zwischen die Tremmel gesteckt und durch Drehen an der grossen Kurbel wird der feine Saft ausgepresst. Wir kosten den frischen Saft. Fantastisch. Mama und Conny lassen sich vom Medizinmann behandeln. Wir gehen zu einem seiner Ritualplätze. Zuerst möchte der Mamo wissen, was unser Anliegen ist. Dann gibt es ein kurzes Reinigungsritual, da er uns, verdreckt (im Innen und Aussen), wie wir von der Stadt kommen, noch nicht behandeln kann. Nachdem wir gereinigt sind, gibt er uns von seinen Kräutern, behandelt und betet für uns. Eine sehr berührende Erfahrung.
Zurück bei seinem Haus, fragt der Mamo bei Stef an, ob er ein Bild von ihm und seiner Familie machen kann. Was für eine Ehre. Gerne lichtet Stef die Familie ab. Das Bild soll ihm später noch überbracht werden.
Die Zeit im Naturparadies neigt sich dem Ende zu. Es heisst Rucksack packen und aufbrechen. Zurück nach Cartagena.
Der Mamo mit seiner Familie

03.-07.12.2024 – Retour im Trockendock und der Stadt
Die Bootsarbeiten laufen
Der Gegensatz ist enorm. Die letzten Tage waren geprägt von Ruhe und Natur. Nun sind wir zurück in der hitzigen, lauten Stadt. Wann können wir weiter ziehen mit unserer Pagsinta? Wie geht es ihr? Etwas nervös sind wir schon. Wir holen unsere Fahrräder ab und kämpfen uns durch den Verkehr zum Trockendock. Was anfänglich noch spassig war, wird langsam zur Mühsal. Autos kriechen um Kurven. Fahren nicht an bei Grünlicht. Stehen quer zwischen zwei Spuren. Pendeln unkontrolliert vom rechten Randstein über zwei Spuren und zurück. Ohne Probleme kann man auch mal zwei Sattelschlepper überholen. Wie die fahren. Unglaublich. Nach einer halben Stunde durch die staubigen Strassen kommen wir im Trockendock an. Wir steigen die Leiter hoch zum Deck. Und sind begeistert. Zum Glück haben wir vorab alles am Vorderdeck sauber abgedeckt. Die Arbeiten kamen gut voran. Der Deckaufbau ist mit der Grundierung gespritzt. Die Roststellen auf den Seitenwegen sind vorbehandelt und am Heck haben die Vorarbeiten begonnen. Wir sind erleichtert, stellen aber fest, dass wir noch viel mehr hätten abdecken müssen. Zum Beispiel die Lucke des Niederganges. Da gespritzt wurde, ist diese voller Spritzstaub. Auch die seitlichen Holzabdeckungen im Cockpit haben etwas abbekommen. Als wir unseren Arbeiter und sein Chef darauf ansprechen, kommt die allseits lockere, kolumbianische Antwort: «Tranquillo» (locker bleiben). Ganz so locker sind wir nicht, doch sie versichern uns, sie werden alles putzen. Da sind wir mal gespannt. 
Ist das wirklich Pagsinta?

Vorsorglich machen wir uns abermals ans Abdecken. Diesmal alles. Wirklich alles! Auch im Unterdeck packen wir Alles ein, da später die Bilge geschliffen und gestrichen wird. Unser Boot ist zurzeit von Innen kaum mehr als ein solches zu erkennen, doch wir sind zufrieden. Neben den Arbeiten an der Pagsinta sind wir im Alltag angekommen. Zu Hause werden wir von der Mama verwöhnt und müssen uns um nichts kümmern. Vielen Dank für deine grosse Unterstützung, Mama! Das Schlendern durch die Altstadt und etwas shoppen soll auch nicht zu kurz kommen. Mit unseren Freunden von der Kismet und der Nola gehen wir an einem der schönsten Orte in Cartagena essen. Die offene Gartenterrasse direkt am Meerbecken lädt zum Apero und einem weiteren gelungenen Abend ein. Die Vier überreichen uns eine kleine Geschenkbox über den Tisch. Überrascht nehmen wir diese entgegen und machen uns mit Kinderaugen ans Auspacken. Es sind zwei Bilgenalarme. Wenn nur schon ein wenig Wasser in der Bilge ist, werden wir ab sofort gewarnt und auch an unsere Freunde erinnert. Ein solches Malheur, wie in Los Cristianos auf Teneriffa, sollte uns nun nicht mehr passieren. Vielen Dank! Das Wochenende nehmen wir uns abermals frei, da die Arbeiten im Cockpit im vollen Gange sind und wir nur im Weg wären. Somit erwarten wir voller Vorfreude weiteren Besuch. Manuela, die Schwester von Conny, kommt.