22.01.25-09.02.25 – Traumhaftes San Blas Archipel
Für die nächsten drei Wochen geniessen wir das San Blas Archipel. Das Archipel umfasst 365 Inseln. Viele davon sind unbewohnt, mit Palmen und weissen Sandstränden versehen. Auf einigen Inseln leben zwei, drei Familien temporär als Nomaden für eine kurz Zeit zusammen. Von Ankerplatz zu Ankerplatz sind es oft nur wenige Meilen. So können wir uns treiben lassen und den Anker immer wieder vor einer anderen, Bilderbuch- Insel eingraben.
Von den «Cayos Chichime» segeln wir südlich weiter zur Palmeninsel «Achudup». Kitschiger könnte es nicht sein. Wir sind umgeben von einsamen, kleinen Palmeninseln. Mit Maske, Schnorchel und Flossen schwimmen wir zum weissen Sandstrand. Der Freudejauchzer aus tiefstem Herzen kommt beim Betreten der kleinen Inseln von selbst. Nach drei Nächten, segeln wir für ungefähr drei Stunden weiter zum Ankerplatz «Sabodupored». Dieser liegt weiter östlich. Man sagt, dass die östlichen Inseln verlassener seien. Da dieses Paradies jedoch so viele Segler anlockt, teilen wir uns diese Ankerbucht mit zirka vierzig anderen Booten. Als wir unser Starlink aktivieren, um das Wetter und die Nachrichten zu prüfen, sehen wir, dass unsere Freude heute Abend ein Strandfeuer um die Ecke planen.
Wir fahren mit dem Boot die vierzig Minuten zur nächsten Insel, um diesen Abend gemeinsam zu geniessen. Kaum haben wir geankert, kommt ein kleiner Einbaum mit selbstgebasteltem Segel angerauscht. Die Kunas bieten öfters selbst gefangene Lobster, Krebse, teils Fische und Gemüse an. Dieses Boot nimmt von uns eine Bestellung für Gemüse auf, welches morgen geliefert werden soll. Mit unseren letzten frischen Gemüsen bereiten wir einen Salat vor. Die Kartoffeln aus der Bilge sind nach wie vor gut und werden in Alufolie gewickelt. Im Kühlschrank finden wir ein paar Würstchen. Das gibt ein richtig ausgewogenes Mahl. Beim Eindämmern treffen wir unsere Freunde von der Kismet und der Nola. Und was für eine Freude, auch Thierry mit seinem Boot «Cervino» ist da. Ihn kennen wir von Grenada und sind zusammen vor dem Hurrikane Berryl geflüchtet. Kurz lassen wir diese Momente nochmals hochleben, bevor wir uns über all die schönen Anekdoten des Seglerlebens austauschen. Das Feuer brennt, jeder brät seine mitgebrachten Sachen und wie es unter Seglern üblich ist, wird alles geteilt. Dieses kleine Ritual nennt sich «Pot Luck». Entweder man hat Glück und eine Vielfallt an Essen kommt zusammen oder eben nicht, weil alle ungefähr dasselbe mitgebracht haben. Unsere Freunde fahren am nächsten Tag weiter. Wir geniessen das Riff in der Umgebung. Stef hat das Glück einen ausgewachsenen Ammenhai freischwimmend zu sehen.
Die Insel «Naranga», in der Nähe vom Festland, ist unser nächstes Ziel. Auf der Insel gibt es ein kleines Dorf und gleich nebenan fliesst der Rio Diablo ins Meer. Mit dem Dinghy befahren wir diesen bezaubernden Fluss. Hier soll es Krokodile geben, daher sind unsere Augen stetig das Ufer und Wasser am Absuchen. Wir sehen tatsächlich eins. Leider allerdings ohne es wahrhaftig zu sehen. Das Gras hat sich wild in Richtung Fluss bewegt, dass es nur ein Krokodil sein konnte, welches hier in den Fluss glitt. Mit etwas pochenden Herzen fahren wir unser Dinghy näher zum Ufer. Wir erspähen es jedoch nicht mehr. Der Fluss wird mit jedem Meter klarer. Wir passieren den Punkt, wo die Kunas ihre Wäsche waschen und die Wasservorräte auffüllen. Entsprechend schalten wir den Motor aus und beginnen zu Rudern, damit das Wasser nicht von unserem Benzinabgas verschmutzt wird. Die Idylle wird nochmals gesteigert, als die Gemütlichkeit und Ruhe vom Rudern dazukommt.
Wir bestaunen Eidechsen, welche lustig über das Wasser rennen, die vielen Vögel und die üppige Vegetation ausgiebig und treten langsam die Rückfahrt an. Wir rudern fast alles zurück, um diese Umgebung so authentisch wie möglich aufzusaugen. Vom Fluss wieder ins Meer gespült besuchen wir «Naranga». Die meisten Hütten sind sehr einfach gebaut. Für die Kinder gibt es eine Schule und einen Spielplatz. Einen kleinen Früchte- und Gemüseladen hat es zu unserer grossen Freude auch. Denn der Lieferdienst in der letzten Bucht hat nicht funktioniert. Kurz bevor wir zurück bei der Dinghy-Anlegestelle sind, kommt eine Lagerhalle voller Bier. Gerne stocken wir unseren Biervorrat auf.
Da der Ankerpatz nicht zu den schönsten in San Blas gehört, verlassen wir diesen bereits nach einer Nacht wieder. Eine Stunden weiter möchten wir, vor einer kleinen Insel, welche hervorragend zum Schnorcheln sein soll, ankern. Als wir diese anfahren wird uns rasch klar, dass dies nichts für uns ist. Es ist viel zu rollig und wo wir den Anker droppen sollen, ohne auf Riff zu laufen, ist uns nicht klar. Weiter geht es zur nächsten Inselgruppe. Auch diese ist uns viel zu wenig geschützt. Kurs auf einen grösseren Ankerplatz, welcher sehr gut geschützt sein soll. Der Ankerplatz ist sehr gut geschützt, was zig andere Boote ebenfalls erkannt haben. Uns ist es hier zu voll, darum cruisen wir den Inselgruppen nach, schlängeln uns durch die Riffe bis wir eine geeignete Stelle finden und kein anderes Boot in Sicht ist. Statt einer knappen Stunde waren wir gut drei Stunden unterwegs. Herrlich, dass hier die Distanzen so klein sind, dass man sich etwas treiben lassen kann.
Obwohl die Insel, vor welcher wir geankert haben, nicht zu den schönsten gehört, gefällt uns die Einsamkeit hier sehr. Von ein paar Fischern können wir zwei Lobster kaufen. Sie erklären uns, wie sie diese fangen und nehmen sie für uns aus. Zum Fangen haben sie einen kleinen Holzstock. An diesen haben sie einen Draht mit einer Schlinge angebunden, welche sich zuzieht, sobald sich der Lobster in der Schlinge verfangen hat. Beim Ausnehmen staunen wir, wie sie die Lobster Schwänze vom Darm befreien. Mit einem Fühler der Lobster, der perfekte kleine Widerhaken aufweist, stechen sie hinten rein und erwischen den ganzen Darm, ohne ihn zu beschädigen. Die zwei ausgenommenen Lobster Schwänze kosten fünf US-Dollar. Die zwei Fischer fragen, ob wir eventuell noch ein Süssgetränk oder Bier hätten. Gerne geben wir ihnen zwei Biere, welche sie umgehend, voller Genuss öffnen. Was für ein herrliches Bild.
Da diese Ankerbucht so schön ruhig und einsam ist, entschliessen wir, hier ein paar Nächte zu bleiben und ein paar Arbeiten zu erledigen. Einige Stellen wurden in Cartagena mangelhaft gestrichen, weshalb sie bereits wieder rosten. Somit schleifen und streichen wir bereits wieder, doch diesmal vor einer traumhaften Kulisse. So macht Arbeiten Freude. Nach getaner Arbeit lesen wir auf Deck und spielen auf der Ukulele. Auf einmal scheint das Wasser um uns herum zu kochen. Tausende kleine Sardinen tanzen im Sonnenschein. Es glitzert und «brodelt» minutenlang. Ein fantastisches Naturschauspiel im Paradies. Kein Wunder, dass sich kurz darauf Delfine blicken lassen und unseren Tag perfekt machen. Am nächsten Morgen geht es weiter mit Streichen. Bis alle Schichten aufgetragen und getrocknet sind, dauert es immer eine Weile. Gerade als wir am Wegräumen sind, sehen wir ein kleines, blaues Boot, welches sich nähert. Was für eine Freude. Kismet hat uns gefunden. Natürlich gibt es wieder ein gemeinsames Lagerfeuer. Diesmal mit Lobster und Reis. Zum ersten Mal nehmen wir auch unsere Ukulele ans Lagerfeuer mit. Ein weiterer, unbeschreiblicher Abend.
Nachdem alle Malerarbeiten abgeschlossen sind, fahren wir weiter zum Ankerplatz «Hot Tub». Dieser heisst so, weil das Meer hier, aufgrund der starken Strömung, brodelt. Das Wasser, welches eingeströmt wird, kann je nach Jahreszeit, sehr warm sein. Die Einfahrt ist nicht ohne. Nur ein kleiner Streifen von knapp zwanzig Meter Breite und drei Meter Tiefe zwischen dem Riff, kann passiert werden. Dann ist man vom Riff und der Insel umrundet. Dieser kitschige Ankerplatz hat weitere Boote angelockt. Alle sind mit genügend Abstand verankert, weshalb wir uns hier sehr wohl fühlen. Mit dem Beiboot fahren wir zur kleinen Sandinsel, welche ungefähr dreihundert Meter entfernt liegt. Die winzige Insel, einzig bestehend aus weissem Sand, ist von einem wunderschönen Riff umgeben. Nur die etwas grösseren Riffbewohner, suchen wir abermals umsonst.
Nach der letzten Fahrt haben wir festgestellt, dass wir ein wenig Salzwasser in der Bilge haben. Ein kleines Leck haben wir gefunden. Ein Auslassventil tropft. Wir versuchen es bei geschlossenem Ventil im Wasser zu reparieren. Leider ohne Erfolg. Dies bedeutet für uns, dass wir das Ventil austauschen müssen. Ein alter Hase, vom Boot nebenan, erklärt uns, wie wir diese Aufgabe im Wasser bewältigen können. Dies ist uns allerdings etwas zu riskant. Wenn das Ventil beim Ausbau abbrechen sollte, könnte das Boot in kurzer Zeit mit Wasser volllaufen. Wir beschliessen, es im Wasser in der Marina zu versuchen und informieren gleichzeitig bereits die Marina, dass wir eventuell aus dem Wasser müssen.
09.02.-10.02.25 – Freunde kommen
Ein sehr guter Freund von Stef und seine Partnerin kommen nach San Blas, um mit uns durch den Kanal in den Pazifik zu fahren. Wir segeln zurück zu den «Cayos Chichime», da sie dort eine Unterkunft reserviert haben. Das Segelwetter ist traumhaft, gut Wind und kaum Wellen. Ein zweites Boot segelt ganz bei uns in der Nähe. Beide Boote sind angespornt möglichst gut zu Trimmen. Ein Boot ist bekanntlich gemütliches Segeln, zwei Boote sind eine Regatta. Das andere Boot ist um einiges grösser und somit verlieren wir das Rennen um wenige Meter. Was für ein Spass. Dank unserem Starlink können wir sogar noch ein kurzes Telefongespräch mit den Eltern von Stef führen. Wenn unser Ventil nicht wäre, wäre alles perfekt. Da wir nicht ganz sicher sind, auf welche Insel Thomas und Claudine, unsere Freunde, ihre Reservation haben, fahren wir zuerst eine kleine Touristeninsel an, um dort nachzufragen. Hier stellen wir fest, dass wir zirka sechs Deziliter Wasser im Boot haben. Um vor der zweiten Inselgruppe zu ankern, brauchen wir fünf Versuche. Der Ankergrund ist eher tief und wir versuchen am Rand zu ankern. Dort fällt der Grund aber steil ab und der Anker greift nicht. Stef ist mit seinen physischen Kräften am Ende. Conny weiss nicht mehr, wo sie das Boot noch platzieren soll, um eventuell guten Ankergrund zu haben. Endlich finden wir eine Stelle. Wir sind zwar sehr nahe bei zwei anderen Booten, der Wind ist aber stetig aus einer Richtung und nicht zu stark. Somit können wir das verantworten. Bei jedem Ankerversuch haben wir das Boot rückwärts mit relativ viel Schub gefahren, um den Anker einzugraben. Ein weiterer Blick in die Bilge lässt uns böses ahnen. Wir haben nun ein bis zwei Liter Wasser im Boot und herausgefunden, dass die Stevenrohr-Kammer vollläuft. (Diese Kammer umschliesst das Stevenrohr. Das Stevenrohr hält die Welle. Die Welle ist mit dem Getriebe verbunden und bringt den Propeller zum Rotieren, wenn der Motor läuft.) Was dies genau bedeutet, wissen wir noch nicht. Wir schreiben unseren Motoren-Guru in der Schweiz an und hoffen, dass er uns weiterhelfen kann.
Nun ist es höchste Zeit an Land zu fahren, um nachzusehen, ob unsere Freunde bereits da sind. Was für eine Freude, sie sind uns zuvorgekommen. Thomas winkt vom Strand aus, Claudine versucht auf das Boot zu schwimmen. Die Strömung ist allerdings so stark, dass sie nicht dagegen ankommt. Wir düsen mit dem Dinghy an Land und schliessen die Beiden in die Arme. Wir verbringen einen schönen Nachmittag auf unserer Pagsinta. Für uns ein unbezahlbarer Moment, unser Leben im Paradies zu teilen. Am Abend geniessen wir ein leckeres Abendessen in ihrem Resort und spielen gemeinsam Spiele.
10.02.-12.02.25 – Auch das Paradies ist nicht immer paradiesisch
Die Antwort von unserem Motoren-Guru ist eingetroffen. Er erklärt uns, dass es in der Stevenrohr-Kammer kein Wasser haben sollte. Dort hat es nur Wasser, wenn die Dichtung vom Stevenrohr, der Welle oder das Stevenrohr selbst, nicht mehr intakt ist. Bei Stahlbooten ist ein durchgerostetes Stevenrohr leider keine Seltenheit. Der Fall ist klar. Wir müssen aus dem Wasser. Um zu wissen, was genau los ist, muss das Stevenrohr ausgebaut werden. Unsere Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Die weiteren gemeinsamen Tage mit unseren Freunden auf den San Blas Inseln fallen ins Wasser. Werden wir den Kanal-Termin vom 18. Februar halten können? Ist dieser Schaden mit unserem Budget zu reparieren? Ist der Pazifik für uns noch realistisch oder müssen wir unseren Traum hier begraben? Mit Tränen in den Augen lichten wir am Nachmittag vom 11. Februar den Anker. Wir haben am 12. Februar einen Krahntermin. Obwohl kaum Wind angesagt war, können wir die ganze Nacht segeln. Wir steuern alles selbst und schlafen beide kaum, da wir emotional völlig aufgewühlt sind. Wird dies unsere letzte Fahrt sein? Am früheren Morgen treffen wir in der Marina ein. Wir dürften an der Tankstelle festmachen, bis wir am Nachmittag aus dem Wasser kommen. Von den Trockendockmitarbeitern erfahren wir, dass bereits heute oder morgen der Spezialist kommt, um unser Stevenrohr auszubauen.