20.03.25 – Panama-Kanal
Vom Land aus werden uns dünne Leinen zugeworfen. Damit sie gut geworfen werden können, sind sie mit einer Affenfaust versehen, welche als zusätzliches Gewicht Metall enthält. Alle sind auf Obacht, um diese nicht an den Kopf zu bekommen. Die Leinen landen mit einem Klonk an Bord und unsere Leinenhelfer binden die dicken Festmacherleinen, welche bei uns an Bord sind, fest. Die dicken Leinen, werden von den Leinenführern an Land, herübergezogen und an den grossen Klampen befestigt. Wir sind bereit. Innert weniger Minuten läuft die Schleuse mit Wasser voll. Wir werden neun Meter angehoben. Während dem Aufstieg ziehen die Leinenhelfer die dicken Leinen nach und halten unser Segelboot-Packet in der Mitte der Schleuse. Die Tore öffnen sich und wir fahren in die zweite Schleuse. Dasselbe Spiel nochmals. Nachdem wir durch die dritte Schleuse sind, und sage und schreibe sechsundzwanzig Meter angehoben wurden, geht das Tor auf und der Katamaran fährt uns in den Gatun See.
Es sind zirka neunzig Minuten vergangen. Die Sonne ist aufgegangen. Unser Boots-Packet wird aufgelöst, sodass alle drei Segelboote autonom durch den See fahren können. Wir treten die fünfstündige Fahrt durch den See an. Als erstes bereitet Conny für die ganze Besatzung ein leckeres Frühstück vor, während Stef weiterhin an der Pinne steht. Unter Motor düsen wir mit sechs Knoten durch den See. Dank unserer Geschwindigkeit werden wir gegen Mittag bei den Schleusen vor dem Pazifik sein und noch heute den stillen Ocean erreichen. Die fünf Stunden vergehen wie im Flug. Pünktlich erreichen wir die Schleusen des Pazifiks. Die zwei anderen Boote sind bereits hier und zusammen gebunden. Abermals fahren wir behutsam den Katamaran an. Dieses Mal haben wir allerdings fünfzehn Knoten Wind von hinten. Das Anlegemanöver verläuft dadurch nicht mehr so reibungslos wie beim ersten Mal. Die beiden Boote driften am Heck auseinander und unser Anker kratzt die “My Arrow” leicht. Der Kapitän vom Katamaran meint nur, dass beide das Manöver nicht optimal gefahren sind und der Kratzer nicht so schlimm sei. In der ersten Schleuse warten wir auf den Frachter. Zeit, um kurz das Mittagessen einzunehmen. Conny war schön nervös. Unsere Leinenhelfer sind vegetarisch und gemäss unserem Agenten, sei der Lotse etwas heikel und wolle zum Mittagessen Fleisch. Glücklicherweise lobt auch Lorenz das Gemüse-Curry in höchsten Tönen. Der Frachter ist eingetroffen. Das Wasser wird abgelassen. Für die Leinenhelfer ist es beim Ablassen einfacher, sie können beim Absenken immer etwas Leine nachgeben. Von der ersten zur zweiten Schleuse sind es knapp einen Kilometer Fahrt. Im Paket fährt uns die “My Arrow” viel zu schnell Richtung Schleuse. Es schaukelt ordentlich. Wir bewegen uns im Packet unkontrolliert auf und ab. Da knacken unsere Relings Stützen. Wir fordern den Katamaran auf, seine Geschwindigkeit zu drosseln und platzieren die Fender um, damit der Katamaran nicht mehr gegen unsere Reling drückt. Die Stützen haben zwar etwas geknackt, passiert ist aber nichts. Langsamer und ruhiger gleiten wir im Packet zu den zwei letzten Schleusen. Als sich das letzte Tor öffnet, können wir es kaum fassen. Wir sind im Pazifik. Unglaublich! Die Gefühle sind überwältigend.
Das Bootpacket wird aufgelöst und die letzten Meilen durch den Kanal geniessen wir allein mit langsamen 3 Knoten Fahrt. Kurz vor dem offenen Meer, kommt bereits ein kleines Boot angerauscht und holt die grossen, gemieteten Fender und Leinen ab. Superpraktisch. Schnell erledigt. Unser Boot ist bereits wieder ein wenig geräumiger. Auch Lorenz, unser Lotse wird hier abgeholt. Schön wieder selbst das Kommando über unser Schiff zu haben. Es war sehr speziell, die Verantwortung für das Schiff zu haben, bei den Manövern aber auf das Kommando vom Lotsen hören zu müssen. Speziell, weil seine Art der Leinenführung für uns oft nicht sehr sinnvoll erschien. 17:00 Uhr, der Anker hält in der Bucht vor Panama City. Wir geniessen ein Ankerbier mit Sebastian, Yvonne und Nathalie, unseren Leinenhelfern.
Wir sind über ihr Anpacken super dankbar und haben die Fahrt mit ihnen sehr genossen. Nun fährt Stef die drei an Land. Wir haben unser Boot wieder für uns. Geniessen noch den Sonnenuntergang, essen etwas Kleines und fallen hundemüde ins Bett.




