Unser Segelabenteuer
 

21.08.-27.08.2025 – Neiafu die Segler-Hochburg in Tonga

Vava'u
Kaum an Land sehen wir eine Eisdiele. Das lassen wir uns nicht entgehen. Aufgrund der vielen Segler in dieser Gegend und der Touristen, welche hier für Walsichtungen anreisen, gibt es zahlreiche Restaurants, Bars und Einkaufsmöglichkeiten. Wir geniessen ein Bier in der Bar und ein Abendessen im Restaurant. Wie oft, nach längerer Abgeschiedenheit, heisst es für uns alltägliche Arbeiten erledigen. Auf der neuen Inselgruppe einklarieren, Wäsche waschen, Essen einkaufen. Es macht Spass durch den lokalen Markt zu schlendern, um Frischwaren zu kaufen.
Kirche Neiafu
Unser Chinesischer Freund Zho hat auf den chinesischen Sozialen Medien mehr als eine Million Follower. Er möchte unser Boot in China vermarkten und will ein Video von unserem Boot machen, um es auf seinen Kanälen zu posten. Für uns die optimale Gelegenheit unsere Pagsinta auf Vordermann zu bringen. Wir putzen das Deck, die Hülle und den Innenbereich und räumen alles auf. Wie schön unser Zuhause wieder glänzt. Wir würden unser Boot sofort wieder kaufen. Zho macht das Video und wir vervollständigen die Ausschreibung für unsere Online-Inserate. Es gilt ernst. Pagsinta ist auf dem Verkaufsmarkt präsent. Es fühlt sich gut an.
Die restliche Zeit in Neiafu verbringen wir mit sozialen Kontakten, einem Spaziergang zum höchsten Punkt und einem sonntäglichen Kirchenbesuch. Die Kraft in den Stimmen der lokalen Bevölkerung bei den Kirchenliedern geht unter die Haut. Schön, dieses für sie sehr wichtige Ritual nun noch authentisch erlebt zu haben.

28.08.-01.09.2025 – Höhlenbesuch auf Falevai Kapa Island
Swallows Höhle
Mehrfach wurde uns die Swallows Höhle auf Falevai Kapa Island empfohlen. Unser Motor bringt uns in einer guten Stunde durch die verwinkelten Kanäle des Archipels zu einer der kleineren Inseln der Vava’u Gruppe. Wie so oft in letzter Zeit, haben wir Glück. Eine Boje ist frei. Beim Tauchen der Boje stellen wir jedoch fest, dass die Festmacherleine bei der Verbindung zur Kette stark abgenutzt ist. Da etwas stärkerer Wind angesagt ist, befestigen wir unsere eigene Leine und fühlen uns für den angesagten Wind gewappnet. Schön wieder zu Schnorcheln und Baden, auch wenn die kleinen Riffe leider komplett zerstört sind.
Die Swallows Höhle bestaunen wir im spät nachmittäglichen Licht, da die Sonne dann in die Höhle scheint. Unser Dinghy verankern wir in der Höhle. Mit Freitauchausrüstung tauchen wir in das Lichtspiel ein.
Zu Besuch bei Jan
Unser Bootsnachbar Jan lädt uns am Abend zum Sundowner ein. Beim abendlichen Apéro lernen wir auch die Crew der «Sandy Shoes» kennen. Wie so üblich tauschen wir Bootsanekdoten aus. Gemeinsam finden wir Lösungen zu diversen Problemen und plaudern über die Weiterfahrt. Wir erzählen, dass wir eventuell nach Neuseeland segeln müssen, aber gar keine Lust, nein, sogar etwas Angst vor dieser Passage haben. Oft durchsegelt man mindestens ein Tiefdruckgebiet mit starken Winden und hohen Wellen. Die Crew der «Sandy Shoes» teilt unsere Angst vor dieser Passage und deshalb haben sie beschlossen, nach Australien zu segeln. Jan lebte viele Jahre dort und antwortet darauf, dass Australien so oder so besser sei für den Bootsverkauft, da dort der Markt aufgrund der grösseren Bevölkerungszahl besser sei. Retour auf dem Boot, nehmen wir im Dunkeln die Segelbücher hervor und studieren diese Option. Genial, am nächsten Morgen sehen wir uns die Winde an und beschliessen nach Australien und nicht nach Neuseeland zu segeln, sollten wir unser Boot nicht bereits in Tonga oder Fidschi verkaufen können. Die diversen Online-Abos passen wir sogleich an.
Strandspaziergang Kapa Island
Heute spazieren wir über die Insel. Auf Google-Maps haben wir einen Strand gesehen, den wir besuchen möchten. Hier sind die Einwohner wieder viel authentischer als auf der Hauptinsel, da auf dieser Insel, ausser wenigen Seglern, kaum Touristen hinkommen. Die Schweine, Hühner und Hunde spazieren wieder frei herum. Ein kleiner Junge fragt mit grossen Augen, ob wir eventuell ein paar Stifte hätten. Leider nein, aber wir haben ein Taschenmesser dabei. Stef erklärt ihm die einzelnen Funktionen in Zeichensprache. Der Kleine lacht herzlich über die Vorführung und freut sich ungemein über dieses kleine Geschenk. «Malo» (Danke), sagt er schüchtern und zeigt seiner kleiner Schwester stolz, was er bekommen hat. Der Strand, den wir nun erreichen, gehört zu den schöneren auf unserer Reise. Rote Blätter von den Bäumen schaffen eine herbstliche Stimmung; Muscheln am Strand verteilt, weisser Sand, eine blaue Lagune mit vorgelagertem Riff. Wir haben zudem einen wunderbaren Überblick über die Inselgruppe. Die diversen Paradiese in der Südsee sind ein ums andere Mal atemberaubend.
Die starken Winde, welche angesagt sind, gehen bis zu knapp achtzig Stundenkilometer. Wir überlegen hin und her, ob wir in dieser Bucht bleiben sollen, oder in die geschütztere Bucht von Neiafu wechseln möchten.
Mit dem neuen Plan von Australien können wir nun auch Fidschi wieder ins Auge fassen. Für Neuseeland hätten wir den bessere Segelwinkel von Tonga aus gehabt. Für Australien können wir von Fidschi über Neukaledonien segeln. Die Winde im Fokus, krempeln wir unsere Pläne nochmals um. Wir segeln bereits übermorgen nach Fidschi. Falls wir nicht losgehen würden, hätten wir dann für mindestens zehn Tage kein Windfenster mehr. Zudem umgehen wir so die starken Winde, welche bei Tonga durchziehen werden.

02.09.-02.09.2025 – Kurzer Abstecher nach Neiafu
Neiafu
 Wir sehen keine freie Boje, als wir ankommen. Nicht verzweifeln, nochmals kurz das Bojenfeld umfahren. Super, da macht eine Yacht los. Wir übernehmen deren Boje. Viel zu tun haben wir nicht. Kurz bei unseren deutschen Freunden vorbeifahren und anfragen, ob sie unser restliches lokales Geld brauchen können und ob wir am Abend gemeinsam essen wollen.  Wenige frische Früchte kaufen, kleine Souvenir ergattern und Ausklarieren. Nach einem schönen Abendessen und einem Adieu-Sagen, trennen sich die Wege von unseren deutschen Freunden der «Boaty McBoatface» und uns. Sie werden nach Neuseeland segeln. Die Bekanntschaften auf unsere Reise sind immer wieder eine Bereicherung für uns. Es ist auf seine Art schön, wie immer wieder neue Menschen dazu kommen und andere wieder ihre Wege gehen.

03.09.-10.09.2025 – Rumpelfahrt nach Fidschi
Pottwal
Kurz vor dem Lösen der Leinen, aktivieren wir das Internet, um den Wind zu prüfen. Bligg, eine Mail kommt rein. Genial, wir haben einen Interessenten für unser Boot. Wir schreiben ihm, dass wir in Kürze ablegen und uns von Fidschi aus melden werden. Das Ausklarieren ist eine kleine Herausforderung. Wir müssten zum Zoll Steg fahren. Dieser ist allerdings hoch und wir hätten keine Hilfe, um unsere Pagsinta zu vertäuen. Dort anlegen, dann an den Steg klettern, um festzumachen, ist uns nicht geheuer. Mit dem Zoll können wir den Deal aushandeln, dass nur einer von uns zum Zoll muss. So machen wir am Morgen von der Boje los. Stef steigt ins Dinghy und Conny fährt mit Pagsinta zum Zoll Steg. Dort kreist sie mit Pagsinta und wartet bis Stef retour ist. In etwas Entfernung vom Steg kommt Stef retour an Board und wir nehmen den Motor vom Dinghy und das Dinghy an Deck. Perfekt es kann losgehen.
Am ersten Tag haben wir ein sanftes Einschaukeln. Der Wind ist noch gemütlich. Wir fahren gut vier Knoten. Gegen Abend sieht Conny einen Wal. Direkt neben unserem Boot taucht ein Pottwal auf. Sein Blast macht einen Regenbogen. Was für ein Abschied von Tonga.
Die nächsten zwei Tage sind anstrengend. Wir haben, wie erwartet, grosse Wellen in verhältnismässig kleinen Abständen. Dafür machen wir gut Fahrt. Spass macht uns das Segeln bei diesen Wellen aber, einmal mehr, nicht wirklich. Wir sind froh, wenn wir in die vorgelagerte Inselgruppe von Fidschi einfahren werden, da dort die Wellen brechen und wir dann eine ruhigere Fahrt haben werden. Wenigsten machen wir immer gegen fünf Knoten Fahrt. Die Einfahrt hinter die Inselgruppe von Fidschi mussten wir gut planen. Der grösste Teil ist mit Riffen umsäumt. Die Wellen bäumen sich vor dem Riff auf. Eine Welle rollt hinter dem Deck an. Sie hat eine Höhe, dass sie den Aussenboard-Motor und die Windfahne überspült, falls sie ins Deck donnert. Conny hält den Atem an, und hofft. Wenige Meter vom dem Heck bricht sie. Phu, das ist nochmals gut gegangen. Während Stef in seiner Frei-Schicht friedlich im Bett schlummert, ist Conny an Deck angespannt, bis wir hinter dem Riff sind. Geschafft. Die Wellen sind auf einen Bruchteil reduziert. Der Wind weiterhin bei zirka dreissig Knoten. Ohne Wellen rauschen wir auf unseren Wegpunkt hin. Bei Schichtwechsel können wir, wie geplant, die Halse fahren und nehmen direkten Kurs auf Savusavu, unser Ziel.
Für einmal geht es auch mit der Ankunftszeit auf. Wir fahren gegen Mittag zum Hafen. Es soll mehrere Bojen geben. Kurz vor dem Ziel funken wir den ersten Hafen an. Leider haben sie keine freie Boje mehr. Der zweite Hafen reagiert nicht. Hoffentlich finden wir eine Boje oder einen Liegeplatz. Wir fahren gemächlich ins Bojen-Feld, als uns der erste Hafen nochmals anfunkt und anfragt, wie klein wir seien. Als wir unsere zehn Meter angeben, antwortet er, dass er für uns noch eine Boje habe. Juhuuu, das läuft wie am Schnürchen. Da es am Sonntag eine zusätzliche Gebühr für die Einklarierung gibt, fragen wir an, ob die Beamten eventuell morgen an Board kommen könnten. Das geht leider nicht und hätte auch nichts gebracht. Denn am Montag ist ein Feiertag. Zuerst haben wir die Gesundheitsverantwortliche an Board, welche sicherstellt, dass wir gesund sind. Dann kommen der Zöllner und der Bio-Verantwortliche. Der Zöllner klariert wie üblich das Boot ein und der Bio-Verantwortliche stellt sicher, dass wir keine Lebensmittel an Board haben, welche für Fidschi eine Gefahr sein könnten. So dürfen weder Frischwaren, Fleisch noch Honig eingeführt werden. Unseren restlichen Honig geben wir ab. Unsere Dosen gefallen dem Beamten gar nicht. Wir haben sämtliche Etiketten entfernt und die Dosen mit Marker angeschrieben, damit wir keine Schaben-Eier an Board bringen. So kann er dessen Herkunft jedoch nicht mehr feststellen und müsste sie konfiszieren. Wir haben Glück und dürfen die zirka noch vierzig Dosen behalten.
Wir haben im kleinen Hafen eine Dusche, welche wir nutzen dürfen. Was für ein gutes Gefühl. Mit warmem Süsswasser Haut und Haare waschen. Anschliessend mit lokalem Bier auf unsere Ankunft anstossen und Abendessen gehen. Fidschi gefällt uns bereits jetzt.
Heute steht der Video-Call mit dem Interessenten für unser Boot an. Ein sehr sympathischer Inder, welcher unsere Pagsinta nach Langkawi segeln würde. Wow, das wäre wie von uns gewünscht. Pagsinta dürfte weiter segeln und dann sogar noch auf unserer geplanten Route. Der Interessent hat noch zwei andere Boote, welche er anschaut, und wird sich, sobald er eine Entscheidung getroffen hat, wieder bei uns melden. Wir haben grosse Hoffnung, müssen unsere Euphorie aber immer wieder in Zaum halten und wollen trotz des guten Gesprächs, unsere weitere Reise und nun vor allem unseren Aufenthalt in Fidschi im Fokus behalten.
Markt Savusavu
Am heutigen Dienstag haben die Ämter wieder geöffnet. Die Einklarierung am Sonntag kostet uns ein kleines Vermögen. Nun, das können wir nun nicht mehr ändern. Davon lassen wir uns die schöne Insel nicht verderben. Die Menschen sind alle sehr freundlich. Die Insel hügelig und üppig grün. Wir sind sicher, dass es uns hier gefallen wird. Beim Einklarieren treffen wir die Crew der «Sandy Shoes». Sie waren noch schneller als wir und sind bereits am Samstag angekommen. Wir gehen gemeinsam zum Zoll und zum Bio-Security-Büro und vereinbaren ein gemeinsames Abendessen für den Mittwoch. Wir schlendern durch den Markt. So viele schöne Früchte und Gemüse haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Wir kaufen ein, was wir benötigen und kehren auf unser Boot zurück. Der Tag ist schon fast wieder vorbei. Es ist unglaublich, wie die Zeit rennt. Wir sind von der Überfahrt müde und lesen noch ein wenig, bevor es für uns früh ins Bett geht.
Heute steht Wasser und Diesel bunkern und Homepage aktualisieren an. Speziell Conny ist zurzeit schon ein wenig durch den Wind. Der Bootsverkauf löst bei uns beiden viel aus. Wie wird es sein, künftig ohne Pagsinta unterwegs zu sein? Werden wir den passenden Käufer finden? Wird es uns langweilig werden, wenn wir nur noch reisen ohne denn doch immer wieder fordernden Bootsalltag? Viele Fragen, die in unseren Köpfen kreisen, welche wir erst beantworten können, sobald wir sie erleben.