Unser Segelabenteuer
 

 13.02.-17.02.25 – Tage des Hoffens

Ausgebautes Stevenrohr und Welle

Die Tage im Trockendock sind harzig. Jassir, der Spezialist, welcher unser Stevenrohr ausbauen soll, hat sich das Boot kurz von aussen angesehen. Doch das Rohr wird auch am nächsten Tag noch nicht ausgebaut. Solange es nicht ausgebaut ist, sehen wir nicht, wie es im Innern aussieht und was alles geflickt werden müsste. Unsere Stimmung ist nach wie vor auf dem Tiefpunkt. Wir wissen nicht, ob wir je wieder Vertrauen in unsere Pagsinta schöpfen können. Wollen wir weiterhin so viele Nerven und Geld in unser Boot investieren? Ein Bier im Grünen hilft. Wir überdenken all unsere Optionen. Zum Beispiel könnten wir in Panama das Boot verkaufen, nach Asien fliegen und dort eine Weile reisen und tauchen. Ohne unser Boot reizt uns das allerdings wenig. Wir könnten unser Boot verkaufen und zurück in die Schweiz reisen. Eventuell gäbe es zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit, wieder ein Boot zu kaufen. Hm, auch dies ist nicht wirklich eine Option für uns. Unser Boot ist perfekt zum Segeln und Tauchen in der Südsee ausgerüstet. Mit einem neuen Boot, so perfekt auf uns ausgerichtet, müssten wir erneut von Europa los. Wer weiss was uns in einem zweiten Versuch alles erwarten wird. Der Traum der Südsee und von Südostasien ist weiterhin sehr gross. Die Entscheidung ist einmal mehr gefallen. Es soll weitergehen. Wir können damit leben, es versucht zu haben, unserem Traum zu folgen und das Ziel nicht zu erreichen. Wir können aber nicht damit leben, es nicht versucht zu haben. Am 14. Februar treffen unsere Freunde von der Kismet ein. Sie sind in der Marina, weil sie einem anderen Schweizer Boot durch den Panama Kanal geholfen haben. Sie schwärmen und zünden in uns den Funken wieder. Wir sind Feuer und Flamme, um weiterzumachen. Am Valentinstag grillieren wir ein gutes Stück Fleisch und feiern unser erneutes Wiedersehen. Nicht nur das Wiedersehen mit der Kismet gilt es zu feiern, nein vor vier Jahren haben wir uns wieder gefunden. Am 15. Februar wird das Stevenrohr, nachdem wir in der Marina Druck gemacht haben, endlich ausgebaut. Wir haben Glück im Unglück. Das Rohr selbst hat keine Schäden, auch der Stevenrohr- Kasten sieht sehr gut aus. Wir brauchen aber ein neues Wellenlager. Dieses ist Innen metrisch und aussen in Inch, somit nicht ganz einfach zu bekommen in diesen Breitengraden. Wenigstens wird die Reparatur selbst keine eine grosse Geschichte.Heute Morgen findet ein Vortrag über die Südsee statt. Wir erfahren von Seglern, welche seit langer Zeit in der Umgebung von Tahiti segeln und leben, wie unglaublich schön, es dort sei. Sie erzählen nicht nur von hunderten von Haien, Mantas und Walfischen, sondern auch von atemberaubender Natur über Wasser, sehr herzlichen Menschen und einsamen Ankerbuchten. Erklären viel über alle Begebenheiten und wie man Französisch- Polynesien unbeschwert besegeln kann. Unsere Entscheidung wird nochmals mit schönen Bildern und Erzählungen untermalt. Südsee wir kommen, nur wann? Thöme und Claudine treffen im Anschluss an den Vortrag in der Marina ein. Sie haben die Tage in San Blas und Panama genossen. Freuen sich nun auf weitere gemeinsame Momente und hoffen, dass es mit der Durchfahrt noch funktioniert. Wir sind leider nicht sehr optimistisch, dass wir zusammen durch den Kanal können. Sehr schade, haben wir doch diesen Termin zusammen geplant.

Pelikane

Stef und Thöme bestaunen den Nasenbären

Die nahe Umgebung der Marina hat viel zu bieten. Der Spaziergang durch den Dschungel direkt um die Ecke ist sagenhaft. Wir sehen Brüllaffen, Kapuzineraffen, grosse Krebse und Nasenbären. Ausserdem beobachten wir die fleissigen Ameisen bei ihrem nie endenden Werk. Gemäss der Wander-App Komoot soll es einen Weg zu einem schönen Strand geben. Nachdem wir den verlassenen Militärstützpunkt mit seinen Fledermäusen begutachtet haben, geht es weiter auf weglosem Gelände. Wir versuchen dort und da zum Meer zu gelangen. Der Dschungel wird immer dichter und der Untergrund feuchter. Wir befinden uns in der Moorlandschaft der Mangroven nahe am Meer, finden aber keinen begehbaren Weg zu dem angeblichen Strand. Auch nicht schlimm. Es war fantastisch durch das Dickicht zu pfaden. Zurück im Hafen geniessen wir ein kühles Bier, veranstalten am Abend nochmals ein kleines BBQ zusammen und hoffen weiter, dass unsere Pagsinta bald fit ist. Am 17. Februar treffen Thomas und Evy ein, weiterer Besuch aus der Schweiz. Auch sie hoffen mit uns den Panamakanal zu passieren. Alle sind etwas betrübt, da jetzt klar ist, dass wir den Kanal nicht mehr gemeinsam durchfahren können. Unser Wellenlager braucht sage und schreibe zehn Tage, bis es hier ist. Wir versuchen für Claudine und Thöme noch eine Durchfahrt mit einem anderen Boot zu organisieren. Leider ist es zeitlich zu knapp.

18.02.-27.02.25 – Zeit Panama an Land zu erkunden  

 

Gemeinsamer Abend in Panama
Gemeinsam reisen wir am 18. Februar nach Panama. Claudine und Thöme bleiben noch zwei Tage. Mit Evy und Thomas werden wir ein Auto mieten und das Landesinnere erkunden. Zuerst machen wir alle zusammen Panama City unsicher. Die Stadt ist geprägt von modernen Hochhäusern, viel Banken und wenigen Läden, welche nicht gross zum Shoppen anregen. Die Altstadt erinnert an Cartagena. Die kleinen, bunten Häuser im kolonialen Stil laden zum Schlendern und Verweilen ein. Um die Ecke befindet sich der Fischmarkt mit seinen vielen kleinen Restaurants. Der Duft von Meer und Fisch ist gewöhnungsbedürftig. Das Flair und Gewusel einzigartig. Wir trinken das eine oder andere Bier. Das Panama-Kanal-Museum lassen wir uns selbstverständlich nicht entgehen. Das Abenteuer beginnt bereits beim Eingang. In einem der kleinen Handelswaren- Laden an der Meerespromenade besorgten wir uns endlich eine Machete, um künftige Kokosnüsse zu knacken. Die Sicherheitskräfte am Museumseingang sind etwas irritiert, über unsere «kleine» Waffe. Wir erzählen ihnen unsere Geschichte und sie lassen uns die Machete mit einem Lächeln bei der Kasse deponieren. Leider ist das Museum sehr ernüchternd. Die ganze Geschichte des Kanals ist mit Bildern und viel Text toll erklärt. Es fehlt jedoch sämtlicher Hintergrund über die praktischen Abläufe im Kanal. Über die Technik der Schleusen erfahren wir nichts und auch über den Bau ist wenig zu lesen. Ziemlich enttäuscht schnappen wir unsere Machete und geniessen ein gemeinsames Abendessen beim Fischmarkt. Der Seafood könnte nicht frischer sein und das Bier (1.50$) nicht günstiger. Zu sechst schlendern wir der schönen Promenade entlang. Geniessen die prächtige Skyline der Stadt. Hier müssen wir leider Abschiednehmen von Claudine und Thöme. Sie fliegen morgen zurück in die Schweiz. Vielen Dank, dass ihr uns besucht habt!

Es regnet in Strömen

Mit Evy und Thomas suchen wir unser Mietauto für die geplante Erkundung vom Landesinneren. Am Flughafen erfahren wir, dass das reservierte Auto nicht verfügbar ist. Nachdem wir alle Vermieter am Flughafen nochmals angefragt haben, finden wir endlich eines und begeben uns auf die Strasse und nehmen die knapp zweistündige Fahrt zum El Valle de Anton in Angriff. Es schüttet in Strömen. Von der Umgebung sehen wir nur wenig. Das El Valle de Anton ist eine sehr spezielle Umgebung und hat eine eigene Klimazone. Das Dorf wurde in den Krater eines Vulkanes auf ca. 600 M. ü. M. gebaut. Schon die Fahrt in den Krater ist ein einmaliges Erlebnis. Das erste Hostel, das wir besichtigen, überzeugt bereits. Wir quartieren uns in den Zimmern ein, gehen Einkaufen und geniessen einen Apéro im Pool. Die diversen Aussenküchen laden zum Kochen, Grillieren und Jassen ein. Wir fühlen uns wie zu Hause. Am nächsten Tag fahren wir ein paar Minuten, um eine kleine Wanderung zu den quadratischen Bäumen zu machen. Das Mikroklima im El Valle ist allerdings sehr speziell. Es windet und regnet, sodass wir die Wanderung ohne Regenschutz nicht angehen möchten. Zurück ins Dorf, Regenschutz kaufen und zweiter Versuch. Auf einer kleinen Rundwanderung erleben wir die Flora und Fauna von dieser speziellen Umgebung. Aufgrund der grossen Feuchtigkeit ist alles sehr grün und lebendig. Unseren Regenschutz haben wir zum Glück nicht gebraucht. Retour im Dorf, schlendern wir durch den Markt und den Dorfkern. Uns gefällt es hier so gut, dass wir beschliessen ein paar Tage zu bleiben. An einem Tag fahren wir eine knappe Stunde ans Meer. 

Schirmlidrink am Meer

Wir schlürfen den besten Schirmlidrink. Den Piña Colada gibt es aus einer frischen Ananas. Und endlich schwimmen wir das erste Mal im Pazifik. Es macht Spass mit den langen, gemächlichen Wellen zu spielen. Den letzten Tag im El Valle verbringen wir mit einer Kraterwanderung. Es geht steil den Kraterrand hoch, an mehreren, kleinen Wasserfällen vorbei. Eine Hündin gesellt sich zu uns und weicht nicht mehr von unserer Seite. Wir nennen sie Daisy und geniessen den Spaziergang mit ihr. Auf dem Kraterrand blicken wir über die ganze Kulisse. Ein atemberaubender Blick. Auf der einen Seite sehen wir in den Krater und auf das Dorf El Valle de Anton. Auf die andere Seite wandert der Blick durch Nadelwälder und Hügel. Es erinnert uns etwas an die ferne Heimat, nur der Pazifik im Hintergrund lässt uns von unserer Weiterfahrt träumen. Nach knapp vier Stunden sind wir zurück und runden den perfekten Wandertag mit einer leckeren Holzofen Pizza beim Italiener ab.
Für die nächsten drei Tage wechseln wir die Unterkunft in ein sagenhaftes Apartment in einem modernen Komplex direkt am Strand. Vom Balkon und Schlafzimmer aus schweift der Blick übers Meer und wir hören die Wellen rauschen. Die Poollandschaft lädt ebenfalls zum Verweilen ein. Entsprechend geniessen wir zwei Tage baden, Sein, Jassen, gut Essen und feiern den Geburtstag von Thomas. Die schönen Gespräche sind für uns alle das Wertvollste. Es ist ein riesiges Geschenk, so viel Zeit zusammen verbringen zu dürfen. Schade, dass es nun bereits retour nach Panama geht. Evy und Thomas kehren zurück in ihr Hotel in der Stadt, wir in die Marina.

Rand vom Vulkan-Krater - El Valle de Anton

28.02.-03.03.25 – Panama City zum Zweiten
Abendessen beim Fish Market
Leider müssen wir erfahren, dass unser Ersatzteil noch immer nicht eingetroffen ist. Es soll allerdings übermorgen ankommen und dann direkt verbaut werden. Da nun aber Karnevalwoche ist, passiert sonst nicht viel. Der nächste Termin, um Pagsinta wieder einzuwassern ist erst am 05. März. Uns fällt regelrecht die Decke auf den Kopf. Pagsinta ist enorm verstellt, die ganze Hundekoje (unser Lagerraum für sämtliche Segel, Kompressor und und und) ist ausgeräumt. Auf dem Boot sind tagsüber fünfzig Grad und am Abend stechen die kleinen Mücken wie wild. Wir entscheiden uns, nochmals zwei Tage in Panama City mit Evy und Thomas zu verbringen und den Karneval zu geniessen. Es folgen zwei Tage mit Karneval, welcher leider weit mickriger ausfällt als erhofft. Es gibt zwar zig Essens- und Bierstände, viel laute Musik, aber keine bunten Umzüge. Wir verbringen die Zeit entsprechend mit einem Shoppingtag in der Mall. Es gibt neue Badehosen, Flip-Flops und Wassershirts. Vermutlich für die nächsten eineinhalb Jahre die letzte Gelegenheit, solche Artikel zu vernünftigen Preisen zu kaufen. Am zweiten Abend gibt es nochmals frischen Seafood und viel Jassen. Den Gang an den Karneval sparen wir uns, da es wieder keine Kostüme haben wird. Uns ist wichtig, die letzten wertvollen Stunden mit unseren Freunden nochmals voll auszukosten. Die schöne Zeit mit Evy und Thomas geht hier zu Ende. Schön habt ihr uns Besucht!

04.03.-06.03.25 – Ab ins Wasser
Rio Chagres
Unser Ersatzteil ist angekommen. Am Karnevalmontag und -dienstag ist allerdings, wie vermutet nichts passiert. Verständlich, dass auch die Mitarbeiter des Trockendocks einmal ein paar freie Tage benötigen. Sie arbeiten meist die ganze Woche, inklusive Sonntag, durch. Unser Ersatzteil ist bereit und wird eingebaut. Alles passt. Nun muss nur noch die Dichtmasse trockenen, weshalb wir unseren Termin auf den 06. März schieben. Ebenfalls werden die Simmerringe (Abdichtungsringe) ersetzt, was uns sehr lieb ist. So sind sämtliche Verschleissmaterialien neu und wir, hoffentlich für die nächsten eineinhalb Jahre, gerüstet.
Der grosse Tag steht an. Pagsinta kommt heute ins Wasser. Wir sind supernervös, ob auch wirklich alles dicht ist. Wir haben den letzten Termin und kommen kurz vor vier Uhr abends ins Wasser. Bei der Probefahrt zusammen mit Jassir, unserem Mechaniker, haben wir zuerst noch ganz wenig Wasser im Boot, als wir rückwärtsfahren. Nachdem zwei Schellen nachgezogen sind, ist das Boot dicht. Was für eine Freude. Wir fahren zurück in die Marina, waschen das Boot vom ganzen Staub im Trockendock und geniessen die Nacht im kühlen Wasser.