28.03-12.05.2025 – Pazifik Logbuch
Wir sind bereit! Die längste Überfahrt unserer Reise steht an. Für die ca. 4000 Seemeilen rechnen wir mit 50 Tagen auf hoher See. In den ersten 700 Meilen, so der Plan, wollen wir Südwestlich segeln und den Äquator kurz vor den Galapagos Inseln überqueren. Danach sollten wir auf den südlichen Passatwind treffen. Von ihm lassen wir uns auf zirka 5° Süd Richtung Westen tragen bis nach Fatu-Hiva, Französisch-Polynesien. Für die ersten 700 Meilen rechnen wir mit knapp zwei Wochen. In dieser ersten Phase der Überquerung erwarten wir sehr wenig bis gar keinen Wind und eine glatte, ruhige See. Wir haben für zirka vier Tage Diesel an Board, also müssen wir viele Flauten aussitzen und versuchen mit dem wenigen Wind zu segeln. Sobald wir die südliche Hemisphäre erreicht haben und somit den theoretisch, konstanten Passat, richten wir die Segel neu aus und lassen uns für den Rest unserer Überfahrt von Wind und Strömung Richtung Westen treiben.
Wie bei der Schifffahrt üblich führen wir ein Logbuch. Daher verfassen wir unsere Erlebnisse in der Logbuch-Form.
28.03.25
10:20 Uhr Motor läuft, wir lichten den Anker – Bye Bye Panama, Bye Bye Festland
11:00 Uhr Beim Reinigen vom Anker verlieren wir unseren Eimer. Sch***, fängt ja gut an
14:00 Uhr Der Wind frischt auf, wir segeln mit der Genua und dem Windpiloten 3kn
15:30 Uhr Der erste Tuna hat angebissen – Lecker!
29.03.25
18:00 Uhr Wind auf die Nase, wir müssen aufkreuzen, machen bis zu 5kn Fahrt
31.03.25
09:00 Uhr Kein Wind mehr, Genua einrollen und mit der Strömung treiben lassen
Viele grosse Thunfische springen, in der Ferne eine Haiflossen
01.04.25
12:40 Uhr Wenig Wind, zum ersten Mal den Blister (Leichtwind- Segel) gesetzt
18:00 Uhr Kein Wind mehr, ein Blauhai direkt am Boot – fantastisch!
02.04.25
05:30 Uhr Zwei kleine Seeschlangen spielen hinten am Heck
06:10 Uhr Motor an, fahren Total 50nm bis zur Dämmerung, Richtung Süden
03.04.25 Ganzer Tag getrieben
18:00 Uhr Tölpel sitzt auf dem Mast, Stef zieht Conny hoch, sie vertreibt ihn mit Müh und Not
04.04.25
06:00 Uhr Blister gesetzt
06:30 Uhr Gewitter mit Sturmböen kommt rasch näher. Blister sofort runter!
11:45 Uhr Gewitter vorbei, endlich lauer Wind, Blister steht
05.04.25
06:00 Uhr Frühstück zum Sonnenaufgang, Delfine am Boot, perfekt!
08:00 Uhr Genua gesetzt, endlich wieder Fahrt mit 4kn in Richtung SW
19:15 Uhr Conny sichtet einen Wal direkt am Bug! Stef schläft…
06.04.25
09:30 Uhr Diverse Gewitterzellen um uns, wir wenden, halsen, drehen wie der Wind
machen gute Fahrt
18:00 Uhr Motor läuft für zwei Stunden um Batterien zu laden
07.04.25
11:30 Uhr Immer noch Flaute, Motor an für 4 Stunden, Fahrt Richtung Süden
08.04.25
15:50 Uhr 50 Liter Diesel nachgetankt
15:55 Uhr Leichter Wind, Genua gesetzt, machen 3kn Fahrt
09.04.25
08:00 Uhr Motor an, 6kn Fahrt Richtung Äquator
Ganzer Tag grau in grau, immer wieder starker Regen, das drückt aufs Gemüt
10.04.25
04:45 Uhr Äquator Überquerung!! Das wird mit Rum gefeiert!
Wir sind in der südlichen Hemisphäre, unglaublich! Hochstimmung!
17:00 Uhr Wind kommt auf, Genua gesetzt, Windpilot steuert
Ist dies bereits der Passatwind auf 01° Süd?
11.04.25
11:00 Uhr Der Wind stellt ab, wieder Flaute, es schlägt uns in den Wellen hin und her, setzten das Grosssegel für mehr Stabilität
14:00 Uhr Die nächsten Regenzellen ziehen auf, Wind nimmt langsam wieder zu
18:00 Uhr Starker Wind, Für die Nacht das Gross runter, Genua auf ein Minimum, machen immer noch bis zu 5kn Fahrt.
12.04.25
13:45 Uhr Es schüttet wie aus Eimern, kein Wind
Nacht sehr unbeständig, Regen, Sturmböen, Flaute, sehr anstrengend
15.04.25
12:05 Uhr Endlich, beständiger Passat, eine Schule Grindwale am Boot
13:30 Uhr Einen Mahi Mahi gefangen. Wir freuen uns auf frischen Fisch
16.04.25
10:20 Uhr Stef sichtet unweit vom Boot eine grosse Haiflosse, ziemlich sicher von einem weissen Hai!
17.04.25
14:15 Uhr Wind hat abgenommen, Blister gesetzt
19.04.25
11:55 Uhr Seit über 12h bedeckter Himmel, viel Regen, böiger Wind
00:00 Uhr Das schlechte Wetter hält an. Zerrt an Kräften und Stimmung
20.04.25
12:45 Uhr Die ersten Sonnenstrahlen seit 36h. Die Lebensgeister kehren zurück
22.04.25
09:30 Uhr Wal in Sicht! Die Flunke bleibt uns verwehrt, ein schöner Blast ist zu sehen
10:30 Uhr Zuviel Druck im Blister! 7kn Fahrt! Blister geborgen und Genua gesetzt
15:45 Uhr Grosser Öltanker auf Kollisionskurs. Kurzer Funkspruch. Er passt den Kurs an.
24.04.25 Neun Seemeilen unter Motor gefahren. Batterien sind wieder voll
26.04.25
15:00 Uhr Stef reinigt den Rumpf von wuchernden Muscheln. Plus 0,5kn Fahrt!
22:00 Uhr Conny kämpft mit diversen Regenzellen und allen Schikanen von Flaute über Sturmböen zu Winddrehern. Eine harte Nachtschicht!
28.04.25
12:00 Uhr Seit einem Monat auf hoher See!
03.05.25
13:30 Uhr 60h hartes Wetter mit sinnflutartigen Regenfällen und Sturm und Flauten
kaum Meilen gemacht, dafür starke Ängste und Niedergeschlagenheit und Kraftlosigkeit durchlebt
07.05.25
14:30 Uhr Nach weiteren zwei Nächten mit Starkwind, scheint heute entgegen den Prognosen die Sonne. Machen gut Fahrt. Noch 529nm
09.05.25
21:00 Uhr Conny sieht Delfine direkt am Boot. Anschliessend Regengüsse und Sturmböen
12.05.25
09:00 Uhr Wann war eigentlich der letzte Eintrag? Egal! Wir durchleben die Tage wie in einer Katatonie
10:00 Uhr Wieder einmal den Blister gesetzt
10:30 Uhr Haben den Blister auf der falschen Seite gesetzt. Müssen Halsen. Was für ein Aufwand mit dem grossen Tuch und dem Spiebaum.
13:15 Uhr Sogar für den Blister zu wenig Wind. Zusätzlich Riss in Blister entdeckt. Die letzten 60nm fahren wir unter Motor.
18:10 Uhr !!! LAND IN SICHT !!!
12.05.25
21:30 Uhr Anker hält in der Bucht Baie d’Omoa von Fatu-Hiva!
Total haben wir 4040 Seemeilen in 45 Tagen bewältigt. Während der ganzen Zeit haben wir unsere vier Stunden Schichten beibehalten. Einige Tage mit Flaute ausgesessen und viele Tage im kräfteraubenden Schlechtwetter verbracht. Wir haben Ängste und Glücksgefühle durchlebt. Waren niedergeschlagen, wollten an allen anderen Orten sein und doch an keinem anderen. Das Gefühl nach 45 Tagen Land zu sehen ist nicht in Worte zu fassen. Gleichzeitig rufen wir die magischen Worte: «Land in Sicht!» und fallen uns unter Tränen in die Arme. Nachdem der Anker hält, füllen nochmals Tränen unsere Augen und wir können unser Glück kaum fassen. Beim verdienten Ankerbier lassen wir die Tage auf See sacken. Unsere geliebte Pagsinta hat uns unbeschadet durch Wind und Wetter bis nach Französisch-Polynesien gebracht. Der Windpilot hat die ganze Zeit seinen Job hervorragend gemeistert und wir haben keinen einzigen Defekt am Boot. Endlich, nach so langer Zeit in den Wellen können wir in Ruhe eine Nacht, Arm in Arm durchschlafen.




