03.06.-08.06.2025 – Zu den Tuamotu-Inseln
Französisch-Polynesien besteht aus verschiedenen Inselgruppen und Archipelen. Unsere Route führt uns von den Marquesas-Inseln im Nordosten, über das Tuamotu-Archipel zu den Gesellschafts-Inseln im Westen. Zu letzteren gehören die Berühmten Inseln Tahiti und Bora Bora. Die Inseln aus denen Französisch-Polynesien besteht, regten Darwin zu seiner Theorie über die Entstehung von Atollen an. Zu diesen Archipelen gehören Inseln in jedem Entwicklungsstadium – von der Geburt bis zum Untergang. Die Marquesas sind die jüngsten, durch Vulkanaktivität aus dem Meeresgrund hervorgeschobenen Inseln. Nur bei wenigen Inseln haben sich hier bereits Saumriffe gebildet. Das Wasser ist hier unweit der Küste bereits so tief, dass keine Korallen mehr gedeihen können. Die Gesellschafts-Inseln zeigen das mittlere Stadium der Atollbildung. Nach dem sich um die Eilande ein Saumriff gebildet hat, sanken die Inseln wieder ab. Aus den Saumriffen wurden Wallriffe. Zischen den Wallriffen und der Insel liegt jetzt zwischen zehn und fünfzig Meter tiefes Wasser. Teilweise bilden sich auf dem Wallriff bereits kleine, mit Palmen bestückte Inseln, sogenannte Motus. Das Endstadium der Atollbildung lässt sich auf den Tuamotus erkennen, zu welchen wir jetzt unterwegs sind. Hier hat sich die ursprüngliche Insel komplett abgesenkt und hat nur noch das jetzt zum Kranzriff gewordene Wallriff mit ihren Motus zurückgelassen. Es ist ein beunruhigender Gedanke, dass der Mensch in – geologisch gesehen – kurzer Zeit wahrscheinlich die Zerstörung der Atolle erleben wird. Zum einen wird der Anstieg des Meeresspiegels die Motus verschlingen, welche nur wenige Meter hoch sind, zum anderen behindert die Erwärmung der Ozeane auch das Korallenwachstum. Schon heute sind viele Korallen ausgebleicht und mit Algen übersäht. (Informationen Buch «Blauwasser Routen» von Rod Heikell und Andy O’Gardy)
Einen Tag später als gewollt legen wir von der schönen Insel Tahuata ab. Die Wetterprognose war am Vortag unsicher. In der Nähe von den Tuamotus zeichnete sich ein Tief mit starken Winden ab, welches sich heute in den Prognosen bereits wieder verzogen hat. Für die Überfahrt erwarten wir das gewohnte Pazifikwetter. Anfänglich teils starke Winde und gegen Ende teils heftige Regengüsse, mehrere Gewitterzellen. Genauso kommt es. Als wir um 16:00 Uhr den Anker lichten ist dies wie ein Kaltstart. Die Pazifikwellen schütteln uns durch und die vorhergesagten Winde heulen um unser gerefftes Segel. Die erste Nacht ist demnach kein Zuckerschlecken und ein weiteres Mal fragen wir uns, was tun wir uns hier eigentlich an? Nach 24 Stunden sind wir wieder «eingeschaukelt» und können die Fahrt geniessen. 12 Stunden vor Ankunft bewahrheitet sich die Wetterprognose. Es kündigen sich Gewitter und starke Regenschauer an. Unser vermeintlich gutes Ölzeuges (spezielle Kleidung für Seefahrer, welche Wind- und Wasserdicht sein sollte) lässt nach weniger als einer halben Stunde durch. Das E-Mail an Helly Hansen ist im Kopf bereits geschrieben. Es kann doch nicht sein, dass vermeintlich derart gute Ware so schlecht warm und trocken hält. Und das in den Tropen. Wir sind mal wieder bis auf die Haut durchnässt und frieren. Die Wellen haben sich in der letzten Nacht aufgetürmt. Blitze zucken um uns herum und die Böenspitzen steigern sich zum Sturm. Unsere Pagsinta und der Windpilot meistern einmal mehr diese widrigen Verhältnisse mit Bravour. Ganz sicher, ob wir am nächsten Morgen ins Atoll einfahren können, sind wir noch nicht. Wie immer auf dem Meer, ändern sich die Umstände in kurzer Zeit. Die Sonne geht auf, das Meer hat sich beruhigt und das Atoll mit den wenigen Palmen zeichnet sich ab. Was für eine Freude ins Atoll Tahanea einzulaufen. Das Wasser ist klar und still. Wir sehen die verschiedenen Riffblöcke gut und können diese ohne weiteres umfahren. Keiner der Blöcke kommt zu dicht an die Wasseroberfläche, sodass wir mit unserer Pagsinta und ihrem geringen Tiefgang keine Bedenken haben müssen, ein Riff zu rammen. Nachdem wir unseren potenziellen Ankerplatz erkundet und für gut befunden haben, bereitet Stef den Anker vor. Das Ankermanöver funktioniert tadellos und wir haben, wie in dieser Gegend so üblich, die Ankerkette mit Fendern angehoben. Dies ist nötig, da es sehr viele Riffblöcke hat. Indem die Ankerkette nicht auf dem Grund liegt, sondern schwebt, schont sie das Riff und wird nicht beschädigt.
09.06.-15.06.25 – Tahanea – Haiaiai…
Genau so haben wir uns das vorgestellt. Das Wasser ist kristallklar, der Sand weiss, das Atoll unbewohnt. Beim Ankertauchen begrüsst uns bereits eine Muräne, zig Rifffische und sogar zwei Schwarzspitzenhaie kommen vorbei. Während unseres Aufenthaltes kreisen immer bis zu neun der kleinen, ockerfarbenen Haie um unser Boot. Die ruppige Überfahrt ist bereits in den ersten Minuten wieder vergessen. Ein Paradies folgt auf das nächste. All diese sagenhaften Eindrücke, in dieser kurzen Zeit, können wir kaum fassen.
Durch die Pässen in den Atollen (tiefe Durchgänge im Kranzriff) spült das Wasser bei Flut ins Atoll hinein und bei Ebbe wieder hinaus. Diese Strömung kann bis zu zehn Knoten schnell sein. Doch genau durch diese Strömung herrscht sehr viel Leben in den Pässen, was sie zu perfekten Schnorchel- und Tauchspots macht. Am geringsten und am sichersten, um die Pässe zu betauchen oder auch zu befahren ist es kurz nach dem Wechsel von Ebbe zu Flut, da uns zu diesem Zeitpunkt die Strömung moderat ins Atoll hineinträgt. Bevor wir unsere Tauchflaschen umschnallen, schnorcheln wir im Pass. Die Strömung ist stark. Wir binden uns am Dinghy fest, legen uns ins Wasser und lassen uns mit der Strömung ins Atoll schwemmen. Der Korallengarten ist vielfältig und gross. Die Hartkorallen sind leider auch hier in einem geplagten Zustand. Viele Korallen sind verbleicht und mit Algen überwachsen. Der Fischreichtum hingegen ist genial. Zig grosse Barsche, viele Schwärme und mehrere Haie tummeln sich im Pass. Für den nächsten Tag rüsten wir unsere Tauchutensilien, um etwas tiefer in die Unterwasserwelt einzutauchen. Für Stef gar nicht so einfach, weil er mit einem langen Seil mit dem Dinghy verbunden ist und das Beiboot mitzieht. Oder bessergesagt, das Gummiboot nimmt Stef an die Leine. Das Dinghy an der Oberfläche zieht ordentlich. Conny kann nur mit kräftigen Flossenschlägen mithalten. Trotzdem ist es eine grosse Freude in diesem Fischreichtum zu schweben. Nach dem Tauchgang kommen Wolken auf. Der Wind nimmt etwas zu. In der Nacht bläst der Wind mit über 35 Knoten um unser Boot. Leider aus der falschen Richtung. Unseren Anker haben wir in die Gegenrichtung eingefahren. Dies bedeutet, dass sich dieser, bei Zug in die jetzige Richtung, leicht lösen könnte. Beide lauschen wir nur noch den Geräuschen und hoffen, dass der Ankeralarm nicht losgeht. Weil keiner mehr eine Auge zumacht, entscheiden wir uns für Ankerwache. Das bedeutet, einer von uns ist wach und überwacht die Situation, der andere kann schlafen. So kommen wir doch beide zu ein paar Stunden Schlaf. Sobald es Tag ist, tauchen wir zum Anker. Dieser hat sich selbstständig gedreht und neu eingebuddelt, was bedeutet, dass er den stärkeren Winden standhalten wird. Der idyllische Ankerplatz ist allerdings nicht mehr so schön. Es ist grau in grau, die Wellen sind kurz, dafür nicht sehr hoch. Nichtsdestotrotz schaukelt es ordentlich im Boot. Weil die Sonne nicht scheint, produzieren wir kaum Strom. So ist auch Homepage aktualisieren oder mit unseren Liebsten telefonieren keine Option. Da wir ordentlich Schlaf nachzuholen haben, verbringen wir den Tag mit Schlafen und lesen. Tut auch einmal gut. Sobald sich das Wetter beruhigt hat, planen wir den nächsten Tauchgang. Dieser ist mässig. Die Strömung zieht uns ins tiefere blaue Wasser des Atolls hinein. Stef hat mit dem Dinghy keine Chance, gegen diese anzuschwimmen. So treiben wir im Blauen ohne Besuch von Grossfischen. Nach dem enttäuschenden Tauchgang setzten wir uns noch etwas direkt unter unser Boot, geniessen die kleinen Riffhaie, welche immer um unser Boot und somit auch um uns umher schwimmen. Bereits die Jungschar ist wahrhaftig anmutig anzuschauen. Sie sind neugierig und scheu in gleichem Masse. Es ist unbeschreiblich diese eleganten Jäger in freier Natur, ohne Nervosität oder Aggression zu beobachten.
Durch die Pässen in den Atollen (tiefe Durchgänge im Kranzriff) spült das Wasser bei Flut ins Atoll hinein und bei Ebbe wieder hinaus. Diese Strömung kann bis zu zehn Knoten schnell sein. Doch genau durch diese Strömung herrscht sehr viel Leben in den Pässen, was sie zu perfekten Schnorchel- und Tauchspots macht. Am geringsten und am sichersten, um die Pässe zu betauchen oder auch zu befahren ist es kurz nach dem Wechsel von Ebbe zu Flut, da uns zu diesem Zeitpunkt die Strömung moderat ins Atoll hineinträgt. Bevor wir unsere Tauchflaschen umschnallen, schnorcheln wir im Pass. Die Strömung ist stark. Wir binden uns am Dinghy fest, legen uns ins Wasser und lassen uns mit der Strömung ins Atoll schwemmen. Der Korallengarten ist vielfältig und gross. Die Hartkorallen sind leider auch hier in einem geplagten Zustand. Viele Korallen sind verbleicht und mit Algen überwachsen. Der Fischreichtum hingegen ist genial. Zig grosse Barsche, viele Schwärme und mehrere Haie tummeln sich im Pass. Für den nächsten Tag rüsten wir unsere Tauchutensilien, um etwas tiefer in die Unterwasserwelt einzutauchen. Für Stef gar nicht so einfach, weil er mit einem langen Seil mit dem Dinghy verbunden ist und das Beiboot mitzieht. Oder bessergesagt, das Gummiboot nimmt Stef an die Leine. Das Dinghy an der Oberfläche zieht ordentlich. Conny kann nur mit kräftigen Flossenschlägen mithalten. Trotzdem ist es eine grosse Freude in diesem Fischreichtum zu schweben. Nach dem Tauchgang kommen Wolken auf. Der Wind nimmt etwas zu. In der Nacht bläst der Wind mit über 35 Knoten um unser Boot. Leider aus der falschen Richtung. Unseren Anker haben wir in die Gegenrichtung eingefahren. Dies bedeutet, dass sich dieser, bei Zug in die jetzige Richtung, leicht lösen könnte. Beide lauschen wir nur noch den Geräuschen und hoffen, dass der Ankeralarm nicht losgeht. Weil keiner mehr eine Auge zumacht, entscheiden wir uns für Ankerwache. Das bedeutet, einer von uns ist wach und überwacht die Situation, der andere kann schlafen. So kommen wir doch beide zu ein paar Stunden Schlaf. Sobald es Tag ist, tauchen wir zum Anker. Dieser hat sich selbstständig gedreht und neu eingebuddelt, was bedeutet, dass er den stärkeren Winden standhalten wird. Der idyllische Ankerplatz ist allerdings nicht mehr so schön. Es ist grau in grau, die Wellen sind kurz, dafür nicht sehr hoch. Nichtsdestotrotz schaukelt es ordentlich im Boot. Weil die Sonne nicht scheint, produzieren wir kaum Strom. So ist auch Homepage aktualisieren oder mit unseren Liebsten telefonieren keine Option. Da wir ordentlich Schlaf nachzuholen haben, verbringen wir den Tag mit Schlafen und lesen. Tut auch einmal gut. Sobald sich das Wetter beruhigt hat, planen wir den nächsten Tauchgang. Dieser ist mässig. Die Strömung zieht uns ins tiefere blaue Wasser des Atolls hinein. Stef hat mit dem Dinghy keine Chance, gegen diese anzuschwimmen. So treiben wir im Blauen ohne Besuch von Grossfischen. Nach dem enttäuschenden Tauchgang setzten wir uns noch etwas direkt unter unser Boot, geniessen die kleinen Riffhaie, welche immer um unser Boot und somit auch um uns umher schwimmen. Bereits die Jungschar ist wahrhaftig anmutig anzuschauen. Sie sind neugierig und scheu in gleichem Masse. Es ist unbeschreiblich diese eleganten Jäger in freier Natur, ohne Nervosität oder Aggression zu beobachten.
Aufgrund der allgemeinen saisonalen Wetterlage müssen wir im Oktober bereits auf den Salomoninseln, 3200 Seemeilen weiter westlich, sein. Bis dahin wollen wir noch viel Erleben, vier weitere Länder und X neue Inseln mit ihren Tauchplätzen erkunden. Daher planen wir bereits wieder die Weiterfahrt ins nächste Atoll. Es gibt einiges zu beachten. Wir müssen bei Ebbe- oder Flutwechsel aus dem Atoll fahren. Die Distanz zum nächsten Atoll berücksichtigen und bei Ebbe ins nächste Atoll einlaufen. Für uns bedeutet dies, dass wir entweder in den nächsten zwei Tagen oder dann erst wieder in sechs Tagen loskönnen. Wir entscheiden uns, morgen zu fahren und um 23:30 Uhr den Anker zu lichten. Das Atoll bei Nacht zu verlassen, trauen wir uns zu, da wir genau dieselbe Route wie bei der Einfahrt wählen werden. Dies ist möglich, da wir die Einfahrt in weiser Voraussicht auf dem Kartenplotter aufgezeichnet haben. Das Wasser ist wieder kristallklar. Tagsüber zieht Conny Stef zum Mast hoch, um das Genuafall etwas nachzuziehen. Es scheuert immer an derselben Stelle über eine Metallplatte, sodass der Mantel des Seils etwas angegriffen ist. Mit Messer, Werkzeug und Kamera bepackt zieht Conny Stef zum Masttopp. Nach getaner Arbeit macht Stef noch ein paar Fotos, welche das zauberhafte Atoll einfangen. Wir geniessen den letzten Tag in der blauen Lagune.
Die Überfahrt läuft wie geplant. Eine schöne Segelnacht erwartet uns. Perfekter Wind, keine Gewitterwolken, kaum Regen. Segeln könnte richtig Spass machen. Die letzten Stunden dürfen wir das Segel auf ein Minimum reduzieren, weil wir in der Nacht derart gut vorangekommen sind. Kurz nach Wassertiefstand laufen wir ins Atoll Fakarava ein. Die Strömung zieht uns ordentlich rein. Stef fährt auf minimalen Touren, das Boot läuft dennoch mit neun Knoten Fahrt. Die Wasseroberfläche ist etwas aufgeraut. Entsprechend sehen wir kaum ob Riffe bis zur Oberfläche kommen. Durch die gut gekennzeichneten Untiefen und die guten Karten kommen wir ohne Probleme bis zum gewählten Ankerplatz. Wir haben grosses Glück und erwischen eine der vier sehr begehrten Bojen im Atoll. Oft hat es gegen vierzig Boote an diesem Ankerplatz und jeder möchte an die Boje. Zum Ankern ist es relativ tief und es gibt viele Riffblöcke, welche bis dicht an die Wasseroberfläche kommen. Darin könnte sich die Ankerkette leicht verfangen, selbst wenn sie mit Fendern angehoben wird oder gar das Boot auf Riff laufen.
16.06.-28.06.2025 - Fakarava - Ein Hailight nach dem anderen
Es wird gesagt, dass beim Südpass des Atolls von Fakarava hunderte von Haien beheimatet sind. Dies glauben wir erst, wenn wir es selbst gesehen haben. Da wir bei Ebbe eingelaufen sind und auch nur bei dieser einlaufenden Strömung Schnorcheln oder Tauchen sollten, müssen wir uns bis zum nächsten Tag in Geduld üben. Seit langem haben wir eine sehr entspannte Nacht. Die Boje haben wir beim Freitauchen begutachtet und gesehen, dass sie in einem super Zustand ist. Hier kann der Wind auffrischen, drehen und machen. Uns ist dies egal. Das Boot und wir sind sicher vertäut. Ausgeschlafen beladen wir unser Beiboot mit Maske, Schnorchel und Flossen. Wir möchten den Pass auskundschaften. An der Boje, welche für Dinghys ausgelegt ist, machen wir unseres fest. Conny geht ins Wasser und stellt fest, dass wir noch leicht gegen die Strömung ankommen. So flösseln wir gegen die Strömung in den Kanal. Als wir auf zirka zehn Meter abtauchen, sehen wir die unzähligen Haie. Unsere Herzen schlagen höher, nicht aus Furcht, sondern vor Begeisterung. Mit eigenen Augen gesehen, glauben nun auch wir, dass es dieses Haiparadies tatsächlich gibt. Bei der Rückfahrt machen wir Halt bei unseren sympathischen Bootsnachbaren. Wir möchten uns bedanken, da sie uns bei der Einfahrt die Boje gezeigt haben. Da sehen wir Tauchtanks an Board. Wir fragen an, ob sie Lust hätten gemeinsam zu tauchen. So kann zuerst ein Team abtauchen und die anderen beiden bleiben auf dem Dinghy, um Abholservice zu leisten. Wir verabreden uns für den nächsten Tag dreissig Minuten vor Gezeitenwechsel. Noch können wir es kaum glauben, was wir bereits beim Schnorcheln gesehen haben und geniessen einen weiteren Sternenklaren Abend im Paradis.
Wie verabredet, fahren wir gemeinsam mit der Crew der «Pytheas» zum Pass. Wir tauchen zuerst. Auf knapp dreissig Metern sieht Stef die ersten Haie. Er hat nur noch Augen für diese. Noch selten hat er kaum seinen Buddy, noch seinen Computer oder das Fini geprüft. Die vielen Haie faszinieren ihn derart, dass er alles andere vergisst. Unglaublich. Conny knipst und knipst mit ihrer Kamera. Auch sie weiss nicht wo hinschauen. Die Haie sind überall. Wir beide haben schon an vielen sogenannten Haipunkten getaucht. So etwas haben wir allerdings noch nie gesehen. Wir sind tatsächlich von hunderten von Haien umgeben. Diese majestätischen Tiere schwimmen in einer Ruhe im Kanal. Einige Exemplare sind schlafend am Boden, andere drehen ihre Runden. Von Jungtieren bis ausgewachsenen, zwei bis zweieinhalb Meter grossen Riffhaien sind alle vertreten. Wir sehen Weissspitzen-, Schwarzspitzen- und Graue- Riffhaie. Wenn wir auf diese anmutigen Jäger zutreiben, weichen sie in einer Ruhe und Eleganz aus. Wir können uns von diesem Schauspiel kaum satt sehen. Wenn wir nicht vereinbart hätten, nach fünfundvierzig Minuten aufzutauchen würden wir unsere Atemluft vermutlich bis zum letzten Atemzug aufbrauchen. Ein gigantischer Tauchgang. Wir kommen nicht aus dem Schwärmen. Nach unserem Tauchgang warten wir gerne auf den Dinghys, bis unsere Bootsnachbaren ihren Tauchgang geniessen durften. Das «Decko-Bier» zurück auf unserem Boot mundet hervorragend zum kitschigen Sonnenuntergang.
Leider können wir bereits am folgenden Tag nicht mehr tauchen, weil sich die Zeit des Gezeitenwechsel nach hinten in die Dämmerung geschoben hat. Zu dieser Zeit oder gar bei Nacht wollen wir nicht unbedingt in die Mitte der jagenden Haie. Wir schnorcheln ums Boot und beim Riff im Atoll. Hier begegnen wir vor allem Schwarzspitzen Haien, sehen aber direkt am Boden unter dem Boot auch mal drei grosse Graue. Conny entdeckt bei einem Schnorchelgang einen freischwimmenden Oktopus. Eine Seltenheit sondergleichen. Ein junger Adlerrochen schwimmt vorbei. So anmutig und schwerelos. Traumhaft. Am Abend gehen wir mit Sophie und Olivier von der Pytheas essen. Im kleinen Restaurant auf dem Motu werden wir herzlich empfangen. Zur Vorspeise gibt es eine leckere Pizza mit Fisch zum Teilen und ein köstliches Fisch- Carpaccio. Zum Hauptgang eine grosse Schüssel mit marinierten Hähnchenkeulen und Reis. Es war mehr als genug und alles mundete, herrlich.
Zwei weitere Tage tauchen wir mit unseren Nachbarn. Wir springen ausserhalb des Atolls ins Wasser, lassen uns durch die unzähligen Haie treiben und am Ende werden wir freundlich abgeholt. Vom Schauspiel der Haie können wir uns nicht satt sehen. Nach jedem Tauchgang freuen wir uns bereits wieder, zu den anmutigen Tieren abzutauchen. Nach zwei Tagen verlässt uns die Pytheas und wir sind auf uns allein gestellt. Die maximale Tiefe des Passes beträgt 28 Meter. Die Haie sind in der Regel auf 20 bis 24 m gut zu beobachten. Deshalb machen wir ein 30 Meter langes Seil an unser Dinghy und führen es an der Leine durch den Kanal. Wir tauchen ab. Stef mit der Leine lässt sich so schnell es geht fallen. Mit dem Dinghy, welches an der Oberfläche durch Strömung und Wind zieht, gelingt es ihm knapp an Ort und Stelle zu bleiben. Auf 22 Metern Tiefe findet er einen versteinerten Korallenblock, schlingt das Seil rasch zweimal drum herum und lässt sich, angebunden an das fixierte Dinghy, in der Strömung baumeln. Conny hat sich aus einer kurzen Schot einen Riffhacken geknüpft und hängt sich ebenfalls ein. Wir schweben an Ort und geniessen das Spektakel. Die Haie kommen manchmal so nah, dass man sie berühren könnte. Spannend diesen Jägern direkt ins Auge zu blicken. Ein Hai zappelt wie wild. Er schnellt steil nach oben in einer verblüffenden Geschwindigkeit und macht einen Sprung aus dem Wasser. Hat man so was schon gesehen. Einen Haisprung aus der Sicht der Fische. Auf einmal werden die geschätzten zweihundert Haie um uns herum nervös. Was passiert da? Dann sehen wir ihn. Ein grosser Schatten treibt unten im Kanal. Wir müssen aufpassen, dass wir vor lauter Staunen unsere Atemregler im Mund behalten. Ein Grosser Hammerhai betritt die Bühne. Er ist geschätzt 15 Meter von uns entfernt und mit seinen knapp sechs Metern ein gigantisches Tier. Gegen ihn sind die vielen Grauen Riffhaie nur noch kleine Fische. Er schwimmt schnell, doch gemächlich ins Atoll und alle Grauen schiessen ihm in einem Strahl hinterher. Es sieht aus, als huldigen sie den König auf seinem Weg. Das Schauspiel dauert keine Minute, doch es hat sich für immer in unsere Köpfe gebrannt. Nach einigen Minuten kehrt Normalität ins Riff zurück. Die Riffhaie haben sich beruhig und schwimmen wieder gemächlich in der Strömung. Aber wir Wissen nun, irgendwo in unserer Nähe schwimmt ein Grosser Hammerhai.
Wenn auch dieses Erlebnis kaum mehr getoppt werden kann, geniessen wir die weiteren Tage und Tauchgänge in gleicher Manier. Bei jedem Tauchgang zeigt sich etwas spezielles. Wie die allgegenwärtigen Haie nicht speziell genug währen. Einmal, konzentrieren wir uns auf das schöne Riff. Die Korallen im tieferen Bereich sind intakt, während die Korallen nahe der Oberfläche leider sehr ausgebleicht oder bereits ganz abgestorben sind. Doch noch gibt es genügend Schutz für die vielen bunten Fische und somit auch genügend zu Fressen für die geliebten Haie. Einmal beobachten wir, wie ein Weissspitzen Riffhai Beute macht. Im nun sind 30 Graue bei ihm und wollen etwas von seiner Beute erhaschen. Ein grosser Trubel entsteht. Und fast unbeachtet geben sich zwei Drückerfische, hinter den gefrässigen Haien, dem Paarungstanz hin. Einmal schwebt ein Riesenmanta durch den Fakarava Südpass. Er gleitet mit seiner sechs Meter Spannweite fast unbemerkt durch einen Fischschwarm, macht eine Pirouette und verschwindet sogleich wieder im tiefen Blau.
Die Zeit verfliegt. Wir sind bereits fast zwei Wochen in Fakarava. Auch macht sich ein gutes Wetterfenster auf, mit angeblich leichten Wellen. Dieses wollen wir nutzen, um einen Schritt weiter westlich nach Raiatea zu den Gesellschafts- Inseln zu segeln.










