Unser Segelabenteuer
 


11.09.-13.09.2025 – Auf Entdeckungstour in Vanua Levu

Im Bus auf den Naturstrassen

Das passende Windfenster für die Weiterfahrt bildet sich am 14. September. So haben wir drei Tage, um die Insel Vanua Levu noch mehr zu erkunden. Mit dem lokalen Bus fahren wir um die halbe Insel. Der gesamte südöstliche Teil ist mit einer Naturstrasse erschlossen. Der Bus benötigt sechs Stunden, um von Savusavu im Süden nach Labasa im Norden zu fahren. Die Fahrt führt uns zuerst an der Küste entlang. Der Bus fährt auch mal einen kleinen Abstecher, damit auch das abgelegenste Dorf erschlossen ist. Die kleinen Dörfer bestehen aus einfachen Häuser aus Wellblech oder Holz. Zwischen den Häusern erstreckt sich ein gut gemähter Rasen. Schön platzierte Pflanzen bilden die Wege und runden das liebevolle Dorfbild ab. Die Dorfbewohner winken uns, mit einem herzlichen Lachen zu. Kurz bevor es ins Landesinnere geht, macht der Bus einen fünfminütigen Stopp. Diesen nutzten wir für eine Toilettenpause und um ein paar Fischerinnen einige Hacken und Angelschnur zu schenken. Sie freuen sich riesig. Die Fahrt ins Landesinnere ist wunderschön.  

Kleines Bergdorf Vanua Levu

Die staubige Naturstrasse schlängelt sich über Hügel und Täler, überquert immer mal wieder einen reissenden Fluss und durchstösst die weiten Felder. Die Fauna verändert sich. Mit jedem Höhenmeter gesellen sich zu den weniger werdenden Palmen Kieferbäume. In der malerischen Landschaft erspähen wir mal einige Pferde oder Kühe, auch Schafe und Ziegen fehlen nicht auf den Weiden. Im Landesinneren wächst unter anderem sehr viel Zuckerrohr. Wir sehen die alten Schienen, welche vom früheren kleinen Zug genutzt wurde, um die Zuckerrohrpflanze nach Labasa zu befördern. An den Haltestellen steigen die Fidschianer rege ein und aus. Eine Bauer setzt sich neben Conny und ein spannender Austausch findet statt. Conny fragt nach, wie es mit dem Schulsystem, dem Häuptling des Dorfes, dem Strom, und dem Wasser funktioniert. In Fidschi leben sie, in den etwas abgeschiedenen Orten, hauptsächlich selbstversorgend. Lediglich die Kava-Wurzel, welche für ihr rituelles Zeremonie-Getränk benötigt wird, verkaufen sie. Dafür reisen die Bauern alle paar Wochen in die Stadt und verkaufen die Wurzel am Markt. Strom generieren sie hauptsächlich über Solarenergie. Sie sammeln das Regenwasser in grossen Tanks für ihr Trinkwasser und brauchen das Wasser vom Fluss zum Waschen.

Malerisches Vanua Levatu

Ein zweiter Stopp macht der Bus in einem abgelegenen Dorf im Landesinneren. Als wir bei einem kleinen Kiosk ein Erfrischungsgetränk kaufen und fragen, ob der Verkäufer schon einmal jemanden aus der Schweiz getroffen habe, sagt er mit grossen, verblüfften Augen «Nein, nur euch». Kurz vor Ankunft in Labasa steigen mehrere Teenager ein. Sie haben gerade Schule aus und sind auf dem Nachhauseweg. Der Bus lebt auf. Es wird gelacht und die Jungs freuen sich ganz speziell, als die jungen Damen beim nächsten Stopp einsteigen. Die Strasse ist seit einer Weile geteert und nun haben wir sogar Stau. Labasa ist die grösste Stadt von Vanua Levu. Hier ist die Fabrik für den Zuckerrohr. Mehrer alte Lastwagen warten, um ihren Zuckerrohr abzuladen. Aus dem alten Kamin der Fabrik entweicht viel Rauch, Berge von Zucker liegen auf dem Boden. Der Bus fährt weiter zum Busbahnhof. Wir haben kaum Zeit zum Umsteigen, da wir umgehend auf den nächsten Bus retour nach Savusavu wechseln müssen, um den letzten Bus vom Tag nicht zu verpassen. Die Stadt lädt auch nicht zum Verweilen ein. Die drei letzten Stunden Busfahrt zurück ziehen sich in die Länge. Nach einer fast elfstündigen Busfahrt und einem erlebnisreichen Tag gönnen wir uns eine Pizza in der Marina und lassen alle Eindrücke nochmals Revue passieren.

Zuckerfabrik Labasa

Bevor wir Savusavu verlassen, besuchen wir unsere Freunde von der «Sandy Schoes» im Hafen. Dabei treffen wir auch auf Peter, unseren chinesischen Freund von Niuatoputapu. Am Abend ergibt sich ein lustiger Austausch mit zwei weiteren Boots-Crews. Alle haben dieses Jahr den Pazifik überquert. Alle sind müde. Peter macht fünf Monate Pause in Fidschi und die anderen drei Boote stehen zum Verkauf. Viele Anekdoten werden einmal mehr ausgetauscht. Wir lachen und fühlen uns gegenseitig verstanden.
Den letzten Tag nutzten wir, um Kava-Wurzeln und Frischwaren zu kaufen. Früh geht es für uns ins Bett, da wir bereits um zwei Uhr morgens den Wecker stellen, um sicherlich bei Tageslicht in der neuen Bucht anzukommen.

14.09.-21.09.2025 – Makogai – eine kleine, authentische Insel

Pagsinta in Makogai

Die Überfahrt nach Makogai verläuft ruhig und mit perfektem Wind. Gegen Mittag nimmt dieser immer mehr zu, sodass wir früh und befriedigt in der Bucht von Makogai eintreffen. Wir sind das einzige Boot, sehen jedoch zwei weitere Boote, welche auf dem Weg sind. Kurz bevor wir an Land fahren, sehen wir, dass unsere Freunde von der «Blue» neben uns geankert haben. Sie waren beim Austausch in Savusavu dabei und möchten ihr Boot ebenfalls in Australien verkaufen. Mit einer Kava-Wurzel fahren wir an Land. Zwei Kinder kommen auf uns zu gerannt und umarmen uns mit einem breiten Lachen im Gesicht. Was für eine Begrüssung. Sie führen uns zum Häuptling der Insel. Bei ihm können wir anfragen, ob wir hier Ankern, Tauchen und auf der Insel spazieren dürfen. Wir überreichen die Wurzel dem Häuptling. Er bedankt sich für das «Sevusevu» was so viel wie Geschenk bedeutet. Wir setzten uns im Lotussitz in einen Kreis. Er spricht ein Gebet und begrüsst uns, sodass wir nun Teil ihrer Gemeinschaft sind. Wir dürfen uns frei auf der Insel bewegen, Tauchen und so lange Ankern wie wir möchten.

Conny im Gefängnis

Eines von den herzlichen Kindern zeigt uns anschliessend einen Teil der Insel. Makogai war einstmals eine Lepra-Insel. Aus dieser Zeit zwischen 1850 und 1935 gibt es mehrere zerfallene und überwucherte Gefängnisse und eine Grabstätte und sogar eine Ruine von einem Kino. Gemäss den Inschriften auf den Grabsteinen, sind hier sogar zwei Schweizer begraben. Unsere kleine Führerin findet eine Kokosnuss am Boden, in welcher bereits ein Palmensprössling treibt. Bei ihr zu Hause knackt sie die Kokosnuss führ uns. Die Milch hat sich durch die Pflanzenbildung gewandelt und ist nun eine leckere weiche Masse. So haben wir noch nie eine der beliebten Nüsse gegessen. Am Abend haben wir eine lustige Zusammenkunft auf der «Blue». Auch Nick und Kelli vom dritten Boot in der Bucht, sind mit von der Partie. Als es bereits dunkel ist, kommen ein paar Dorfbewohner angefahren. Sie fragen, ob wir «Suki», den lokalen Tabak haben. Nick hat davon an Board und fährt kurz mit ihnen rüber, um ihnen etwas abzugeben. Sie fragen auch, ob wir mit ihnen Kava trinken möchten. Noch so gerne verabreden wir uns für den folgenden Abend.

Bunte Bäumchenweichkoralle

Der Tag beginnt mit einem Tauchgang für uns. Wir sind entzückt vom farbigen, gesunden Riff. Endlich sehen wir einmal wieder gesunde Weichkorallen. Auch wenn der Tauchgang sehr flach und eher fischarm war, haben wir das gesunde Riff sehr genossen. Die «Blue» ist heute weitergefahren. So gehen wir am Abend mit Nick und Kelli auf die Insel und trinken mit den Dorfbewohnern Kava. Kava wird sehr traditionell getrunken. Wir sitzen am Boden im Kreis. Das Getränkt wir in einem grossen Zuber mit Wasser angerührt. Mit einem Gebet bedanken wir uns für den Kava. Jetzt wird eine Kokosnussschale eingetaucht und dem ersten in der Runde gereicht. Dieser nimmt die Schüssel mit dem Willkommensgruss «Bula» an und trinkt den Kava in einem Zug. «Muda!» (leer) «Vinaka!» (danke) und die Schüssel wird an den Geber zurückgereicht. Ein dreimaliges Klatschen rundet die Zeremonie ab. So bekommt jeder eine Schüssel Kava. Zwischen den unzähligen Runden Kava unterhalten wir uns über die verschiedenen Kulturen und lachen sehr viel. Kava ist eine braune Brühe, schmeckt leicht nach Gewürzen und wirkt beruhigend. Ausser einem guten Schlaf fühlt man nichts von diesem rituellen Getränk. Es ist ein grosses Geschenk, dass wir mit unserer Pagsinta in solch abgelegene Buchten reisen dürfen. So authentisch die Bewohner von Fidschi zu erleben, ist für uns unbezahlbar.

Conny am Kava trinken

Die Dorfbewohner laden uns nun ein, am nächsten Tag nochmals an Land zu kommen. Es ist ein sehr grosser Tag für sie. Besuch vom Prime Minister von Fidschi und Investoren aus Japan steht an. Sie möchten die Riesenmuscheln, welche auf dieser Insel wachsen, weiter expandieren und künftig sogar exportieren. Die finanziellen Mittel sind bereits bewilligt. Morgen ist der grosse Tag, an welchem die Wasserqualität der Insel nochmals geprüft wird und die finanziellen Mittel bestätigt werden. Ein Festmahl, traditionelle Tänze und eine traditionelle Kava-Runde sind geplant.

Traditionelle Tänze

Kurz nach neun Uhr fahren wir an Land. Die Gäste werden demnächst eintreffen. Stef macht Fotos und Conny wartet in den Reihen mit den Frauen auf die Gäste. Wir fühlen uns tatsächlich wie ein Teil des Dorfes. Eine unglaublich berührende Erfahrung. Ein Jugendlicher bläst die Muschel zur Begrüssung der Besucher und die Kinder singen ein Ständchen. Dann geht es in die Gemeindehalle. Die Kava-Schüssel ist bereits mit Kava gefüllt. Die Kinder tanzen für den Besuch. Der Kava wird zeremoniell überreicht und gemeinsam getrunken. Nach der Zeremonie gibt es für die Besucher eine Inselführung, die Frauen bereiten den Mittagstisch vor und wir dürfen mit den Männern noch mehr Kava trinken.

Das Festmahl

Zum Mittagessen gibt es einheimischen Fisch, Krabben, Papaya und die inseltypische, kartoffelähnliche Wurzel. Speziell schön finden wir, dass sämtliche Produkte natürlich auf der Insel vorkommen. Es gibt weder Abfall, noch musste etwas importiert werden. Die Saucen sind mit Kokosnussmilch und Kräutern angereichert und munden hervorragend. Nach dem feinen Mahl und schönen Gesprächen geniessen wir den ruhigen Nachmittag auf den Pagsinta.
Heute schauen wir uns schnorchelnd die grösste Riesenmuschel der Insel an. Diese wiegt vermutlich etwa fünfhundert Kilo und hat eine unglaubliche Grösse. Der Spaziergang über die Hügel ins nächste Dorf am Folgetag macht Spass. Die Schule für alle Kinder der Insel ist in diesem Dorf. Genau zur Mittagszeit kommen wir an. Der Hauptlehrer zeigt uns die Schule. Viele Segler haben nach dem letzten grossen Hurrikan im Jahr 2016 geholfen, um dies Schule wieder aufzubauen. Sie haben einen Generator, viele Bücher und finanzielle Mittel beigetragen, um die Schule zu unterstützen. Die Dankbarkeit der Inselbewohner den Seglern gegenüber ist spürbar. Am Abend sind wir bei Kelli und Nick eingeladen. Kelli ist gelernte Köchin und zaubert für uns ein geniales Abendessen auf ihrem Boot. Die beiden Teilen viele unserer Gedanken und sind ebenfalls in einer grossen Dankbarkeit für das Leben, welches wir führen dürfen. Alle Bekanntschaften auf unserer Reise sind für uns ein weiteres grosses Geschenk.

Stef bei der Riesenmuschel

Wir tauchen nochmals ab und bestaunen den Korallenblock in der Mitte der Bucht. Die Sonne scheint und lässt die bunten Korallen strahlen. Am Nachmittag schlägt das Wetter um. Der Himmel ist immer mehr bedeckt. Regenwolken sind im Anmarsch. Diese bleiben über die ganze Nacht. Wir schlafen einem mehr schlecht, da wir die Böen und den prasselnden Regen hören. Entsprechend gerädert stehen wir auf. Wir spüren immer wieder wie fordernd das letzte halbe Jahr mit den vielen langen und intensiven Segelschlägen war. Auch wenn wir sämtliche Momente, noch ganz speziell aufsaugen, freuen wir uns auch auf den hoffentlich bald anstehenden Bootsverkauf und die Weiterreise an Land.