Unser Segelabenteuer
 

07.01.-10.01.2025 – Einwassern

Pagsinta kommt ins Wasser
Am 07. Januar stehen wir gemeinsam um acht Uhr in der Werft. Heute soll der letzte Tag im Trockenen sein. Die Arbeiter der Marina, welche das Antifouling machen, sind bereits fleissig bei der Arbeit. Von den Deckarbeitern fehlt nach wie vor jede Spur. Endlich finden wir den einen und zeigen ihm, was noch alles zu machen sei und was heute fertigzustellen ist. Alle Farbklekse putzen, eigentlich den ganzen Holzeingang neu streichen und und und. Er schaut sich alles geduldig an und meint nur, dass er auf den Chef warten muss. Kurz vor Mittag trifft dieser ein. Einmal mehr machen wir auf die Situation aufmerksam. Viel geht nicht. Doch er hat die neuen Logos bei sich, welche er direkt selbst am Heck der Pagsinta anbringt. Dies haben wir nicht verlangt, doch schön ist es geworden. Leider stehen die Arbeiten, welche wir verlangen, immer noch still. Um viertel nach Zwei beginnen sie mit den Putzarbeiten. Wir sind in Rage und erklären, dass sie nie und nimmer fertig werden bis heute Abend. «Manãna», das ist ein Manãna zu viel für Stef. Er dreht im roten Bereich. Sagt dem Chef klar und deutlich, dass es kein Morgen mehr gibt und wendet sich ab. Conny bleibt ruhig und bestärkt die Worte von Stef mit einem fordernden Blick. Uns reicht es. Zum Glück haben wir die letzten 10% der Rechnung noch nicht bezahlt. Um diese wird jetzt im Büro gefeilscht. Der Manager und die Büroangestellten verstehen unseren Unmut und kommen unserer Forderung nach. Ein kleiner Wermutstropfen für all die verteilten Farbtupfer und verbrauchten Nerven.
Heute wird es spannend. Zuerst geht die Pagsinta in die Gurten, damit das Antifouling fertiggemacht werden kann. Nach der sauberen Arbeit sind wir so weit. Pagsinta kommt ins Wasser. Immer ein grosser Moment. Sind alle Borddurchlässe noch dicht? Alles ist dicht. Wir schwimmen seit zweieinhalb Monaten wieder. Was für ein gutes Gefühl. Über Nacht bleiben wir an der Einwasserungsstelle vertäut und lassen uns endlich wieder sanft in den Schlaf schaukeln.
Frühmorgens wollen wir los, Richtung Ankerplatz vor Cartagena. Der Motor läuft. Der Gang wird eingelegt. Nichts geht. Wir haben keinen Vorwärtsschub. Rückwärts geht auch nichts. Schnell wieder festgemacht und nach dem Fehler gesucht. Die komplette Hundekoje wird ausgeräumt, um das Getriebe und die Welle zu sehen. Wir starten erneut. Nichts dreht sich. Mittlerweile kommen bereits die Marina Mitarbeiter, wir müssen den Platz freigeben. Sie wollen die ersten Boote aus dem Wasser hieven. Mit den Leinen ziehen sie uns nach vorne und machen uns an einem vertäuten Boot fest. Nach einer Stunde haben wir das ausgehängte Kabel gefunden. Eingehängt. Alles läuft wieder wie es soll und wir tuckern zum Ankerplatz. Noch lange vor Mittag greift der Anker. Somit haben wir noch viel Zeit für den letzten Grosseinkauf in Kolumbien. Wir schlendern durch das Viertel Manga. Auf dem Weg zum Einkaufzentrum finden wir eine herzige Bar, die zum Verweilen einlädt. Wir haben keinen Stress mehr und setzten uns an einen Tisch. Weiter im Einkaufszentrum geht unser Gang zuerst in den Bau und Hobby Markt. Wir entdecken unteranderem das Starlink Mini zu einem unschlagbaren Preis. Schon des Öfteren haben wir uns dieses Satelliten Gerät angeschaut, da es auf dem Pazifik ein grosser Sicherheitsfaktor sein kann, wenn wir jederzeit das genaue Wetter herunterladen können. Kurzerhand entschliessen wir uns für den Kauf und packen das neue Gerät ein.
Der letzte Tag in Cartagena. Diesen geniessen wir nochmals richtig losgelöst. Wir schlendern durch die schöne Altstadt. Genehmigen uns ein Kaffee in unserem Lieblingskaffee. Schmökern noch einmal in der schönen Bücherei. Kaufen die letzten Souvenirs und schliessen unsere Runde mit einem superleckeren Gelato aus der italienischen Diele ab. Zum Abendessen sind wir bei unserem schweizer Nachbarn eingeladen. Es gibt (für jeden) ein Schweinefilet auf dem Grill mit frisch zubereiteter Pfeffersauce und genialen hausgemachten Spätzle. Wir schlemmern wie die Fürsten. Doch spät wird es für uns nicht. Morgen geht es nach drei Monaten Columbien nach Panama.

11.01.-14.01.2025 – Die Überfahrt nach Colon, Panama
Colon, Panama wir kommen
Die Freude ist gross, als wir den Anker bergen. Wir sind frei. Das Wetter ist vielversprechend. Mit etwas Pech bekommen wir einige Tropfen Regen ab, doch der Wind ist konstant und die Wellen maximal zweieinhalb Meter. Unter Motor fahren wir aus dem brackigen Wasser von Cartagena. Bald schon hiessen wir das Vorsegel, stellen unseren Windpiloten ein und geniessen die rasante Fahrt. Noch ist das Wasser grünlich, schlammig doch bereits begleiten uns einige Delfine. Kurz darauf sehen wir die klare Grenze des schlammigen Wassers. Die Grenze von schlammgrün zu marineblau ist mit einem Schaumkrönchen gekennzeichnet. Wir sind auf dem offenen, blauen Meer zurück. Sogleich gesellen sich noch einmal Delfine zu uns und wir gleiten in die erste Nacht.
Mit fünf Knoten Fahrt kommen wir gut voran. Eigentlich fast zu gut. Wenn wir so weiter segeln, müssen wir abbremsen, weil wir nicht in der Nacht in die Marina einlaufen wollen. Dies übernimmt ganz natürlich die Gegenströmung für uns. Fahren wir noch fünf bis sechs Knoten durchs Wasser, machen wir effektiv nur knappe drei Knoten über Grund. Für einmal gut für uns. So kommen wir zum Sonnenaufgang ins Breakwater vom Panamakanal. Wir zählen sechzehn grosse Containerschiffe vor Anker. Alle warten für ihre Durchfahrt. Wir wollen erstmal noch nicht durch den Kanal, sondern wollen uns nur in Panama anmelden und unseren Agenten für die Durchfahrt treffen. Die zwei Meter Wellen tragen uns aufs Nadelöhr der riesigen Wellenbrecher zu. Nach der Erlaubnis der Schiffsfahrtkontrolle, schwanken wir durch diese Enge Passage und finden uns in ruhigerem Wasser vor der Marina Shelter Bay wieder. Diese Empfängt uns auf Funkkanal 74 und weisst uns unser Dock zu. Da wir nur ein Meter vierzig Tief sind, kommen wir an den letzten Ponton. Es ist so ruhig hier. Nach der lärmigen Stadt Cartagena ist dies eine Wohltat.

14.01.-16.01.2025 – Shelter Bay Marina
Die Registrierung in der Marina ist schnell vollbracht und wir fahren mit dem Bus nach Colon, um uns im Land anzumelden. Der Bus fährt über eine riesige Brücke und wir erhaschen zum ersten Mal die Schleusen, des Panamakanals. Ein grosses Glückgefühl doch auch etwas Nervosität überkommt uns. Wir sind an einem Grossen Etappenziel angekommen.
Shelter Bay Marina
Am Morgen erwachen wir mit Vogelgezwitscher und aus der Ferne hören wir das Brüllen der Brüllaffen. Genial. Wiederum machen wir uns mit dem Bus auf nach Colon. Diesmal ist der Supermarkt unser Ziel und dieser hat es in sich. Waren wir noch in Kolumbien erfreut über den Supermarkt, merken wir hier, was es noch alles an Lebensmitteln gibt. Wir kaufen gross ein. Es gibt sogar Emmi- Joghurt (ein schweizer Produkt). Für die kommenden drei bis vier Wochen auf den abgeschiedenen San Blas Inseln, füllen wir unsere beiden Einkaufswagen randvoll.
In der Marina installieren wir unser neues Starlink und lösen das Abo bereits für die San Blas Inseln. So einfach und schnell installiert und wir haben Highspeed Internet an jedem beliebigen Punkt auf dem Planeten. Nicht schlecht. Am Nachmittag bekommen wir endlich Besuch von unserem Agenten für die wichtige Panamakanal Durchfahrt. Wir können den Termin auf den 18. Februar fixieren. Wir sind aus dem Häuschen. Wow, es geht bald in den Pazifik. Für die Durchfahrt benötigen wir vier Helfer. Schon länger haben sich vier Freunde von uns dafür bereit erklärt und kommen uns bald besuchen. Für diese bereiten wir allen Informationen vor, damit sie endlich den Flug buchen können. Thomas und Claudine werden noch auf den San Blas Inseln zu uns stossen. Evy und Thomas kommen kurz vor der Durchquerung und bleiben noch etwas länger. Dies muss alles geplant werden, was bekanntlich mit einem Boot nicht immer einfach ist. Doch sind wir guter Dinge, das alles so kommt wie wir uns das Wünschen.

17.01.-21.01.2025 – Auf zu den San Blas Inseln, nach Guna Yala
Die einsame Bucht bei Portobello
Mit dem Wecker, doch ausgeschlafen, stehen wir auf. Konsultieren das Wetter und machen uns auf zum paradiesischen San Blas Archipel. Der Wind kommt unmittelbar von vorne, direkt auf die Nase. Wir könnten aufkreuzen, doch hätten wir für die rund 100 Seemeilen sehr lange. Zumal auch die Wellen mit zwei Meter Höhe gegen uns prallen. Für einmal geht es mit dem Motor viel leichter und wir kämpfen mit fünf Konten Fahrt gegen Wind und Wellen. Vor Portobello gibt es eine kleine Bucht. Diese steuern wir an, um die Nacht zu verbringen. Anker hält mitten in der Bucht. Wir sind das einzige Boot. Um uns herum ein paar Häuser. Unteranderem eine Tauchschule und ein Restaurant. Wir beschliessen hier gleich für zwei Nächte zu bleiben. Im Sonnenuntergang kommen vier Delfine in die Bucht und tummeln sich nahe der Pagsinta. Für solche Momente machen wir diese Reise.
An unserem «freien» Tag wollen wir die Tauchplätze ums Eck auskundschaften. Vorerst nur mit der ABC- Ausrüstung machen wir unser Dinghy an einer Tauchboje fest. Doch schon von der Oberfläche wird klar, dass wird eher nichts. Wir springen ins Wasser. Das erste Mal seit Aruba (Oktober) sind wir wieder in unserem Element. Die Sicht könnte nicht viel schlechter sein und erinnert an die heimischen Seen im Sommer. Tauchen wird hier nichts. Egal. Wir geniessen die Abkühlung. Am Abend gehen wir in das nahegelegene Restaurant.
Die Weiterfahrt ist genauso ruppig wie zuvor. Wind und Wellen von vorne. Wenigstens ist die Strömung mit uns. Wir kämpfen uns zur ersten möglichen Ankerbucht. Segeln vorbei und nach weiteren drei Stunden erkunden wir die zweite. Diese ist nicht gut geschützt und ziemlich rollig, darum beschliessen wir, nochmals eine Bucht weiter zu segeln. Eine schmale Einfahrt durch das Riff erwartet uns. Hinter dem Riff eine tiefe, schmale Bucht. Apropos tief. Die Bucht geht nicht nur tief ins Landesinnere, sondern ist auch nicht sonderlich tief. Unser Tiefenmeter zeigt knappe 1,1 Meter. War das eben bereits eine Grundberührung? Es wird wieder etwas Tiefer (1,5 Meter) und wir werfen den Anker. Die Nacht ist ruhig, doch umgeben von Mangroven fühlen sich Mücken sehr wohl und finden uns in Kürze. Die Nacht wird zur Qual. Am Morgen sind wir beide am ganzen Körper zerstochen. Nur noch weg hier! Bei der Ausfahrt loten wir noch einen Meter. Es ist deutlich spürbar, dass unser Kiel durch den Schlamm pflügt. Zum Glück nur kurz und wir preschen gegen die Brandungswellen aufs offene Meer. Nur zwei Stunden später sind wir in der Inselwelt von Guna Yala, dem San Blas Archipel. Genau um zwölf Uhr hält der Anker vor El Porvenir, der Insel, auf welcher wir uns Anmelden können. Ankertauchen, Mittagessen, Landgang, Anmeldung. Bei der Anmeldung werden wir herzlich mit einem freundlichen Lächeln begrüsst und geduldig darauf aufmerksam gemacht, dass wir hier nicht in San Blas, sondern in Guna Yala sind. Die Guna sind ein Indigenes Volk, welche von den spanischen Eroberern aus den Bergen vertrieben worden sind und sich im Archipel eine neue Existenz aufgebaut haben. Seit der Revolution 1925 ist Guna Yala eigenständig und sehr stolz auf das, was sie über die vielen Jahre erhalten haben. Zurecht. Ein Volk das immer noch in Einklang mit der Natur lebt. Den Tourismus in die Schranken weisst und doch jeden Fremden herzlich und mit offenen Armen empfängt.

Cayos Chichime

Am nächsten Morgen machen wir uns auf, zur nahegelegenen Inselgruppe Cayos Chichime. Wir haben uns mit dem schweizer Boot Fantasia verabredet. Wir fahren in die geschützte Bucht zwischen zwei Inseln geradewegs auf die Kismet zu. Was für eine grossartige Überraschung! Wir Anker hier in zwölf Meter tiefe. Noch nie zuvor lag unser Anker so tief. Ganz wohl ist es Stef nicht. Er zieht den Anker wieder hoch. Ein Kraftakt sondergleichen aus dieser Tiefe. Wir suchen einen besseren Punkt. Doch weniger als zwölf Meter werden es nicht. Wir werfen abermals den Anker. Er hält nicht. Stef muss erneut all seine Kräfte mobilisieren, um den Anker wieder von dieser Tiefe zu bergen. Der dritte Versuch steht an. Conny versucht die Pagsinta ruhig im Wind zu halten. Es fordert viel Fingerspitzengefühl und ein ruhiges Manövrieren des Bootes. Zusammen schaffen wir es beim dritten Mal den Anker einzugraben. Zur Sicherheit taucht Conny ab, um den Anker zu kontrollieren und allenfalls noch etwas einzugraben. Als sie auftaucht, sitzt bereits die Kismet Crew an Bord. Ein freudiges Wiedersehen. Kurz darauf kommt die Fantasia Crew mit ihrem Dinghy angerauscht. Wunderschön wie wir hier sogleich von Freunden begrüsst werden. Wir verabreden uns zum gemeinsamen Abendessen. Es gibt Rösti auf der Fantasia. Alle steuern etwas dazu bei und es gibt ein Festmahl und einen ersten, wunderschönen Abend in Guna Yala. Wir sind in einem unglaublichen Inselparadies angekommen.