Unser Segelabenteuer
 

21.07.-11.08.2025 – Auf nach Tonga

Auf Einkaufstour in Maupiti
Am Morgen fahren wir zuerst nochmals an Land, um etwas mehr Diesel zu bunkern und für die restlichen Polynesien Francs versuchen wir Früchte zu ergattern. Gar nicht so einfach. Die paar wenigen kleinen Läden bieten keine Früchte an. Die Insel hat nicht sehr viele Früchte, weshalb die meisten nicht zum Verkauf angeboten werden. Auf der Früchtesuche kommen wir an einer Fischverkäuferin vorbei. Am Strassenrand verkauft sie frischen Tuna. Diese hangen immer im Zweier-Packet über einer Stange. Perfekt, wir kaufen zwei grosse Fische für umgerechnet zehn Franken und dürfen sie auf dem Rückweg abholen. Ein paar Kilometer weiter soll eventuell jemand Früchte anbieten. Tatsächlich finden wir die besagte Dame, unter einem Sonnenschirm mit ein paar Grapefruits und Bananen. Für unser letztes Bargeld decken wir uns mit den feinen Früchten ein. Nach diesem erfolgreichen Ausflug gehen wir mit Diesel, Fisch und Früchten zurück aufs Boot.
Anker hoch und auf nach Tonga. Wie prognostiziert ist der Wind schwach. Wir machen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von drei Knoten. Wenigstens ist das Wetter ruhig. Das Tief im Süden ist spürbar. Es bringt grosse Wellen in langen Abständen, weshalb Pagsinta gemächlich über diese schaukelt. Tag für Tag nimmt der Wind etwas ab. Wenigstens bleibt das Wetter stabil und wir geniessen ein Bad im offenen Pazifik bei strahlendem Sonnenschein und können uns in der Nacht am Sternenmeer kaum sattsehen. Als wir innerhalb von zweiundsiebzig Stunden gerade einmal zwanzig Meilen machen, verlieren wir langsam die Geduld. Wir sind nach wie vor noch Tage von Tonga entfernt und bereits beinahe zwei Wochen unterwegs. Der Wind, der nun wieder aufkommt, bläst direkt aus Westen, wo wir eigentlich hinwollen. Das bedeutet wir müssen aufkreuzen. Wir fahren, machen aber super wenige Meilen. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit kommt Stef runter zu Conny, welche versucht zu schlafen. Er meint er habe eine gute Nachricht; der Himmel sei sternenklar. Und er habe eine schlechte Nachricht; beim Windpiloten hat es im Gehäuse geknackst und der Windpilot ist ausgestiegen. Wir befürchten, dass das Ersatzteil, welches wir in Panama anfertigen liessen, gebrochen ist. Ab sofort heisst es, Pinne in die Hand nehmen und selbst steuern. Wir beschliessen die Schichten auf zwei Stunden herunterzunehmen, da ein längeres Steuern zu ermüdend ist.
Heute ist eigentlich Flaute angesagt. Wir sehen allerdings ein Sturmtief am Horizont, welches auf uns zuhält. Die Genua reffen wir auf Sturmfock-Grösse ein. Zum Glück. Der Sturm kommt. Wir fahren mit stark gereffter Genua neun Knoten. Wir haben immer noch zu viel Druck im kleinen Segel und rollen es ganz ein. Es pfeift um den Mast. Die Solarpaneele binden wir herunter, damit diese nicht abgerissen werden. Wir steuern Pagsinta die Wellen herunter und surfen ohne Segel bis zu fünf Knoten. Nach vier Stunden ist der Spuck vorbei. Der Wind stellt wieder komplett ab. Wir rechnen die restlichen Meilen bis nach Niuatoputapu, unser Ziel in Tonga, aus. Der vorrätige Diesel reicht. Wir sind müde vom selbst Steuern und beschliessen den Motor anzuwerfen, damit wir in zirka zwei Tagen in Tonga ankommen. In der Nacht wird es nochmals harsch. Blitze und Donner sind direkt über uns. Wir beschliessen den Motor in den Leerlauf zu stellen, damit wir unter Deck können. Falls ein Blitz einschlägt, dürfen wir nicht auf dem Metall im Cockpit stehen. Wir müssen auf Holz im Bootsinneren sein. Erst mit der Morgendämmerung verziehen sich die Gewitter. Wir haben allerdings zirka zehn Stunden verloren. Nach gut vierundzwanzig Stunden unter Motor fühlen wir eine ungewöhnlich starke Vibration im Boot. Wir beschliessen den Motor wieder auszustellen und versuchen abermals zu segeln. Der Wind ist nach wie vor dürftig und wir werden mit dem langsamen Tempo nochmals etwas länger haben. Wie so üblich, sind wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit vor der ersehnten Insel. Da die Einfahrt eher schwierig ist und mehrere Riffe umfahren werden müssen, beschliessen wir die Nacht vor der Einfahrt zu verbringen. Diese Überfahrt zieht und zieht sich hin. Damit wir in der Nacht nicht von der Strömung auf die Insel oder ein Riff getrieben werden, behalten wir die Schichten bei. Kurz vor Sonnenaufgang räumen wir die Hundekoje aus, damit wir der Vibration vom Motor nachgehen können. Stef stellt fest, dass sich eine Klemme an der Welle leicht gelöst hat. Er zieht diese an und befestigt eine zusätzliche. Endlich, die Sonne beleuchtet die Insel und das Riff. Gerade als wir den Motor starten möchten, kommt ein Funkspruch vom Segelboot hinter uns. Sie fragen an, ob bei uns alles in Ordnung sei, da wir noch am Treiben seien. Wir bestätigen dies und lassen ihnen die Vorfahrt. Das Gemeinschaftsgefühl unter den Seglern berührt uns immer wieder. Als wir die ganzen Riffe bei der Einfahrt sehen, sind wir froh, dass wir nicht bei Nacht eingelaufen sind. Der Ankergrund ist eher tief. Wir fahren weiter in Richtung Küste, um zu prüfen, ob wir dort ankern können. Dies war zu nahe. Stef am Bug sieht das Riff zu spät und Conny vor dem Plotter hat auch nicht realisiert, dass es zu flach wird. Es gibt den schönen Spruch, in der Südsee gibt es zwei Kapitäne, diejenigen die bereits auf Riff aufgelaufen sind und diejenigen die noch auflaufen werden. Nun, wir gehören nun zur ersten Gruppe. Vorwährts geht nichts mehr. Rückwärts kommen wir leicht vom Riff los und fahren zurück zur tieferen Stelle. Dies zeigt uns nochmals, wie enorm übermüdet wir sind. Haben wir ganze acht Tage an der Pinne mit Zweistunden-Schichten hinter uns. Der Schlaf ist viel zu kurz gekommen. Den Anker droppen wir auf zirka zehn Metern. Die Sicht ist miserabel, weshalb Stef direkt mit der Tauchausrüstung zum Anker taucht. Er buddelt diesen im Sand ein. Wir schreiben die Zollbehörde an und fragen, wie es nun weitergeht. Stef als Kapitän muss um 11.00 Uhr zum Steg. Conny muss auf dem Boot warten. Der Gesundheitsminister und die Zöllnerin kommen an Board. Bei uns sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Die ganzen Segel und Materialien von der Hundekoje sind im Salon verteilt. Die Beamten haben kaum Platz, um sich hinzusetzen. Geschweige denn, das Boot genau zu durchsuchen. Sie möchten die Schränke und unsere Koje sehen und stempeln dann unsere Pässe.
Mit der Einfahrt in Tonga haben wir nochmals zwei grosse Meilensteine unserer Segelreise geschafft. Wir haben mit Pagsinta die halbe Welt umsegelt und wir sind über die Datumsgrenze gereist. In Tonga ist es einen Tag später als in Maupiti. Wir sind dreiundzwanzig Stunden voraus. So schnell haben wir noch selten gealtert, wie auf dieser Überfahrt.
Diese Überfahrt hat in uns beiden sehr viel ausgelöst. Wir sind gesättigt. Jede Überfahrt war eine weitere Herausforderung. Jedes Mal hatten wir gefährliche Situationen und oft war es sehr kräfteraubend. Falls wir das Boot noch nach Langkawi segeln würden, hätten wir nochmals viele Meilen vor uns. Ebenfalls sind wir überwältigt, von all der atemberaubenden Flora und Fauna, seit wir Panama verlassen haben. Eines unserer grossen Ziele ist noch Raja Ampat in Indonesien. Das ist ein Tauchparadies, welches seinesgleichen sucht. Von fantastischen Riffen, über Grossfische und Makro ist dort alles zu finden. Die Strömungen sind allerdings tückisch. Ein gut motorisiertes Dinghy wäre unerlässlich. Immer wieder haben wir überlegt, wie es nach Fidschi weitergehen soll. Die Strömung und der Wind, um über Papua-Neuguinea nach Indonesien zu segeln, wären gegen uns gewesen. Die Alternativroute über Palau und die Philippinen würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und nochmals viele Meilen segeln bedeuten. Zudem hat es auf den Philippinen das ganze Jahr über potenzielle Wirbelstürme. Stand heute, werden wir versuchen unser Boot in Fidschi zu verkaufen. Da wir allerdings sehr erschöpft sind, möchten wir beide nochmals gut darüber schlafen.

11.-17.08.2025 – Niuatoputapu
Niuatoputapu
Nachdem wir uns, wie üblich nach einer langen Überfahrt, ausgeschlafen haben, gehen wir an Land. In unserem Rucksack haben wir wenige Schreibblöcke und Stifte, Medikamente und Fischerhacken. Eine derart authentische Insel suchen wir seit Reisebeginn. Die Schweine mit ihren Jungen, die Pferde und Hühner laufen alle frei herum. Pfeift jedoch jemand von einem Haus, dann kommen die Tiere rasch nach Hause. Eindrücklich zu sehen, wie jedes Tier weiss, wo es hingehört. Wir sehen einen Mann, der einen Baumstamm schält und die Späne aufhängt. Auf Anfrage, was er da herstellt, gibt er uns breitwillig Auskunft. Die Fasern werden später von den Spänen gelöst und zu Schnüren verarbeitet. Er fragt an, ob wir eventuell Angelschnur und Köder zum Fischen hätten. 
Schweinisch gut ist es hier
Die gewünschte Angelschnur haben wir auf dem Boot, weshalb wir vereinbaren am Folgetag damit vorbeizukommen. Er wird im Gegenzug ein paar Papayas und Kokosnüsse für uns organisieren. Der Weg führt weiter zur Primarschule. Bei der Lehrerin fragen wir, ob sie die Blöcke und Stifte gebrauchen können. Noch so gerne nimmt sie diese entgegen, weshalb wir offerieren ihr morgen noch mehr zu bringen. Die Lehrerin zeigt uns, wie sie soeben Physik unterrichtet hatte. Die Kindern lernen die Grammatik ihrer Sprache, Englisch, Mathematik und Physik. Noch so gerne posieren die Kinder für ein Foto. Eine berührende Begegnung. 
Die Kinder in der Schule
Wir schlendern weiter über die Insel. Ein Garten ist mit vielen kleinen Tongafahnen geschmückt. Da wir noch keine Gastfahne hiessen konnten, fragen wir hier nach, ob wir eine dieser kleinen Fahnen abkaufen können. Die nette Dame schenkt uns zwei Fähnchen und erklärt uns ihr Handwerk. Aus einem Palmengras erstellen sie in mehreren, aufwändigen Schritten, ein dickes, bastähnliches Garn und flechten damit traditionelle Röcke, Matratzen und andere Dinge. Der Bast wird, wenn das zweiwöchige Versorgungsschiff kommt, auf die Hauptinsel von Tonga verkauft und ist die Haupteinnahmequelle für die Insulaner.  Jemand anderes fragen wir nach dem Weg zum Spital. Wir haben in Panama einige Schmerzmittel gekauft, um einen Ort wie diesen zu unterstützen. Kurzerhand begleitet er uns und erzählt seine Geschichte. Den Arzt kennen wir bereits. Er ist der Gesundheitsminister vom Vortag. Wir fragen ihn, ob er die Medikamente gebrauchen kann. Er ist sehr froh über unseren Besuch und meint dies würde viel helfen. Die Insel ist sehr isoliert und kann all unsere Mitbringsel sehr gut gebrauchen. Für uns, da wir an eine Weiterreise ohne Boot denken, doppelt schön, dass wir alles noch verteilen können. Langsam geht es für uns retour aufs Boot. Mehrere Stunden sind wir über die kleine Insel spaziert und haben bereits viele Eindrücke sammeln dürfen.
Nachdem wir noch einmal Gut ausgeschlafen haben und uns einen Plan zurechtgelegt haben, steht es für uns fest. Wir wollen unser Boot verkaufen. Am liebsten in Fidschi, doch wenn jemand sie bereits in Tonga oder dann halt in Neuseeland übernehmen will, ist dies für uns auch eine gute Variante. Unser neuer Plan ist, irgendwie nach Raja Ampat, welches ganz im Westen von Indonesiern liegt, zu kommen und von da aus mit Fähren, Bus und Zug langsam retour in die Schweiz zu reisen. Das gibt uns die Möglichkeit das Landesinnere mehr zu entdecken. Uns gefällt die Idee die zweite Hälfte vom Globus über Land zu erkunden. Das Boot wird verkauft, doch Pagsinta geht weiter, den Pagsinta heisst; Passion oder grosse Liebe und unsere Liebe zum Reisen, geschweige denn zueinander ist immer noch lichterloh am Brennen.
Besuch auf Pagsinta
Heute nimmt Stef als Erstes die Windsteueranlage auseinander. Wie vermutet, ist das besagte Plastikstück gebrochen. Bei der Faith kann Stef ein Stück Hartplastik abholen und fertigt mit Säge und Bohrer ein passendes Ersatzstück an. Das Montieren ist wieder eine Geduldsache. Stef bräuchte drei Hände, um alles zu halten. Im Kasten der Windsteueranlage hat allerdings knapp eine Hand Platz. Conny ist zur Stelle und alles abzunehmend, zu reichen oder zu halten. Stef muss aufpassen, dass ihm nichts herunterfällt und im brackigen Wasser verschwindet. Gegen Mittag ist das Ersatzteil erfolgreich montiert und die Windsteueranlage wieder einsatzbereit. Was für eine Erleichterung. Wir gehen nochmals an Land, um die weiteren, versprochenen Sachen zu übergeben. Ein Lehrer fragt uns, ob er mit seinen zwei Kindern auf unser Boot kommen dürfe. Selbstverständlich, wir freuen uns auf den Besuch. Nachdem alles verteilt ist, gehen wir zum Steg und treffen den Lehrer mit seinen zwei Töchtern. Zum Dank hat er zwei Papayas und einen Bund Bananen mitgebracht. Die Kinder und der Vater geniessen den Moment auf unserem Boot. Wir trinken einen Saft und plaudern ein wenig über die verschiedenen Leben. Am Abend versammeln sich alle Segler zum Sonnenuntergang auf dem vorgelagerten Motu. Auch unser Besuch kommt mit. Am Lagerfeuer geniessen wir gemeinsam einen Apéro. Ein reger Austausch findet statt. Alle kämpften mit dem Wind und Wellen auf dem Pazifik und sind froh, dass nicht sie das Problem sind, sondern scheinbar tatsächlich die herausfordernden Gegebenheiten. Mit Marcus von der Faith und Zho von der Nuku Alofa planen wir einen Tauchgang beim Pass. Zho hat ein grosses Dinghy mit starkem Motor und wird uns abholen. Im Gegenzug füllen wir ihm seine Tauchflasche.
Flughund beim Motu
Pünktlich holt uns Zho ab. Auf dem Weg zum Tauchplatz erzählen wir ihm, dass wir unser Boot verkaufen möchten. Er hat auf TikTok 1.5 Millionen Follower und würde das Boot gerne für uns in China vermarkten. Falls er unsere Pagsinta verkaufen kann, bekommt er unseren Tauchkompressor. Eine super Chance für uns beide. Wir düsen zum Riffpass und verankern das Dinghy. Beim Abtauchen sehen wir einen kleinen Weissspitzenriffhai. Ansonsten gibt es leider nur wenige Fische im Riff. Der Korallengarten ist dafür sehr schön. Und das Speziellste ist, dass wir kurz nach dem Abtauchen die Wale hören. Der Walgesang begleitet uns, während des ganzen Tauchgangs. Als wir Auftauchen, sind die anderen bereits parat, um weiter ins Blaue zu fahren. Sie haben dort eine Buckelwal-Mutter mit ihrem «Kleinen» gesehen. Wir tauchen im Blauen nochmals ab und können beobachten, wie die fünfzehn Meter lange Mutter ihr vier Meter grosses Baby stillt. Ein Erlebnis, das sich in unser Gedächtnis einbrennt. Unsere deutschen Bootsnachbaren Wolf und Rolf haben angefragt, ob wir ihr Unterwasser reinigen würden. Phu, beide sind wir froh, dass unser Boot nur zehn und nicht vierzehn Meter ist. Ihr Boot ist bedeutend grösser, die Arbeit, um das Unterwasser zu reinigen, entsprechend ermüdender. Noch so gerne nehmen wir die Einladung zum Abendessen auf ihrem Boot an. Viele Anekdoten werden ausgetauscht. Ein weiterer sehr stimmiger Abend in dieser wundervollen Bucht.
Wir sind am Dösen, als es rumpelt. Es fühlt sich an, als würde der Anker über den Grund schleifen. Wir spüren gleichzeitig, dass wir gut verankert sind. Bald realisieren wir, dass es ein Erdbeben war. Wenn wir dieses derart gut gespürt haben im Wasser, war es vermutlich ein stärkeres. Sämtliche Bootsbesatzungen sind an Deck. Per Funk schliessen wir uns kurz. Zwei Crews fahren mit unserem portablen Funk an Land, um bei den Einheimischen nachzufragen, wie sie reagieren. Sämtliche Bewohner sind auf den Hügel geflüchtet, weil sie Bedenken haben, dass das für sie starke Beben einen Tsunami auslösen könnte. Palavi, vom einheimischen Wetterdienst, bietet uns an, uns mit seinem Truck zu seinem Haus auf dem Hügel zu fahren. Er meint nur, ist seid nicht von hier, für mich ist es höchste Priorität, dass ihr wohlauf seid. Gerne nehmen wir das Angebot an und fahren mit Palavi auf den Hügel. Stef prüft im Auto die Uhr und stellt fest, dass es nach Mitternacht ist, was bedeutet, dass Conny Geburtstag hat. Sie möchte aber nicht, dass die anderen dies realisieren, und bittet ihn, nichts zu erwähnen. Auf ein paar Stühlen sitzen wir im Garten von Palavi in einer, wenn es andere Umstände wären, gemütlichen Runde. Palavi erzählt uns vom Tsunami von 2009, welcher durch ein Erdbeben in Samoa ausgelöst wurde. Er hat dabei mehrere Familienmitglieder verloren. Damals war er der Polizist von Niuatoputapu, wurde dann aber von Neuseeland geschult, um der Wetterverantwortliche von der Insel zu sein. Nach zwei Stunden meint er, nun sei es sicher, auf unser Boot zurückzukehren. Wir fragen, wie wir uns erdenklich zeigen dürfen. Er sagt, welche Sachen ihm helfen würden, wovon wir das ein oder andere auf dem Boot haben.
Obwohl wir wenig Schlaf bekommen haben, steht Stef früh auf, um ein frisches Brot für Conny zu backen. Er zaubert ein supergutes Frühstück. Sie geniesst das Dolce far niente auf Pagsinta und freut sich sehr, als am Nachmittag zwei Bootsnachbarn mit Kuchen, singend vorbeikommen. Zum Abendessen gibt es mit dem besten Brot ever Käseschnitten mit Raclettekäse. Ein gutes Glas Wein darf selbstverständlich nicht fehlen. Ein etwas müder, aber perfekter Geburtstag auf dem Boot. Das Wissen, dass es der letzte Geburtstag auf dem Boot ist, macht es noch spezieller, in dieser einsamen Ankerbucht zu feiern.
Palavi's Sohn am Strand
Heute haben wir mit Palavi abgemacht. Wir übergeben ihm Milchpulver, Kakao und ein altes I-Phone. Er zeigt uns mit seinem Truck die Insel. Er bringt uns zu den verschiedenen Stränden und der Quelle. Da das Wasser der Quelle nicht als Trinkwasser genutzt wird, dürfen wir darin baden. Was für ein Segen, einmal wieder die Haut mit Süsswasser zu reinigen. Die Strände, welche Palavi uns zeigt, sind traumhaft. Sein Sohn spielt am Strand mit den Steinen. Eine persönlichere Inselrundfahrt durften wir noch nie erleben. Was für ein Paradies.
Heute ist Sonntag. In Tonga ist am Sonntag heiliger Ruhetag. Der Kirchengang ist von grosser Priorität. Gerne gehen wir mit den Lokalen in die Kirche. Etwas enttäuscht stellen wir fest, dass nur wenige Dorfbewohner in der Kirche sind, welche wir besuchen. Im Nachhinein erfahren wir, dass die Hauptkirche sehr gut besucht war. Wir waren in einer Art Freikirche. Obwohl wir zu einem Essen eingeladen wären, zieht es uns retour auf unsere Pagsinta. Wir möchten die Bootsausschreibung und die Bilder angehen, damit wir Pagsinta zum Verkauf anbieten können. Ebenfalls prüfen wir das Wetter und entschliessen, morgen nach Vava’u weiterzufahren. Das Windfenster könnte besser sein, uns zieht es allerdings weiter. Der Wind dürfte mild, wenn auch am Ende tendenziell sehr hart am Wind sein.

18.-20.08.2025 – Weiter nach Vava’u
Schwanzflosse eines Buckelwals
Am Morgen können wir unsere «Interisland-Clearance», welche uns erlaubt ins nächste Atoll zu fahren, in Empfang nehmen. Das Boot ist klar. Wir lichten den Anker. Mit dem Motor fahren wir aus dem Atoll heraus. Kaum sind wir im Blauen, sehen wir mehrere Buckelware aus dem Wasser springen. Erstaunlich, wie diese Riesen so geschmeidig aus dem Wasser gleiten. Meist sind es die Jungtiere, welche am Spielen sind. Nachdem wir dieses Schauspiel bestaunt haben und über die tückischen Riffstellen hinweg sind, setzten wir das Segel. Genial, wir düsen mit fünf Knoten. Mit Absicht fahren wir am Wind und damit etwas zu östlich, damit wir, sobald der Wind dreht und uns eher nach Westen ziehen wird, etwas guthaben. Bis in die Nacht segeln wir mit vier bis fünf Knoten und freuen uns über die gemachten Meilen. Leider stellt in den Morgenstunden der Wind fast gänzlich ab. Wir fahren gerade noch zweieinhalb Knoten. Da wir keine Lust haben, schon wieder zu Tümpeln und uns nach wie vor viele Motorenstunden leisten können, werfen wir unseren Flautenschieber an. Die restlichen neunzig Meilen legen wir unter Motor zurück und fahren, wie geplant am Morgen in Richtung der Inselgruppe Vava’u. Kurz bevor wir ins Inselparadies einlaufen, bleibt Stef die Sprache weg. Er ruft nur noch: «WOOOOW!». Zwei ausgewachsene Buckelwale tauchen direkt neben dem Boot auf. Sie sind grösser als Pagsinta und uns bleiben die Mäuler offen. Nachdem die Wale an uns vorbeigeschwommen sind, plantschen sie mit ihrer Schwanzflosse mehrmals aufs Wasser. Die Spritzer sind bis weit weg zu sehen. Das war einmal wieder ein Begrüssungskomitee. Auch wenn wir schon vieles gesehen haben, ist das Inselparadies von Vava’u mit nichts zu vergleichen, was wir bis anhin angesegelt haben. Viele kleine Vulkaninseln umgeben die Hauptinsel. Am ehesten erinnert es uns an die Insellandschaft bei Ko Phi Phi in Thailand. Nachdem wir mehrere Inseln umfahren haben, um zur Hauptinsel zu gelangen, fahren wir in die geschützte Bucht und ergattern eine freie Boje. Unser Bootsnachbar, ein Neuseeländer, kommt mit seinen Eltern auf dem Dinghy angefahren. Sie haben unsere Schweizerfahne gesehen und wollten Hallo sagen, da die Mutter eine gebürtige Schweizerin ist. Wir plaudern ein wenig und erkunden uns beim Neuseeländer, wie hier alles läuft, da er das Gebiet seit vielen Jahren kennt. Kaum angekommen, fühlen wir uns bereits wieder als Teil einer Gemeinschaft.