Unser Segelabenteuer
 

 20.03.25 – Panama-Kanal

Vor den ersten Schleusen
02:30 Uhr der Wecker klingelt. Heute geht es durch den Panamakanal. Die letzten Vorbereitungen am Boot sind getroffen. 03:15 Uhr unsere Leinenhelfer von der Nola treffen ein. 03:30 Uhr wir fahren bei Mondschein und Sternen aus der Marina. Wir kreisen vor der Marina und warten auf unseren Advisor, welcher uns durch den Panamakanal lotsen wird. Statt um 04:00 Uhr, kommt er erst um 04:45 aufs Boot. Mit einem geübten Satz springt er vom Pilotboot zu uns an Bord. Lorenz weisst uns den Weg in Richtung der ersten Schleusen. Vor Sonnenaufgang sind wir vor den Schleusen. Unsere zwei Buddy-Boote, welche mit uns in den Schleusen sein werden, sind bereits zusammengebunden. Wir fahren behutsam an die Seite vom riesigen Katamaran, werfen unsere Leinen und binden uns mit der “My Arrow” zusammen. Er hat zwei starke Motoren und fährt das ganze Packet in die erste Schleuse. Bereits ist ein Frachter in der Schleuse vertäut. Hinter ihm wirken wir wie kleine Spielzeugboote. Die Schleusentüren schliessen sich. Wir erhaschen den letzten Blick des Atlantiks. Bye bye Atlantik. 
Lokomotive stabilisiert Frachter

Vom Land aus werden uns dünne Leinen zugeworfen. Damit sie gut geworfen werden können, sind sie mit einer Affenfaust versehen, welche als zusätzliches Gewicht Metall enthält. Alle sind auf Obacht, um diese nicht an den Kopf zu bekommen. Die Leinen landen mit einem Klonk an Bord und unsere Leinenhelfer binden die dicken Festmacherleinen, welche bei uns an Bord sind, fest. Die dicken Leinen, werden von den Leinenführern an Land, herübergezogen und an den grossen Klampen befestigt. Wir sind bereit. Innert weniger Minuten läuft die Schleuse mit Wasser voll. Wir werden neun Meter angehoben. Während dem Aufstieg ziehen die Leinenhelfer die dicken Leinen nach und halten unser Segelboot-Packet in der Mitte der Schleuse. Die Tore öffnen sich und wir fahren in die zweite Schleuse. Dasselbe Spiel nochmals. Nachdem wir durch die dritte Schleuse sind, und sage und schreibe sechsundzwanzig Meter angehoben wurden, geht das Tor auf und der Katamaran fährt uns in den Gatun See. 

Ausfahrt Gatun See

Es sind zirka neunzig Minuten vergangen. Die Sonne ist aufgegangen. Unser Boots-Packet wird aufgelöst, sodass alle drei Segelboote autonom durch den See fahren können. Wir treten die fünfstündige Fahrt durch den See an. Als erstes bereitet Conny für die ganze Besatzung ein leckeres Frühstück vor, während Stef weiterhin an der Pinne steht. Unter Motor düsen wir mit sechs Knoten durch den See. Dank unserer Geschwindigkeit werden wir gegen Mittag bei den Schleusen vor dem Pazifik sein und noch heute den stillen Ocean erreichen. Die fünf Stunden vergehen wie im Flug. Pünktlich erreichen wir die Schleusen des Pazifiks. Die zwei anderen Boote sind bereits hier und zusammen gebunden. Abermals fahren wir behutsam den Katamaran an. Dieses Mal haben wir allerdings fünfzehn Knoten Wind von hinten. Das Anlegemanöver verläuft dadurch nicht mehr so reibungslos wie beim ersten Mal. Die beiden Boote driften am Heck auseinander und unser Anker kratzt die “My Arrow” leicht. Der Kapitän vom Katamaran meint nur, dass beide das Manöver nicht optimal gefahren sind und der Kratzer nicht so schlimm sei. In der ersten Schleuse warten wir auf den Frachter. Zeit, um kurz das Mittagessen einzunehmen. Conny war schön nervös. Unsere Leinenhelfer sind vegetarisch und gemäss unserem Agenten, sei der Lotse etwas heikel und wolle zum Mittagessen Fleisch. Glücklicherweise lobt auch Lorenz das Gemüse-Curry in höchsten Tönen. Der Frachter ist eingetroffen. Das Wasser wird abgelassen. Für die Leinenhelfer ist es beim Ablassen einfacher, sie können beim Absenken immer etwas Leine nachgeben. Von der ersten zur zweiten Schleuse sind es knapp einen Kilometer Fahrt. Im Paket fährt uns die “My Arrow” viel zu schnell Richtung Schleuse. Es schaukelt ordentlich. Wir bewegen uns im Packet unkontrolliert auf und ab. Da knacken unsere Relings Stützen. Wir fordern den Katamaran auf, seine Geschwindigkeit zu drosseln und platzieren die Fender um, damit der Katamaran nicht mehr gegen unsere Reling drückt. Die Stützen haben zwar etwas geknackt, passiert ist aber nichts. Langsamer und ruhiger gleiten wir im Packet zu den zwei letzten Schleusen. Als sich das letzte Tor öffnet, können wir es kaum fassen. Wir sind im Pazifik. Unglaublich! Die Gefühle sind überwältigend. 

Das Tor zum Pazifik öffnet sich

Das Bootpacket wird aufgelöst und die letzten Meilen durch den Kanal geniessen wir allein mit langsamen 3 Knoten Fahrt. Kurz vor dem offenen Meer, kommt bereits ein kleines Boot angerauscht und holt die grossen, gemieteten Fender und Leinen ab. Superpraktisch. Schnell erledigt. Unser Boot ist bereits wieder ein wenig geräumiger. Auch Lorenz, unser Lotse wird hier abgeholt. Schön wieder selbst das Kommando über unser Schiff zu haben. Es war sehr speziell, die Verantwortung für das Schiff zu haben, bei den Manövern aber auf das Kommando vom Lotsen hören zu müssen. Speziell, weil seine Art der Leinenführung für uns oft nicht sehr sinnvoll erschien. 17:00 Uhr, der Anker hält in der Bucht vor Panama City. Wir geniessen ein Ankerbier mit Sebastian, Yvonne und Nathalie, unseren Leinenhelfern. 

Danke liebe Leinenhelfer

Wir sind über ihr Anpacken super dankbar und haben die Fahrt mit ihnen sehr genossen. Nun fährt Stef die drei an Land. Wir haben unser Boot wieder für uns. Geniessen noch den Sonnenuntergang, essen etwas Kleines und fallen hundemüde ins Bett.


21.03.-27.03.25 – Vorbereitung für die Pazifiküberquerung  
Wir schlafen aus. Das Adrenalin ist abgeklungen und wir sind ziemlich gerädert. Heute machen wir, ausser Agenten für Französisch-Polynesien anfragen, nicht viel. Die nächsten zwei Tage verbringen wir mit Grosseinkäufen. Wir haben bereits in Kolumbien und in der Shelter Bay Marina einiges an Proviant gekauft. Trotzdem benötigen wir nochmals zwei Tage, um die restlichen Lebensmittel einzukaufen. Die Dame an der Kasse hat noch nie einen so grossen Einkauf gesehen. Sie ruft ihrem Kollegen und zeigt ihm, die Rechnung. Wir haben mit diesem Betrag gerechnet. Der ganze Proviant sollte für die nächsten sechs Monate reichen. Auch der Taxi-Fahrer versteht die Welt nicht mehr, als er die ganzen Taschen sieht, welche wir ins Auto packen möchten. Er meint nur, diese Fahrt werde er vermutlich nie vergessen. Wir benötigen mehrere Fahrten mit dem Dinghy, um sämtliche Lebensmittel an Board zu schaffen. Am Folgetag steht nochmals ein, zum Glück etwas kleinerer, Einkauf an. Hoffentlich haben wir an alles gedacht. Doch wo sollen wir all das verstauen? Einige der Lebensmittel stehen im Salon. Nach dem dritten Tag haben wir für alles irgendwo einen Platz gefunden. Hoffentlich finden wir auch alles wieder? In der Zwischenzeit konnten wir den Agenten bereits buchen und sämtliche Papiere ausfüllen und senden. Ebenfalls haben wir die Versicherung informiert, dass wir in einem neuen Fahrtengebiet sind. Der Dieseltank ist wieder komplett aufgefüllt. Die leeren Benzin- und Dieselkanister verfrachten wir in ein Taxi und füllen sie an einer Tankstelle auf. Immer noch günstiger als in der Marina. Falls unser Wassermacher während der Überfahrt ausstiegen sollte, haben wir unsere Wassertanks mit 200 Litern gefüllt. Zusätzlich füllen wir von der Marina knapp 100 Liter in Kanister und Flaschen und kaufen nochmals 100 Liter Trinkwasser. Unsere Gasflaschen konnten wir im Laden in der Marina abgeben und am nächsten Morgen wieder abholen. Nun sind sämtliche Vorräte an Wasser, Diesel, Benzin und Gas aufgefüllt. Wir sollten für die zirka fünfzigtägige Überfahrt gerüstet sein. Unser Rigg haben wir in der Shelter Bay Marina nochmals geprüft. Starlink ist umgestellt, sodass wir auf dem offenen Ozean Satelliten-Empfang haben sollten. Zur Sicherheit aktivieren wir als Backup unser kleines Garmin-Satellitengerät. Dieses könnten wir im Notfall sogar auf die Rettungsinsel mitnehmen. Der Grab-Bag, mit Artikeln für den Notfall, ist ebenfalls gepackt. Diesen packt man bei längeren Fahrten, damit man alles Lebenswichtige in einem Griff auf die Rettungsinsel mitnehmen könnte. Darin sind Lebensmittel, Pässe, Geld, Medikamente, Angelzeugs, Messer, Dosenöffner und weitere überlebenswichtige Sachen. Wir telefonieren nochmals mit unseren Familien, kaufen frische Früchte und Gemüse ein und sind dann bereit für die grosse Fahrt. Wir können uns noch nicht vorstellen, wie es sein soll, so lange auf dem grossen Ozean zu sein. Morgen sollten wir noch die Ausreisedokumente von unserem Agenten erhalten und dann sind wir für knapp zwei Monate auf dem Pazifik. Südsee wir kommen.